Um zeichnen zu können, muss man nicht das Zeichnen lernen, sondern man muss lernen, ein Mensch zu sein, der zeichnet

Um zeichnen zu können, muss man nicht das Zeichnen lernen, sondern man muss lernen, ein Mensch zu sein, der zeichnet.

Das übersehen viele: wenn man in seinem Leben etwas Neues erleben will, wie z.B. das Erlebnis des Zeichnens, muss man sein Leben verändern, man muss ein anderer Mensch werden.

Wirklich? Muss das sein – gleich das ganze Leben verändern?
Ist das nicht ein bisschen übertrieben?

Selbstverständlich kann man zeichnen, OHNE sein Leben zu verändern. Dann zeichnet man eben so, wie viele von uns ohnehin schon leben: man setzt sich unter Druck, um die Erwartungen anderer zu erfüllen.
Glücklich wird man dabei nicht, aber man weiß wo man hingehört und das ist doch auch schon mal was.
Man lernt das Zeichnen, wie viele es behaupten, dass es richtig sei und ist ständig darauf bedacht, keine Fehler zu machen. Wenn man doch welche macht, fühlt man sich schlecht und strengt sich beim nächsten Mal noch mehr an, damit einen endlich doch noch alle ganz toll finden.

Ja, in der Tat, du kannst zeichnen, ohne je ein wahrer Zeichner, eine wahre Zeichnerin zu werden, nämlich indem du nur so tust, als ob du zeichnest.

Das machen viele.
Sie zeichnen z.B. nach Fotos irgendwelche Gesichter ab, weil sie wissen, dass viele Leute solche abgezeichneten Fotos total beeindruckend finden. Sie zeichnen irgendwelche Blumen, weil Blumen doch jeder irgendwie ganz schön findet und sie zeichnen Landschaften, so wie man sie von Postkarten kennt, denn sie wollen ja, dass möglichst viele Leute auf ihren Zeichnungen etwas sehen, was diese früher schon mal gesehen haben, es also wiedererkennen, und deshalb daraus schließen, dann müsse es wohl auch irgendwie gut sein.
Selbstverständlich kann man auch zeichnend sein Leben unverändert fortsetzen.

Aber eigentlich weißt du es doch besser. Ist dir das Zeichnen nicht viel zu schade, bedeutet es dir nicht viel zu viel, als dass du es, genauso, wie vieles andere, dazu benutzen willst, dir damit auch noch das Leben schwer zu machen?

Es ist tut mir so weh, immer wieder mitzuerleben, wie Zeichner sich von (gut gemeinten!?) Aussagen ihrer Mitmenschen verunsichern lassen.
„Das sieht ja aus wie ein Foto. Du bist ein wahrer Künstler“, lese ich in einem Kommentar auf Facebook zu einer Portraitzeichnung einer berühmten Persönlichkeit. Oder ein Zeichner kommentiert sein eigenes Bild und schreibt dazu: „Ich habe 36 Stunden daran gearbeitet. Ich hoffe, es gefällt.“

Eine meiner Strichzeichnungen wurde von einer jungen Zeichnerin scharf kritisiert. Ihr fehle da der erkennbare Aufwand, schrieb sie. Diese wenigen Striche habe man ja in zwei Minuten erledigt. (Wenn du wüsstest, dass ich dafür nur 30 Sekunden gebraucht habe, dachte ich mir.) Sie habe es ausprobiert, das sei ganz einfach. Wenn sie zeichne, erklärte sie weiter, würde sie schon für ein ganz kleines Format mindestens zwei Stunden benötigen.

Es könnte mir ja völlig gleichgültig sein, was Leute auf Facebook posten. Mir ist aber ganz und gar nicht gleichgültig, dass viele Zeichner und Zeichnerinnen diesen Murks für die Wahrheit halten, und glauben, sie müssten, um anerkennenswerte Zeichnungen zu schaffen, so beschränkt nach- und ab-zeichnen, wie es in vielen Zeichenbüchern oder eben in vielen Kunst-Communities verbreitet wird.

Zeichnen müsse man erst in einer Abfolge von Lektionen lernen, damit man es dann irgendwann einmal so richtig kann.
Lektion 1: Vorzugsweise einen Apfel mit den richtigen Schraffuren und Tonwerten schön plastisch darstellen.
Lektion 2: Einen Tonkrug, ein kariertes Tuch und (schon wieder) einen Apfel hübsch anordnen, weil so zeichnet „man“ ein Stillleben usw.

