Der allererste Blick oder: Wie DEIN Blick mit auf die Zeichnung kommt

KlatschmohnWas man auch anschaut, bevor man beginnt zu zeichnen, sieht man immer irgendein einzelnes Detail zuerst.

Und dann sieht man immer mehr und mehr und im nächsten Moment weiß man nicht, wohin man zuerst und zuletzt schauen soll.

Aber es gibt immer diesen allerersten Blick, dieses allererste Erkennen.

Dieser erste Blick ist der erste Kontakt, den der Zeichner wie einen Anker hinauswirft, um mit dem Motiv eine Verbindung herzustellen.

Dieser erste Blick ist gedanken-los und somit sprach-los.

Dieser erste Blick nimmt wahr – „wahr“ wie in Wahrheit.

Mit diesem ersten Blick auf das Motiv, erkennt der Zeichner („erkennen“ wie in Erkenntnis), was für ihn hier und jetzt und in diesem Moment, das unmittelbar Wesentliche ist.

Doch diese stumme Sprachlosigkeit währt leider nicht lange.

Schon mit dem zweiten Blick setzt das Denken ein und die Gedanken beginnen im Kopf des Zeichners zu sprechen.

Diese sprechenden Gedanken kommentieren, kategorisieren und beurteilen, was der Zeichner sieht.

Das wortlose Fühlen des ersten Momentes, des ersten Blicks, wird abgelöst vom ständig plappernden und alles besserwissenden Verstand.

Sobald wir etwas wahrgenommen haben und der erste Blick abgelöst wird vom nächsten Blick, kommt unser Verstand angerannt und redet mit.

Anstatt zu erkennen und zu fühlen, was wir sehen, lassen wir es uns nun von unserem Verstand erklären.

Und was geschieht mit jenem ersten Blick, dem ersten wortlosen Gefühl?

Vergessen.

Verschwunden.

Als hätte es ihn nie gegeben.

Da war schon alles erkannt, erfasst und gewusst mit diesem ersten Blick, aber du hast ihm nicht getraut. Du traust deinen Augen nicht und fragst stattdessen lieber deinen Verstand, was er glaubt, was du sehen solltest.

Diese, deine Gedanken sind voller Wörter, doch das Zeichnen selbst ist wort-los.

Dein ersten Blick auf das Motiv und dein erstes, noch sprach-loses Gefühl bestimmen den Grundton für die Beziehung zwischen dir als Zeichner und deinem zu zeichnenden Motiv.

In diesem allerersten Moment des klarsichtigen Erkennens ist schon die ganze Zeichnung entstanden, du müsstest jetzt nur noch deiner Hand erlauben, diesem Erkennen auf dem Papier folgen zu dürfen.

Aber was machst du stattdessen?

Du beginnst zu grübeln.

Da ist so viel zu sehen, sagen dir deine Gedanken. Wir müssen hier rational und strukturiert vorgehen, behaupten sie. Überlege, wo du anfängst und wo du aufhörst, ermahnen sie dich. Zuerst musst du wissen, welche Linien die wichtigen sind und welche weniger wichtig, bevor du zu zeichnen beginnst.

Anstatt frei und gedankenlos zu zeichnen, denkst du nach. Wenn du aber darüber nach-denkst, also deinem ersten Blick, deinem unmittelbaren Sehen hinterher denkst, um herauszufinden, was es alles zu sehen gibt, verlierst du die Erkenntnisse des ersten Blicks. In deinem ersten Blick war alles Wesentliche schon enthalten.

Das Wesentliche, das nur für dich und nur für diese einzigartige Zeichnung in nur diesem einzigartigen Moment das Wesentliche ist.

Das Wesentliche ist das Einzigartige, das nur zwischen dir und dem, was du zeichnerisch erfasst und wahrnimmst, existiert.

Die Herausforderung hier ist, den ersten wortlosen Blick zuzulassen und dem allerersten Erkennen zu vertrauen.

Wenn du von Anfang an ausschließlich deinen Augen traust, gleich im ersten Moment und ohne zu hinterfragen zu zeichnen beginnst, kommt DEIN Blick, dein ganz eigener Blick, mit auf die Zeichnung.

Du siehst, was ich nicht sehe und ich sehe, was du nicht siehst. Deshalb interessiert uns Kunst. Wir zeigen einander, was wir nie gesehen hätten, gäbe es des anderen Blick nicht.

Was wir auf den ersten Blick erkennen, erscheint uns immer unspektakulär und deswegen wird dem, was wir da sehen, nicht viel Bedeutung beigemessen und es wird sehr leicht über-sehen. Man macht sich stattdessen doch lieber auf die Suche nach dem vermeintlich Besonderen.

Das Geheimnis jedoch ist:

DEIN Blick ist immer ein besonderer und mit DEINEM Blick siehst du immer das Besondere.

Suchst du jedoch absichtlich nach dem Besonderen, findest du nur das Gewöhnliche.

 ______________________________________________________

Das kostenlose online-Magazin

„Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“

erscheint monatlich

mit Ideen und Inspirationen zum mühelosen Zeichnen.

Um „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ monatlich per E-mail zu erhalten, trage dich bitte in das unten stehenden Formular ein.

(Selbstverständlich werden alle Namen und Adressen vertraulich behandelt und niemals weitergegeben.)

Das online-Magazin kann jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ gekündigt werden.

X – Ja, ich möchte gerne kostenlos das online-Magazin „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ abonnieren.

Bitte vor dem „Abschicken“ noch mal schnell überprüfen, ob die email-Adresse richtig geschrieben wurde.

Herzliche Grüße und bis bald :-),

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s