Besuch bei Prof. Schön auf der „Madeira Orchid Farm“ in Funchal

Als wir auf Madeira ankamen, schien die Sonne, das Meer war blau, es wehte eine leichte Brise…..für noch ungefähr 3 Stunden.

Dann verdunkelte sich der Himmel, es begann zu stürmen und es regnete von da an sieben Tage.

Das war aber überhaupt nicht schlimm, denn am dritten Tag nach unserer Ankunft bekam ich eine Grippe und lag fast nur noch im Bett.

Aber einen Tag davor, hatten wir die Gelegenheit eine Orchideenfarm zu besichtigen und danach den berühmten botanischen Garten in Funchal. Allein dieser Ausflug war die Reise wert gewesen.

Wir wurden geführt von dem Leiter der Orchideenfarm Prof. Schön. Er ist Botaniker, Zoologe, Kosmologe, Universalgenie, unglaublich unterhaltsam und jugendliche 72 Jahre alt. Er lebt und arbeitet multilingual. Er spricht fließend deutsch – wie mir eine Leserin dieses Blogs mittteilte, ist er gebürtiger Sachse – mit einer hinreisend individuellen Ausdrucksform. Seine Ausführungen waren vollgepackt von botanischem und biologischem Wissen, dessen Fülle man kaum aufnehmen konnte.

Während seiner Rede schien es, als würde er erst alles im Moment des Aussprechens aus mehreren Sprachen, die ihm alle gleichzeitig auf der Zunge lagen, ins Deutsche übersetzen. Mit jedem Satz machte er eine neue Worterfindung, hörte man eine neue Redewendung, die es bis dahin im Deutschen so nicht gegeben hat, aber aus seinem Munde doch perfekt zu verstehen war.

Leider habe ich mir nur wenig gemerkt. Besonders schmunzeln musste ich, als er den Berg hinaufzeigte, auf die Kirche in Monte deutete und sagte: “ Ach ja, und da oben liegt der Kaiser Franz-Josef mit seiner Leiche.“ An anderer Stelle ermahnte er: „Man darf nicht zu lange in der Sonne stehen ohne Schütze.“ Zwischen zwei Regenschauern war für fünf Minuten die Sonne hervorgekommen. In dieser kurzen Zeit einen Sonnenstich zu bekommen, war nicht zu befürchten, aber seine Fürsorge war trotzdem rührend.

Professor Schön, Leiter der Madeira Orchid Farm

Professor Schön, Leiter der Madeira Orchid Farm

Prof. Schön führte uns durch seinen dicht bewachsenen Garten mit Gewächshaus, in dem eine Orchideenkostbarkeit neben der anderen zu bewundern ist. Auf dieser Farm werden neue Orchideenarten gezüchtet und verkauft, um aus dem Erlös wiederum wilde Arten, die vom Aussterben bedroht sind, zu pflegen und zu erhalten. Unter anderem sahen wir das wahrscheinlich letzte bekannte Exemplar der Orchidea Negra, eine schwarze Orchidee. Trotz aller Bemühungen kann die kranke Pflanze nicht mehr vermehrt werden. Für den durchschnittlichen botanischen Banausen wie mich, sah sie aus wie irgendeine vergammelte Topfpflanze, denn sie war verblüht und ihre Blätter hingen schlaff herunter. In Wirklichkeit aber waren wir Zeuge des Aussterbens einer Art.

Während im Gewächshaus der Professor zügig voran schritt und rechts und links auf die Pflanzen deutend über das Leben und die Pflege von Orchideen sprach, zeichnete ich so schnell ich konnte einige der Blüten.

Orchid Farm 1Orchid Farm 2Orchid Farm 3Orchid Farm 5Orchid Farm 6Prof. Schön ist übrigens der Neffe der Begründerin des botanischen Gartens in Funchal, Martha Schön. Im Internet habe ich fast nichts über sie gefunden. Prof. Schön erzählte, dass sie, eben in diesem Garten, der heute als Orchideenfarm bekannt ist, umfangreiche Forschungen mit Pflanzen und deren Heilwirkungen betrieb und mit Universitäten und internationalen Instituten in regem Kontakt stand.

