Antworten aus über 4 Jahren „25 Tipps wie man richtig gut zeichnet“, Folge 1

Im Herbst 2011 habe ich die „25 Tipps wie man richtig gut zeichnet“ veröffentlicht und dieser Artikel ist seither der meist gelesene und kommentierte Text dieser Webseite. Inklusive meiner Antworten haben sich inzwischen 149 Kommentare dort zusammengefunden. Manchmal sind es Fragen, manchmal Erfahrungsberichte, manchmal schreiben erfahrene Zeichner, manchmal sogenannte „Anfänger“ und manchmal auch Kinder. Ich glaube, vieler dieser Texte können auch für andere Zeichner von großem Interesse sein.

Da sie aber unterhalb der „25 Tipps wie man richtig gut zeichnet“ stehen und in dieser langen Abfolge von Kommentaren versteckt sind, vermute ich, werden sie von anderen Besuchern dieser Webseite gar nicht so oft gefunden und gelesen.

Deshalb will ich heute eine kleine Serie beginnen und einige an dieser Stelle noch mal veröffentlichen.

Obwohl die meisten anonym schreiben bzw. unter einem Pseudonym, kürze ich trotzdem die Namen mit dem Anfangsbuchstaben ab.

Eine, wie ich vermute, noch sehr junge Schülerin schrieb, sie habe vergessen, wie man einen Tisch zeichnet und sie bat mich, es ihr zu erklären.

Hy,Martina!
Ich liebe so seeeeeeehr zeichnen ,ich mache es auch.
Mein Lehrer sagt öfters zu mir:”Du bist die Beste Schülerin,die so gut zeichnen kann”
Das freut mich.Doch heute musste ich ein tisch zeichnen,ich habe aber total vergessen,wie es geht!Bitte wenn es möglich ist,erkläre es mir
Liebe Grüße,
J.

Hallo J.,
weil du das Zeichnen so sehr liebst, bist du auch so gut darin. Das ist ganz wundervoll.
Eine Anleitung wie man einen Tisch oder irgendetwas anderes zeichnet, gibt es nicht, da jeder Mensch anders zeichnet. Jeder Mensch muss für sich selbst rausbekommen, wie er selbst einen Tisch zeichnet. Ich kann dir aber ein paar Sachen sagen, bei denen du, speziell bei dem Zeichnen eines Tischs, achten kannst.
Schaue dir einen echten Tisch genau an, nicht einen auf einem Foto, und zeichne diesen.
Stell dir vor, du fliegst ÜBER dem Tisch und schaust von oben herab auf die Tischplatte.
Von dort aus siehst du genau, wie lang und breit diese Tischplatte ist, nicht wahr?
Jetzt landest du wieder auf deinem Stuhl und betrachtest von dort aus den selben Tisch. Du siehst wieder die Tischplatte. Obwohl du weißt, von deinem Flug, wie groß und breit diese Platte ist, kannst du jetzt feststellen, dass diese Platte anders aussieht. Es sieht aus, als sei die Platte schmaler geworden. Du siehst sie nicht mehr in voller Breite, sondern “verkürzt”, wie man beim Zeichnen sagt. Der Abstand zwischen der vorderen Kante und der hinteren Kante ist viel geringer, als der Abstand, den du siehst, wenn du die Tischplatte von oben betrachtest. Und dann schau mal auf die Tischbeine. Du weißt, dass alle Tischbeine gleich lang sind. Wenn nicht, würde der Tisch ja umkippen.
Aber trotzdem sieht es so aus, als seien die hinteren Beine kürzer als die vorderen Beine, stimmt´s?
Ich weiß jetzt nicht, von welcher Position aus du dir den Tisch anschaust, deshalb musst du selbst rauskriegen, in welche Richtung und mit welcher Neigung die vier Tischkanten verlaufen.
Dazu strecke deinen Zeigefinger gerade in die Luft, kneife ein Auge zu, und schaue auf den Zeigefinger. Den geraden Zeigefinger – du musst den Finger immer gerade halten, das ist wichtig – legst du in der Luft an einer der Tischkanten entlang. Weil du ein Auge zukneifst, sieht es so aus, als gäbe es zwischen deinem Finger und dem Tisch gar keinen Abstand, obwohl der Tisch in Wirklichkeit viel weiter von dir weg ist als dein Finger, den du ja fast vor der Nase hast.
Diesen Finger kannst du mit der gesamten Hand wie einen Scheibenwischer nach rechts oder links bewegen, aber bewege ihn nicht nach vorne oder hinten. Sobald der Verlauf der Tischkante mit der Neigung deines Fingers übereinstimmt, machst du das zugekniffene Auge wieder auf und schaust auf deinen, nun schräg gehaltenen Finger. Diese Schräge entspricht nun genau dem Verlauf der Tischkante und du weißt nun, wie die Linie, mit der du die Tischkante zeichnest, auf dem Zeichenpapier verlaufen muss. So machst du das mit allen vier Tischkanten und – trara – du hast einen Tisch gezeichnet. (die Beine nicht vergessen 🙂 )
Viele Grüße,
Martina

 

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