5 Tricks, wie man beim Zeichnen am besten seinen Verstand verliert

ba4Wer will schon seinen Verstand verlieren?

Einen gut funktionierenden Verstand zu haben ist das Wünschenswerteste, was man sich nur vorstellen kann. Der eigene Verstand gibt einem Sicherheit im Alltag. Er sorgt dafür, dass wir diese Welt „verstehen“ und er hilft uns, kluge Entscheidungen zu treffen.

Wir brauchen unseren Verstand. 

Der Verstand ist quasi der Käpt´n im Kopf, der in jeder Situation den Überblick behält, damit wir auf Kurs bleiben.  

 Und doch, wer wirklich ausdrucksstarke und authentische Zeichnungen machen will, kommt nicht drum herum, seinem Verstand ab und zu in den Urlaub zu schicken.

Freiwillig allerdings wird er die Kontrolle auf der Brücke nicht aufgeben. Schließlich ist er für reibungslose Abläufe zuständig, er erklärt uns, was wir sehen und hören und er sagt uns, was wir zu denken haben. Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass wir optimal durchs Leben schippern.  

 Aber blöd ist, speziell für Zeichner, der Verstand kann nicht zeichnen, er weiß das aber nicht. Und wie er es nun mal gewohnt ist, will er auch beim Zeichnen die Oberhand behalten.

Und weil er glaubt, schon alles zu kennen und alles schon mal gesehen zu haben, verleitet er den Zeichner dazu, beim Zeichnen nicht richtig hinzusehen. Er sagt zum Beispiel soetwas wie,  

„ach komm, so eine Rose habe ich schon hundert mal gesehen, eine sieht aus wie die andere.“ Dem Verstand reicht es nämlich völlig, eine Rose als eine Rose zu erkennen, als irgendeine. Dass keine Rose der anderen gleicht, interessiert ihn nicht.  

Er überredet den Zeichner zu zeichnen, was dieser weiß (nämlich alle Rosen sehe irgendwie gleich aus) und nicht, was er tatsächlich sieht (diese einzigartige Rose).

Und schon, ups, ist die Zeichnung nichts geworden.  

 „Gib dir beim nächsten Mal gefälligst mehr Mühe“, schnauzt der Verstand den Zeichner an. Wenn eine Zeichnung nicht „stimmt“, gibt es für den Verstand nur eine einzige Erklärung, der Zeichner hat sich nicht genug angestrengt.
„Das ist ja peinlich. Was sollen denn da die anderen sagen?  Du musst einfach mehr üben und die Regeln lernen. Ich kann mich nur mit Zeichnungen einverstanden erklären“, nörgelt der Verstand, „die aussehen wie die Dinge in echt. Was anderes will und kann ich nicht erkennen.“

 Armer Zeichner, der seinen Verstand nicht rechtzeitig in die Wüste geschickt hat. Jetzt produziert er nur noch langweilige und unpersönliche Zeichnungen, auf denen nichts anderes zu erkennen ist, als die Mühe, die er sich damit gemacht hat.  

 Aber es ist nie zu spät, doch noch unmittelbar authentisch und ausdrucksstark zu zeichnen. Man kann nämlich den Verstand mit ein paar einfachen Tricks überlisten:

 Trick Nr. 1 

Zeichnen ohne auf´s Papier zu schauen 

 Wenn man sich nicht die Mühe macht, während des Zeichnens aufs Papier zu schauen und sich gar nicht darum kümmert, was man da gerade zu Papier bringt und stattdessen den Blick stur ausschließlich auf das Motiv gerichtet hält, hat der überkritische Verstand keine Chance, seine Einwände vorzubringen. Er sieht nämlich nichts, also kann er auch nichts kontrollieren.

Die Zeichnungen, die mit dieser Methode entstehen, sind oft von ganz besonderem Reiz. Sie wirken frei, großzügig und ungekünstelt. 

Trick Nr. 2 

Unsichtbar zeichnen

 Häh, was ist das denn? Nein, keine Angst, ich habe keinen Knall.

Allerdings ist unsichtbar zeichnen etwas aufwändiger als das übliche Zeichnen und es ist der einzige von den 5 Tricks, für den besonderes Material benötigt wird, aber es gibt da unterschiedliche Möglichkeiten.

Man nehme

a. einen extrem harten Bleistift und einen extrem weichen Bleistift

oder

b. Maskierflüssigkeit für Aquarellmaler oder einen weißen Paint-/Lack-/ edding-Stift und irgendeine Aquarellfarbe und ein oder zwei Pinsel (Stärke egal)

oder

c. ein Stück weiße Ölpastellkreide (von der etwas cremigen Sorte, es funktioniert nicht mit einem einfachen Pastellstift) und ein Stück Graphit   

 und natürlich Papier. Weiß muss das Papier sein, denn unsichtbar zeichnet man, indem man Weiß auf Weiß zeichnet.

