Die Angst vorm Zeichnen

Rose201Du fühlst dich zu Papier und Stiften hingezogen.

Stundenlang ungestört in einem Schreibwarenladen zu stöbern, nennst du einen gelungenen Nachmittag.
Du blätterst gerne in Zeichenlehrbüchern. Manchmal kaufst du eines, nimmst es danach aber nie mehr in die Hand.
Die Vorstellung, auf einer Reise alles Sehenswerte und Interessante in einem Skizzenbuch festzuhalten, lässt dich sehnsuchtsvoll seufzen.
„Ach, wäre das schön“, denkst du, aber die wenigen Male, die du tatsächlich den Stift auf´s Papier gesetzt hast, kannst du an einer Hand abzählen.

Erkennst du dich in dieser Beschreibung wieder?

 

Was ist das nur? Du willst zeichnen, du hast wirklich Lust dazu, aber du tust es nicht.

 

Es gibt darauf eine ganz einfache Antwort:

Du hast Angst.

 

Du hast so viele beängstigende Gedanken übers Zeichnen angesammelt, dass du davor immer wieder zurückschreckst und dich nicht traust, es tatsächlich zu tun.

 

Im Folgenden habe ich ein paar dieser „Angstmacher“ aufgelistet, die sich vielleicht unbemerkt, bei dir eingenistet haben, und dir die Freude am Zeichnen vermiesen.

 

1. Eine Landschaft mit Fluss und Gebirge in 10 Minuten oder schneller.
(die Angst, zu versagen)
Du nimmst dir zu viel vor.
Wer auf die Schnelle was Hübsches zeichnen will, wie nur mal eben den 180 Grad Panoramablick aus dem Fenster, fühlt sich schon erschöpft und überfordert, bevor überhaupt der Zeichenblock ausgepackt ist.

„Man kann ja auch den schönen Ausblick einfach mal so genießen“, sagst du dir, und fängst mit dem Zeichnen erst gar nicht an.

 

Selbstverständlich kann man überall und zu jeder Zeit schnelle Zeichnungen anfertigen.
Wenn du es wirklich eilig hast, triff eine blitzschnelle und konkrete Entscheidung, was genau du in dieser kurzen Zeit zeichnen möchtest.

Zeichne einen einzelnen Baum vor dem Fenster oder einen einzelnen Schornstein, anstatt das ganze Rheintal mit sämtlichen Hügeln und Tälern mal eben auf ein einziges Blatt Papier bringen zu wollen

2. Zeichnung, Zeichnung an der Wand, welche ist die Schönste im ganzen Land?
(die Angst, nicht gut genug zu sein)

„Wenn ich mir jetzt schon die Mühe mache, muss diese eine Zeichnung aber ganz besonders schön werden“, sagst du dir vielleicht, und der nächste Gedanke ist dann: „Ach je, dann lass ich es lieber.“

Erwischt?

Die „Wenn schon/denn schon“ -Einstellung trägt nicht gerade dazu bei, entspannt den Zeichenstift in die Hand zu nehmen.
Wir sind es gewohnt, Alles und Jeden zu beurteilen, zu vergleichen, zu bewerten.
Jedes Kind, das auf ein gemaltes Bild eine bewertende Note bekam, egal ob eine gute oder schlechte, hat dadurch etwas für´s Leben gelernt: Du bist nur gut, wenn du etwas machst, was andere gut finden.
Die Angst, etwas nicht gut genug zu machen, sogar, wenn niemand guckt, ist manchmal überwältigend.
Überwinden kann man diese Angst nur, indem man bereit ist, durch diese Angst hindurchzugehen, sie auszuhalten und es „trotzdem“ macht, indem man trotz dieser Angst zeichnet.
Man muss sogar damit rechnen, speziell dieser Art von Zeichen-Angst immer und immer wieder zu begegnen und immer und immer wieder mit offenen Augen und mit gespitztem Stift, geradewegs durch sie hindurch marschieren zu müssen, bevor diese Angst ein wenig nachlässt. Man muss auch damit rechnen, dass sie nie ganz verschwindet, aber mit der Zeit wird es einem immer leichter fallen, sie zu ignorieren.

3. Zeichnen ist schön, aber richtig zeichnen ist doof.
(die Angst vor Zeichenregeln)

Vielleicht ist dir ja schon mal aufgefallen, dass du, immer wenn du zeichnen möchtest, glaubst, es auf eine bestimmte Weise tun zu müssen. Aber genau so, wie du glaubst, es tun zu müssen, dazu hast du keine Lust, also tust es nicht.