Wer solche Lektionen durchhält und alle brav abarbeitet, kann dann so zeichnen, „wie es im Buche steht“. Vor lauter Anstrengung, darauf zu achten, nicht vom vermeintlich richtigen Weg abzuweichen, merkt der arme Zeichner nicht, wie er wirklich zeichnen könnte, wenn er es sich erlauben würde, so zu zeichnen, wie NUR ER ES KANN.
Aber das, so fürchtet er, will keiner sehen.
Also wieder zurück zum Anfang, schön brav Äpfel schraffieren, immer mit der ängstlichen Hoffnung, die Zeichnung werde wenigstens für die offensichtlich aufgewendete Mühe Beachtung finden.

Wie es anders geht, so richtig mit Lebensveränderung, mit allem Drum und Dran und ganz viel Spaß?

1. Zeige niemals – hörst du: niemals!!!! – eine Zeichnung jemandem, im Internat oder privat, wenn du dir davon eine freundliche Reaktion erwartest. Solche ungeschickten Sprüche, wie „Oh, wie fein, mach´nur weiter so“ oder „das ist aber schon sehr gut geworden“ hast du nicht nötig. Abgesehen davon, dass du dich irgendwie in die erste Klasse zurückversetzt fühlst (spürst du das Tätscheln am Kopf), dauert es ewig bis du diesen faden Geschmack, die solche Reaktionen hinterlassen, wieder los wirst.

2. Wenn du Nr. 1 konsequent durchhältst, ergibt sich daraus automatisch, dass du deine eigenen Zeichnungen und auch dich selbst, mit mehr Respekt behandelst. Ist es nicht ein gutes Gefühl, wenn man sich nicht mehr anbiedern und so billig verkaufen muss?

3. Zeichne WAS und WIE du willst und WANN du willst, WOMIT du willst und WORAUF du willst. Das hört sich selbstverständlich an, schließlich bist du ein autonomer Mensch. Und womöglich machst du es ja auch tatsächlich schon längst oder, womöglich, denkst du nur, dass du es machst. Gehe mal ein bisschen in dich. Das, was du bisher gezeichnet hast, hat das wirklich nur und ausschließlich mit dir zu tun, mit deinen Vorstellungen und deiner Sicht der Dinge oder schielst du nicht doch ein bisschen zu viel darauf, das zu machen, was dir gerade angesagt erscheint?

4. Wenn du darauf achtest, dass dein Zeichnen etwas ist, das niemanden etwas angeht, niemand zu kommentieren hat, und du keine wertvolle Zeit und Energie damit verschwendest, jemand anderer werden zu wollen, nur um zu gefallen, wirst du auch keine Zeit und Lust mehr haben, „DAS“ Zeichnen zu erlernen, weil du viel zu beschäftigt sein wirst, DEIN Zeichnen zu entdecken.
Und das, verspreche ich dir, ist so ein Abenteuer, dass in deinem bisherigen Leben keinen Stein mehr auf dem anderen bleibt.

Jetzt bist du nicht mehr abhängig von lauwarmen Lob, das man dir großzügig hinwirft. Jetzt ist es an dir, großzügig zu sein.
Indem du anderen Menschen selbstbewusst deine Arbeiten zugänglich machst, entbindest du sie nicht nur von der Pflicht wiederum deine Erwartungshaltung zu erfüllen und dir freundliche, aber leere Komplimente zu machen, sondern du schenkst ihnen etwas Wertvolles:
Deine Sicht auf die Dinge, deine Lebenserfahrung, deine unverstellten Ansichten und Erkenntnisse.

Das macht uns die Kunst so wertvoll: Mit den Augen und dem Herzen eines anderen Menschen sehen zu können, an dessen Leben teilhaben zu dürfen. Das ist eine wundervolle Bereicherung für jeden.
Klar, nicht jeder mag dieses Geschenk haben, entweder weil jemand prinzipiell solche Geschenke nicht zu schätzen weiß, oder weil jemand speziell dein Geschenk ablehnt. Das ist aber nicht dein Problem und hat nichts mit dir und dem Wert deiner Kunst zu tun.

Denjenigen aber, die diese besonderen Geschenke, die Menschen einander machen können, gerne annehmen, ist man es schuldig, in seiner künstlerischen Ausdrucksweise kompromisslos zu sein und ihnen ALLES von sich zu geben, ohne sich zu verstellen oder irgendetwas zurückzuhalten.

Im Gegensatz zu einem Menschen, der nicht mehr, als nur das Zeichnen gelernt hat und nur gelernt hat, seine eigenen Zeichnungen zu sehen, wirst du gelernt haben, ein Mensch zu sein, der zeichnet und der zeichnend die Welt sieht.

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