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25 Gedanken zu „Besuch bei Prof. Schön auf der „Madeira Orchid Farm“ in Funchal

  1. Das ist eine Schoene Geschichte. Mir gefaellt, dass Kaiser Franz Josef nicht so alleine ist. Die Orchideen gefallen mir auch sehr gut. Moechte sie gerne als Inspriation fuer eine Glasskulptur nutzen. Vielleicht habt Ihr ja mal Zeit am Wochenende zu Skypen, wenn wir uns schon so nicht mehr sehen.Wollen doch Roland noch nachtraeglich zum Geburtstag gratulieren.

    Alles Liebe petra

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    Kaiser-Lee, LLC – (239) 540-1137 – http://www.kaiserlee.com

    • Das ist eine gute Idee. Könnt ihr am Samstag um 19 Uhr bzw. 1 p.m. bei euch? Ich hoffe, ich kriege Skype wieder in Gang.
      Wenn dir meine Zeichnungen als Anregung für eine Skulptur dienlich sein könnte, wäre das für mich eine große Ehre. (Im April kommen wir übrigens wieder nach hause.) 🙂

      • Hi Martina,
        wollte mich nur einmal melden und sehen, ob wir vielleicht mal wieder zusammenkommen koennen.

  2. Was für ein schönes Erlebnis (es fällt mir schwer jetzt nicht das Wort „schön“ zu schreiben), auch wenn das Wetter miserabel war und du dir noch die Grippe geholt hast. Deine Orchideenzeichnungen, liebe Martina, finde ich ganz bezaubernd, auch wie du die Geschichte erzählst. Und Prof. Schön hätte ich mir genau so vorgestellt!

  3. Danke, dass du deine Erfahrungen teilst. Ich bewundere sehr, wie leicht du mit Worten Stimmungen zeichnen kannst und die Atmosphäre von Örtlichkeiten wiedergibst. Ich wandle also für einige Momente mit euch im Orchideendschungel, sehe die schwarze Orchidee, die vermeintlich vor sich hinzukümmern scheint, erhalte Impressionen anderer Arten, schaue auf den Monte und gucke verwundert zu Prof. Schön, versuche Wortkreationen in meinem Hirn zu sortieren. Madeira war sicherlich ein wundervoller Ort um wieder Kraft zu schöpfen. Danke für die Orchideenzeichnungen. Zeichnen und schreiben sind zwei künstlerische Ausdrücke die sich fantastisch ergänzen. Freue mich auf weitere Reiseeindrücke.

    • Danke, Andrea Christine. Ich freu mich sehr, dass dir der Artikel gefällt. Wenn man etwas so Beeindruckendes erlebt und beeindruckenden Menschen begegnet, fällt es einem leicht davon zu erzählen. 🙂

  4. Wir waren vorige Woche dort, sind genauso begeistert. Übrigens hat mir Dr. Schön erzählt, er sei in der Nähe von Riesa (Sachsen) geboren worden. Wie lange er dort schon weg ist, keine Ahnung.

    • Ganz vielen Dank, Meise, für deinen Hinweis. Habe ihn gleich eingearbeitet. Ich glaube, die Reiseleiterin, die uns im Hotel diese Führung vermittelte, sagte, er sei Österreicher, aber er selbst wird wohl besser wissen, woher er stammt. 🙂
      Ich hoffe, ihr hattet besseres Wetter. Aber diese traumhaft schöne Botanik braucht es ja auch feucht, da nimmt man gern ein bisschen Regen in Kauf.

  5. Wir waren Ende April 2014 für 14 Tage auf Madeira. Haben das Blumenfest 2014 miterleben können, hatten super Wetter und haben auch Prof. Dr. Schön kennengelernt. Haben seine Orchideenfarm besichtigt und er hat uns durch den botanischen Garten geführt. Kann nur bestätigen, dass Prof. Dr. Schön eine wirklich bemerkenswerte Persönlichkeit ist. Überhaupt waren diese 14 Tage auf Madeira ein Traum!

    • Ja, Elke, Prof. Schön ist wirklich klasse. Bei uns ging die Vermitttlung damals über den Reiseveranstalter. Freunde von uns wollen demnächst auch diese Tour machen, aber ich kann ihnen gar nicht sagen, wie man an diese Tour rankommt. Wie hattet ihr den gebucht?