Auch hier bekommt der Verstand erst gar nicht gezeigt, was da mit dem sehr harten Bleistift, der das Papier eigentlich mehr einritzt, als dass der darauf abfärbt, oder mit der weißen Maskierflüssigkeit oder der weißen Ölpastellkreide gezeichnet wird. Erst wenn schon alles passiert ist, die Zeichnung im Prinzip schon entstanden ist, wird sie, wie durch Magie, sichtbar gemacht, nämlich indem man mit dem sehr weichen Bleistift oder der Aquarellfarbe oder dem Graphit über das bearbeitet Papier fährt. Plötzlich sieht man, was man da hingezaubert hat. Und das ist jedes Mal in der Tat zauberhaft. (Und spannend und es macht einen Riesenspaß.)

Trick Nr. 3 Nur eine einzige Linie zeichnen

Es ist schon ein Phänomen: Der Verstand kann mit seiner vernichtenden Kritik erst zuschlagen, wenn man ihm eine Lücke lässt.Sobald man den Stift vom Papier hebt, um neu aufzusetzen und eine neue Linie zu beginnen, in dem Moment, wo man mal kurz Luft holt, um dann die begonnene Arbeit fortzusetzen, bekommt der Verstand seinen Fuß in die Tür. Jetzt kann er loslegen mit dem Kritisieren und Besserwissen. Oder aber…..man hebt den Stift für die Dauer des Zeichnens gar nicht vom Papier und zeichnet eine einzige, ewig lange, ununterbrochene, sich windende Linie.Das ist ein bisschen so, als würde man mit angehaltenem Atem unter den Augen der Kritik hindurch tauchen. Wenn man wieder auftaucht, also sobald die Zeichnung fertig ist, ist alles schon gelaufen und der Verstand hat (mal wieder) gar nichts mitbekommen.

Trick Nr. 4 

Zeichnen auf Teufel komm raus

Bei diesem Trick läuft man dem nörgelnden Verstand einfach davon. Zehn Zeichnungen in zehn Minuten oder noch mehr – da bleibt keine Zeit zum Zweifeln. Bevor der Verstand begreift, was da gerade passiert, ist der Markt schon verlaufen. Und in Null Komma Nichts hat man ein ganzes Skizzenbuch gefüllt mit bestechend treffsicheren Zeichnungen.

Trick Nr. 5 

Liebevoll zeichnen (mein Lieblingstrick) 

Die Liebesfähigkeit des Menschen ist grenzenlos. Warum nicht einfach alles lieben, auf das der Blick des Zeichners fällt? Sei es ein Blatt, ein Topf, ein Mensch, ein Käfer, eine Landschaft.

Wer bereit ist, in allem das Wundervolle und Schöne zu erkennen, wer beim Zeichnen nicht nur seine Augen, sondern auch sein Herz öffnet, zeichnet immer mit leichter Hand.

Was gibt es Spannenderes, als das, in was man sich gerade verliebt hat, ganz genau zu betrachten, es mit den Augen der Liebe abzutasten und das Wundervolle und Einzigartige plötzlich ganz klar vor Augen zu haben.

Wer voller Liebe ist, hat in sich keinen Platz mehr für kleinliche Eitelkeiten, ob das, was man zeichnet irgendwem gefällt oder nicht oder ob es „richtig“ ist oder nicht.

Man zeichnet, weil man zeichnen muss. Das ist Nehmen und Geben, die Welt sehen und der Welt antworten.

Wer liebt, der zweifelt nicht. Wer liebt, akzeptiert.

Und was ist mit dem Verstand?

Den macht das alles einfach nur sprachlos.

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2 Gedanken zu „5 Tricks, wie man beim Zeichnen am besten seinen Verstand verliert

  1. Geniale Überschrift – und verblüffende Tricks!
    Bei meiner Atemausbildung haben wir gezeichnet, ohne aufs Blatt zu sehen.
    Unsere Lehrerin konnte am Strich genau sehen, wann wir doch mal den Blick
    vom Zeichenobjekt abgewendet und geschummelt hatten. Überraschenderweise
    waren die kontrollierten Linien tatsächlich viel gehaltener – was für eine Erfahrung!
    Liebe Grüße Petra

    • Ich verstehe inzwischen immer mehr, wie hilfreich es tatsächlich sein kann, in vielen Lebensbereichen die Kontrolle aufzugeben und zuzulassen, das geschieht, was eben geschieht. Lösungen präsentieren sich oder ergeben sich, die einem unter Kontrollzwang nicht eingefallen wären. Durch den planerischen Verstand kontrollierte Lösungsansätze erweisen sich sehr oft als zäh und umständlich mit daraus resultierenden Folgeproblemen. „Just have fun along the way“ ist nicht die schlechteste Lebensregel.

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