Ein fast gemütlicher Zeichennachmittag

lesen6Manchmal ist man mit sich und seinen Zeichnungen so unzufrieden oder wütend, dass man am liebsten diesen verdammten Zeichenblock hinschmeißen möchte oder zumindest die letzte Zeichnung einfach zerreißen will.

Neulich hatte ich so einen Wutanfall. Ich wollte meinen Mann beim Lesen zeichnen. Ich sehe ihn so gut wie nie irgendwo einfach so dasitzen und Modell sitzen will er auch nicht – ich vermute, weil er eben keine 10 Sekunden still sitzen kann. Und dann dieser Glücksfall. Es war ein sonniger Nachmittag, er nimmt sich ein Magazin und lässt sich damit auf dem Liegestuhl nieder.

Ich beginne zu zeichnen, von ihm unbemerkt. Doch was macht dieser Mensch? Er dreht und wendet sich, mit dem Magazin in den Händen und es dabei lesend. Er wirft sich auf diese Seite, dann wieder auf die andere, er streckt das Bein aus und hebt den Arm über den Kopf. So geht es minutenlang. Ich zeichne weiter und fange an innerlich zu kochen. Blöd, ich weiß, aber ich war so enttäuscht, dass ich ihn noch nicht mal lesend, „einfangen“ konnte. Wie kann man denn nur beim Lesen derart rumhampeln? Schließlich sagte ich zu ihm, und ich glaube nicht, dass meine Stimme allzu scharf geklungen hat, „würdest du bitte mal für eine Minute still halten?“

„Warum, ich mach doch nichts“, gab er zurück, streckte seine Beine aus, rieb sich die Stirn und las weiter.

„Okay“, sagte ich, „bitte, das eine Mal. Nur einmal. Entscheide dich für eine bequeme Haltung, bleib so mal für eine Minute.“Er brummte, faltete das Magazin nach hinten und fragte: „Ist es so recht?“ – „Ja.“

„Ich habe eine Mücke im Ohr, ich muss mich kratzen“, war das nächste, was er sagte, und zwar keine drei Sekunden später, und schon drehte er den Kopf, richtete sich auf….

und dann habe ich das Blatt vom Block gerissen und es in lauter kleine Teile zerrupft. Ende mit Zeichnen.

Als ich dann später die Schnipsel in meiner Tasche fand, spürte ich wieder dieses Unbehagen. Es war so etwas in die Richtung, na, dieses Zeichnen ist ja mal so richtig schief gegangen.

Wenn ich den Zeichenblock einfach zugeklappte hätte, würden mich diese Skizzen nun an einen gemütlichen Nachmittag mit meinem zappeligen Mann erinnern. Aber nein, ich musste ja unbedingt etwas „Wollen“. Ich „wollte“ nämlich unbedingt zeichnend diesen gemütlichen Nachmittag festhalten. Ha!

DAS war gründlich schief gegangen, nicht das Zeichnen.

 


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9 Gedanken zu „Ein fast gemütlicher Zeichennachmittag

  1. Zum Glück hast Du nicht alle Zeichnungen zerrissen und teilst sie mit uns. Aber diese Wut kenne ich – und wahrscheinlich alle ZeichnerInnen – sehr gut … Schön dass Du gerade so einen Output an tollen Texten hast!

  2. Hallo Martina ! Da kann ich Wintergoldhuenchen nur zustimmen. Arbeiten wir drann. Täglich !!!!!!!!! Ganz herzliche Grüsse Petrus

    • DIESEN Zappelheini zu zeichnen, ist so als würde man versuchen, einen Sack Salsa tanzender Flöhe zu porträtieren. Dagegen bewegen sich Jazzmusiker in Zeitlupe. (Ja – das Buch – seufz. Sobald ich ein Konzept erstellen will, verfalle ich in einen unangenehmen Lehrerton. Folge: Procrastination (hört sich seriöser an als aufschieben) Am liebsten würde ich alle meine Texte, die ich schon habe, zusammenschmeißen, zwischen zwei Buchdeckel pressen und gut is.

      • Vielleicht könntest du deine gesammelten Texte tatsächlich sichten, ordnen und das Konzept entsteht dabei nebenbei?
        LG Petra

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