Es gibt viele Menschen, die ganz genau wissen, was man zu tun und zu lassen hat und dieses vermeintliche Wissen großzügig mit anderen teilen.
Wie zum Beispiel meine Kunstlehrerin in der 10. Klasse:
Ich hatte entdeckt, dass sich der Strich eines weichen Bleistiftes mit dem Finger zu einer grauen Fläche verwischen lässt. Ich war begeistert. Ich hatte eine Methode gefunden, bei einer Bleistiftzeichnung Schatten darzustellen.
So zeichnete und wischte ich fröhlich vor mich hin, bis zu dem Moment, in dem mich meine Kunstlehrerin darauf hinwies, man (!) darf (!) nicht (!) beim Zeichnen wischen. Stattdessen, so erklärte sie mir, solle man stets ordentlich schraffieren.
Ich kann heute noch die Enttäuschung spüren, als mir klar wurde, dass mir Zeichnen niemals mehr Freude machen würde, weil mir das Schraffieren keine Freude machte. Ohne zu schraffieren, war Zeichnen nicht erlaubt.
Ich liebte es zu zeichnen, aber so wie ich dachte, dass es „richtig“ sei zu zeichnen, fand ich es doof
Es hat mindestens 10 Jahre gedauert, bis mir klar wurde, was für ein unglaublicher Unsinn diese Regel ist.

4. Es gibt Wichtigeres zu tun, als zu zeichnen
(die Angst, seine Zeit zu verplempern)

Natürlich glaube ich keine Sekunde, dass es etwas Wichtigeres gibt als Zeichnen, aber auch diese Meinung wird gerne in Umlauf gebracht, und wenn man nicht aufpasst, teilt man diese Meinung, ohne es zu merken.

Warum mit Zeichnen seine Zeit verplempern, wenn es tausend nützliche Dinge zu tun gibt?
Ich könnte hier noch bis morgen früh darüber schreiben, warum die mit Zeichnen verbrachte Zeit eine sehr nutzbringende ist, aber ich mache es mal (relativ) kurz:

Wer zeichnet, erfindet und erschafft Neues, er denkt neue Gedanken, entwickelt Ideen und macht Entdeckungen. Zeichnen sorgt für einen klaren Blick auf´s Wesentliche, fördert die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und trainiert, Zusammenhänge schnell und präzise zu erkennen.

Hat jetzt etwa noch Jemand Zweifel daran, dass Zeichnen wichtig ist, für einen selbst und für das Allgemeinwohl?
Nein? Sehr gut. Ich will auch nichts anderes mehr hören.

5. Für wen mache ich das hier eigentlich alles?
(die Angst, es jemandem nicht recht zu machen)

Das ist eine gute Frage, oder?
Ich stelle sie noch mal etwas genauer und gleich noch ein paar mehr Fragen dazu:

Für wen zeichnest du, wenn du zeichnest?
Wem, glaubst du, sollen deine Zeichnungen gefallen?
Wer entscheidet mit, was du zeichnest?
Wer schaut dir, unsichtbar, beim Zeichnen über die Schulter?

Ich wette, wenn du ehrlich zu dir bist, fallen dir ganz schnell einige Namen ein.

Bei mir z.B. hat jahrelang diese Kunstlehrerin aus der 10. Klasse sofort missbilligend den Kopf geschüttelt, sobald ich einen Bleistift auch nur angeschaut habe.
Wie ist das bei dir? Zeichnest du für andere oder für dich selbst?

Ich hoffe, es ist dir inzwischen klar geworden, dass es immer nur die eigenen Gedanken sind, die einem Angst vorm Zeichnen einjagen und Gedanken kann man ändern.
Also: Glaube nicht alles, was du denkst. Und vor allem: Glaube nicht alles, was du übers Zeichnen denkst.

Ich wünsche dir viel Freude beim Zeichnen!

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2 Gedanken zu „Die Angst vorm Zeichnen

  1. Oh ja – Zweifel und innere Stimmen gibt es viele. Die lauteste ist wohl „ich kann das nicht“ gefolgt von „ich bin nicht gut genug“. Ich zeichne fröhlich dagegen an (wobei ich ab und an schon recht hadere😉 )

    • Trotzdem zeichnen, Sandra. TROTZ dem. Trotz der Stimmen, trotz der Zweifel, trotz Zeitmangel, trotz trotz trotz…, denn das, was sie sagen, ist nicht wahr. Man kann die eigene innere Stimme neues lernen lassen, man kann ihr beibringen, wertschätzende und unterstützende Kommentare zu sagen. Wie du es ja schreibst, zeichne fröhlich und lass deine innere Stimme Freundliches sagen, dann werden die negativen Kommentare immer weiter in den Hintergrund gedrängt und alles wird leichter.

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