Die Lust am Sehen – eine sehr persönliche Sichtweise

Solange ich sehen kann, möchte ich zeichnen.
Solange ich sehen kann, möchte ich Kunst sehen.

Die Kunst anderer Künstler sehen zu können, ist eine große Lust, ein Genuss, eine Freude, die ich mit Worten nicht beschreiben kann.

Sehen ist eine Lust, die Welt und all ihre Erscheinungen zu sehen, ist lustvoll: die Wäsche auf der Leine, die Fliesen im Bad, ach einfach alles, was es zu sehen gibt, wenn man nur mal den Kopf zur Seite dreht: Hell, Dunkel, Farben, Formen.

Ich zeichne, um zu sehen und ich will Zeichnungen anderer sehen, um zu sehen, was sie gesehen haben.Ich bin süchtig danach.
Ich bin sehr empfindlich, wenn ich Kunst sehe, die mir diesen eigenen Blick vorenthalten will und mir nur irgendeinen Blick und eine allgemeine Ansicht zeigt, die die Ansichten und Blicke anderer nachahmt.

Das will ich nicht sehen und ich erkenne es sofort.
Ich sehe es, wenn mich ein Künstler hinters Licht führen will und versucht, mich mit etwas anderem zu beeindrucken als mit seinem eigenen unverfälschten Ausdruck.

Ich fühle mich dann ein bisschen betrogen.

Ich weiß natürlich, dass das niemand absichtlich tut – mit seiner Kunst betrügen zu wollen.
Ich weiß, dass viele diese verfälschte Kunst machen, weil sie ihren unverfälschten Eindruck für nicht weiter bemerkenswert halten.

Sie glauben, sie müssten irgendetwas dazu tun, etwas, das eine Art Mehrwert sein könnte, wie zum Beispiel eine besonders verfeinerte Technik des Farbauftrags, die auszuführen sie so in Anspruch nimmt, dass sie sich die ganze Zeit nur mit dem entstehenden Bild auf dem Papier befassen, und ihr Motiv, das was sie ursprünglich überhaupt zum Stift greifen lies, sei es ein inneres oder ein äußeres, völlig aus dem Blick verlieren.

Oh diese vielen Aquarelle, denen man ansieht, wie sehr der Künstler versucht hat, die Malanleitungen eines anderen Aquarellmalers in seinem Bild umzusetzen, anstatt sich zu erlauben, seine eigene Technik, die er für sich selbst erfinden müsste, anzuwenden.
Und diese vielen Zeichnungen, denen man ansieht, welche Mühe es den Künstler gekostet hat, diese Linien so gerade und perfekt zu ziehen, als wolle er es geradezu verhindern, dass man der fertigen Zeichnung ansieht, dass sie nur von ihm selbst, einem bedauerlich unperfekten Menschen, gefertigt wurden.

Vor lauter Panik, man könnte nichts oder nicht genug zu sagen haben, wird etwas dazu erfunden, wird versucht, etwas dazuzugeben, hineinzulegen, man verbiegt sich und strengt sich an.

Wir sind seit der Schulzeit darauf getrimmt worden, Kunst zu interpretieren und zu versuchen, Kunst zu verstehen.
Was will uns der Künstler damit sagen? Wer erinnert sich nicht an diese Frage?

Wenn ein Künstler mir etwas sagen will, soll er es aufschreiben und mir einen Zettel hinlegen.

Ich brauche keine künstlerische Aussage. Ich will nicht enträtseln, was ein Künstler mit seinem Werk zum Ausdruck bringen wollte. Entweder ich sehe und fühle seinen Ausdruck und sehe und fühle, was ihn beeindruckt hat oder eben nicht.

Kunst will nicht verstanden, Kunst will erlebt werden.

Zwischen dem Impuls, etwas zeichnen zu wollen und der darauf folgenden Bewegung der Hand auf dem Papier, die einen Stift hält, geht ganz leicht die wertvollste Fähigkeit eines bildenden Künstlers verloren:

Die Fähigkeit, das Sehen zu genießen, die Fähigkeit, das Sehen selbst, als lustvoll und als schwindelerregend berauschend zu empfinden, es ist die Fähigkeit das Sehen zu er-leben.

Warum ist das so? Warum trauen wir nicht dieser Freude und diesem Staunen? Warum lassen wir diese Gefühle nicht mehr zu, sobald wir mit dem Zeichnen tatsächlich beginnen?

Ich glaube, es hängt damit zusammen, dass wir zu oft „Etwas“ zeichnen wollen, etwas „Erkennbares“, etwas, das man benennen und worüber man sprechen kann.
Wenn ich aber etwas benenne, sehe ich es nicht mehr, wie es tatsächlich aussieht, sondern ich sehe es, wie ich denke, dass es aussieht oder wie ich denke, dass es auf meinem Bild aussehen sollte. Und Schwups ist uns die Lust vergangen. Einfach so.

Hat sie uns nicht soeben noch dazu gebracht, zum Stift zu greifen? Aber sobald wir ihn in der Hand halten, verwandeln wir uns in diese braven Schüler, denen man beigebracht hat, dass Freude und Genießen nichts mit anerkennenswerter Arbeit zu tun hat.

Ich persönlich kann nichts erfinden und will nichts erfinden.
Ich kann und will sehen. Mehr brauche ich nicht.

Diese Fähigkeit zur Lust am Sehen ist das, was mich zum Künstler macht.

Jeder Künstler, der sich erlaubt, diese Lust zu empfinden und auf dem Papier unverfälscht zum Ausdruck zu bringen, macht es allen anderen leichter, es sich ebenfalls zu erlauben.

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