      • Hallo Martina, wir hatten diese Tour auch beim Reiseveranstalter gebucht. (Neckermann)

      • Kann mich Elke Stahl anschließen, wir hatten diese Tour ebenfalls beim Reiseveranstalter Neckermann gebucht.

  6. Mein Mann und ich waren im April und ende September diesen Jahres Besucher der Orchideenfarm sowie des botanischen Gartens. Herr Prof. Schön hat uns mit viel Umsicht geführt und blieb uns keine Antwort schuldig. Ich hatte im September eigens zu diesem Besuch Blätter meines Lorbeerbusches mit genommen, weil ich mir nicht sicher war, ob meine Blätter genießbar sind. Der Professor konnte uns beruhigen. Aber auch die gesamte Führung war ein Erlebnis. Die Artenvielfalt hat uns neben der Vermittlung derart beeindruckt, dass wir uns diese Führung ein 2. Mal gegönnt haben. Es hat mich gefreut, in den vorangegangenen Beiträgen zu lesen, dass der Herr Professor auch ein Sachse ist.

    • Das kann ich verstehen, dass ihr zwei mal dort ward, Liane. Diese Führung mit Prof. Schön gehört zu den Highlights unserer Reiseerlebnisse der letzten Jahre. Wenn ich wieder nach Madeira komme, werde ich mich dort auch sofort wieder anmelden.
      Herzliche Grüße (nach Sachsen?),
      Martina

  7. Wir waren vor zwei Wochen bei „Adolf“, er begrüßte uns mit dem Satz; „Wir sind ja alle Deutsche“, Rauschebart und leichtem Akzent. Sein Engagement für unseren Lebensraum ist bemerkenswert. Wir konnten spüren, dass er das liebt, was er tut. Wunderbare Eindrücke, und ich wäre so gern noch länger geblieben,

  8. Moin moin, wir waren gestern bei Prof.Schön und es war ein Erlebnisse das alle anderen Touren hier in den Schatten stellt !
    Sowas von interessant und voller Begeisterung zeigte er uns seinen Garten .
    Er bezog alle Gäste mit ein , wobei es des öfteren dazu kam das er Gott zu Hilfe bat ! „Oh , mein Gott“ waren seine Worte .Einfach Klasse der Mann !
    Können wir nur jedem empfehlen , ob er sich für Pflanzen interessiert oder nicht .
    Mfg Ines und Henry aus , noch Funchal !

    • Ganz herzlichen Dank für ihre Zeilen. Es freut mich sehr zu hören, dass der Herr Professor nach wie vor aktiv und fit ist. Wir haben den Besuch bei ihm auch sehr genossen. Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Zeit auf Madeira. Martina

    • war auch für mich ein gelungender tag ,war schon toll wie der prof.mit seinem universalwissen und seinem humor alle begeisterte . trotz
      der teilweise kaotischen und für einige ältere eine anstrengende anfahrt (wanderung),sind ihm doch fast alle eifrig und mit begeisterung gefolgt.solche menschen können mit ihrer begeisterung noch andere begeistern,obwohl er auch mahnenden worte hatte ,war er ein postiv denkender mensch ,und ich bin froh ihn getroffen zu haben .

  9. Wir kommen gerade von einer Führung mit Prof. Schön. Leider kann er nach dem verheerenden Brand im vergangenen Jahr am Monte nicht mehr durch seinen Orchideenschatz führen. Er hat alles verloren, neben den wertvollen Orchideen auch seine wertvolle Bibliothek. Er hat uns über eine Pflanzenfarm und über die Quintett da Boa Vista geführt. Dort betreibt die Engländerin Lady Garden und ihr Sohn eine Orchideenzucht. Für uns war es ein unvergessliches Erlebniss, den Professor trotz dieser Schicksalsschläge so engagiert und lebensbejahend erlebt zu haben. Wir würden die Führung immer wieder machen, inklusive seiner Dünger- und Pflanzenpflegetips.

    • Oh je, von diesem Brand wusste ich nicht. Ich bin aber froh zu hören, dass der doch immerhin nicht mehr ganz so junge Professor nach wie vor aktiv ist. Vielen Dank für diese Nachricht.

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