feste Schuhe

SchnürschuheEs gibt Dinge im Leben, die sind nicht schön, aber praktisch. Und wenn man sie lange genug benutzt und sie sich lange genug benutzen lassen, ohne kaputt zu gehen, kann es geschehen, dass man anfängt sich mit ihnen verbunden fühlen, als wären sie so etwas wie gute Freunde. Man vertraut ihnen und verlässt sich auf sie.

Darf ich vorstellen: meine verlässlichen Freunde „braune Schnürschuhe“. Kurz nachdem ich sie vor, ich weiß nicht, vor 20 Jahren? gekauft habe, hat sich das Leder am Schaft gelöst. Der Inhaber des Schuhgeschäfts war tatsächlich noch gelernter Schuster und hat sie einfach wieder geflickt. Seitdem muss ich nur alle paar Jahre neue Schnürsenkel einziehen. Nicht dass ich besonders stolz darauf wäre, aber ich habe sie noch nie geputzt.

Schuhe mit Schnallen und Nieten

Diese Schuhe habe ich schon mindestens ein Jahr und ich habe sie vielleicht schon tausend Mal angeschaut. Wenn mich jemand gefragt hätte, wieviele Nieten auf den Schnallen sind, hätte ich das nicht gewusst. Beim Zeichnen lernt man tatsächlich zu SEHEN, was man täglich sieht.

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rote Schuhe

Und da sind sie auch schon. Das ging aber schnell, oder? Nein, nein ich habe mir nicht von heute auf morgen ein Paar rote Schuhe gekauft. Ich HATTE schon längst welche, es aber völlig vergessen. Wahrscheinlich waren sie mir dann doch nicht so geheuer und deshalb habe ich sie ganz hinten in den Schrank gestellt.

fließende linien

Nachdem ich sie um den ihrigen so sehr beneidet habe, hat mir eine Freundin den gleichen Tintenstift geschenkt, den sie selbst benutzt. Und die Idee damit auf Foto-Druckpapier zu zeichnen hat sie mir gleich dazu geschenkt. (Manchmal bin ich habgierig.)Die Tinte wird von diesem Papier nicht aufgesaugt, sondern bleibt darauf liegen wie ein feuchter Faden, der sich aus der Spitze des Stiftes herauswindet. Auf der glatten Oberfläche des Papiers  trocknet er dann zu einer glänzenden Linie.

Ich habe eine Linie nach der anderen gezogen, ganz langsam, und einfach nur der Tinte beim Fließen zugeschaut.

Ein Pummps für den Sommer

Mir geriet eine Werbeanzeige ins Blickfeld und ich las: „PUMMPS für den Sommer“. Obwohl ich die dazu gehörige Abbildung der Schuhe sah, verstand ich nicht sofort. Ich wunderte mich: was ist denn ein Pummps? Natürlich stand dort das Wort „Pumps“ und natürlich weiß ich, dass es „Pömps“ heißt, aber für den Bruchteil einer Sekunde, erkannte ich nicht das Wort und dessen Sinn.

Ich mag das, wenn so etwas passiert. Mir ist es gelungen für die Dauer eines Augenblicks, durch die allgemein gültigen Symbole des Alltags hindurch zu schauen. Ich habe wahrgenommen, was tatsächlich da ist, nämlich das an sich merkwürdig und lustig klingende Wort PUMPS, und nicht automatisch nur das, wofür es steht.

Mary Janes

Flache, vorne abgerundete Schuhe mit einer Querspange nennt man „Mary Janes“.

Ihre Form ist Schuhen nachempfunden, wie sie kleine Mädchen in den 20iger Jahren trugen. Der Name ist von einer amerikanischen Comic-Figur aus dieser Zeit entliehen.

Mein Paar Mary Janes sind innen lila. Ich nenne sie „meine Puppenschuhe“.

Ab und zu macht es viel Spaß wieder ein kleines Mädchen zu sein.

Meine Cinderella-Schuhe

Diese Schuhe habe ich zur Eröffnung meiner ersten Ausstellung vor 6 Jahren getragen.

Damals habe ich mich wie eine Prinzessin gefühlt, der alle Wünsche erfüllt wurden. Deshalb nenne ich sie meine Cinderella-Schuhe.

Sie sind aus samtweichem schwarzen Veloursleder und sie passen wie angegossen. Gut laufen kann ich in ihnen nicht (und schon gar nicht kann ich in ihnen tanzen), weil ich mich nie an das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen gewöhnen konnte.

Manchmal aber ziehe ich sie an und laufe ein paar Schritte durchs Zimmer.

Ich nehme dann zwangsläufig eine andere Haltung ein. Mein Rücken streckt sich, ich nehme meine Schultern zurück und sogar das Kinn hebt sich wie von selbst.

Mit so einer aufrechten Körperhaltung fällt es mir leichter, auch meine innere Haltung wieder aufzurichten.

Wenn ich glaube, dass mir zuviel im Weg steht, um weiterzukommen, hilft mir das erhebende Gefühl in diesen hohen Schuhen zu stehen, über so manches hinwegzusehen und wieder meine weiter entfernt liegenden Ziele fest in den Blick zu nehmen.

Auch die Eröffnung meiner ersten Ausstellung erschien mir mal als ein sehr weit entferntes Ziel, das jemals  erreichen zu können, ich oft anzweifelte.

Diese schönen Schuhe erinnern mich daran, immer weiter zu gehen, einen Schritt nach dem anderen, und meine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.