doodle-di-dum doodle-di-da

Richtig gute Zeichenübung Nr. 3

madamewalroc39f

Das Wort „doodle“ klingt wie etwas, das man nicht ernst nehmen muss und das Spaß macht. Auf jeden Fall klingt es wie etwas, das man definitiv öfter tun sollte, und zwar nicht nur beim Telefonieren oder um bei einer langweiligen Vorlesung nicht einzuschlafen, sondern ganz bewußt um zu zeichnen.

Nimm irgendein Stück Papier und einen Stift, der in greifbarer Nähe liegt. Man kann auf Büttenpapier oder auf Schreibpapier doodle-n, mit Füller, Filzer oder Bleistift. Ich doodle gerne mit meinem Kugelschreiber auf dem sehr glatten Papier meines Schreibblocks.

Fülle das ganze Blatt von oben nach unten, von unten nach oben, in alle Richtungen, mit schwungvollen Linien und Kreisen. Stell Dir vor, du fährst Schlittschuh auf dem Papier und du hast die gesamte Eisfläche ganz für dich alleine. Es ist niemand da, der dich anrempelt. Du hast freie Fahrt. Du genießt die ruhige Bewegung deiner Hand und den Anblick der dabei entstehenden Formen.

Früher oder später wirst du anfangen, in diesen Linien Formen oder Gegenstände zu erkennen. Laß dir Zeit. Sobald sich eine Form für dich deutlich genug abzeichnet (!), folge ihr mit dem Stift. Lasse dich leiten von dem Bild, das du beginnst zu erkennen. Wie will dieses Bild gezeichnet werden? Ziehe weiter deine Linien und Kreise und lass dich führen. Was ist es, was auf deinem Blatt entstehen will? Hilf ihm. Bring es an die Oberfläche.

Hier noch ein weiteres Entstehungs-Beispiel:

Der Sinn der Übung?

– Du lernst, der Bewegung deiner Hand und deinen Linien zu vertrauen.

– Du lässt sichtbar werden, was dich gerade berührt oder amüsiert oder interessiert.

– Du erfindest mühelos, ohne auf das berühmt berüchtigte weiße Blatt starren zu müssen.

– Du hörst auf, dich selbst zu beobachten und zu kontrollieren, ob du richtig oder gut zeichnest. Du zeichnest ganz entspannt. Du gibst die Kontrolle auf und LÄSST zeichnen.

Dumbo

Madame Wall Ross

Madame Schier-Raff

Madame Präschtig

Unsichtbares sichtbar machen

Richtig gute Zeichen-Übung Nr. 2

Was unsichtbare Zeichnungen sind? Unsichtbare Zeichnungen sind die Zeichnungen, die erst dann sichtbar werden, wenn ein Mensch sie mit seinem Blick und seiner Fantasie sichtbar werden läßt.

Diese unsichtbaren Zeichnungen sind überall. Wirklich: Überall.

Dort ist eine, da an der Wand auf der Tapete, da sehe ich die Zeichnung einer gebeugten Gestalt…und dort unter dem Stuhl auf dem Fußboden kann ich einen fliegenden Vogel erkennen…und schau nur, schau genau hin, zwischen den Vorhangfalten – nein, nicht da unten, ein Stück weiter oben – da liegt ein schlafender Bär. Siehst Du ihn?

Eine gute Einstiegshilfe ist, um dich in diese Art des Sehens reinzufinden, dir zuerst einen Fleck zu suchen, den du dir als Auge vorstellen kannst. Sobald du erst einmal ein Auge ausgemacht hast, ergibt sich das Gesicht, die Gestalt oder das Tier, zu dem das Auge gehört, ganz von selbst. Das ist wie Zauberei.

Das ist es natürlich nicht. Das menschliche Gehirn ist seit Urzeiten darauf programmiert, so schnell wie möglich eine uneindeutige Erscheinung in etwas eindeutig Erkennbares zu verwandeln. Es ist besser, einen langen Ast einmal zuviel mit einer giftigen Schlange zu verwechseln als ein mal zu wenig. Auch die Gesichter-Erkennung muss flott gehen, um rechtzeitig Freund und Feind auseinanderzuhalten.

In unseren heutigen Höhlen bzw. Wohnzimmern ist das Leben zwar nicht mehr ganz so gefährlich, aber den grimmigen Tiger, der sich in der Rauhfasertapete versteckt, können wir noch immer sehr gut erkennen.

Nimm dir Stift und Papier, welcher Art auch immer, schau dich in aller Ruhe um und lasse die unsichtbaren Gesichter, Tiere, Formen und Gestalten, sichtbar werden. Zum Eingewöhnen halte Ausschau nach „Augen“. Lass dir und den Bildern Zeit. Zeichne was Du siehst, erfinde dazu, ergänze Formen, mache hier einen dicken Strich, dort einen dünneren. Punkte, Striche, Flecken….lass alles enstehen, was auf´s Papier will und zensiere nicht. Experimentiere mit verschiedenen Stiften.

Der Sinn der Übung?

Du schaust in den Spiegel deiner Fantasie

Alles was du siehst, ist deine Erfindung. Mache dir klar, welch großen Reichtum innerer Bilder du in dir hast.

Es wird dir bewußt, wie gut du zeichnen kannst

Du könntest keine dieser unsichtbaren Zeichnungen sehen, wenn du nicht ganz genau wüßtest, wie die Linien und Schatten angeordnet sein müssen, um sie sichtbar werden zu lassen.

Deine Seele freut sich

Endlich ist dein dauernd nörgelnder Verstand mal ruhig gestellt, und du kannst ungestört und spielend Bilder erfinden und zeichnen.

——————————————————————————

In einem alten Hotel in Wien wollte ich gar nicht mehr aus dem Bad rauskommen. Es war voll mit (Marmor-)Bildern.

Und das sind einige meiner Entdeckungen:

______________________________________________________________________

Das kostenlose online-Magazin

„Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“

erscheint monatlich

mit Ideen und Inspirationen zum mühelosen Zeichnen.

Um „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ monatlich per e-mail zu erhalten, trage dich bitte in das unten stehende Formular ein. (Selbstverständlich werden alle Namen und Adressen vertraulich behandelt und niemals weitergegeben.)

Das online-Magazin kann jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ gekündigt werden.

X – Ja, ich möchte gerne kostenlos das online-Magazin

“Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ abonnieren.

Bitte vor dem “Abschicken” noch mal schnell überprüfen, ob die email-Adresse richtig geschrieben wurde.

Herzlichen Dank! 🙂

100 Zeichnungen in 30 Minuten

Richtig gute Zeichen-Übung Nr. 1:

Nimm 100 Blatt von irgendeinem billigen Papier, z.B. von einem Notizblock-Würfel oder von einem alten Tageskalender, und lege sie als Stapel links von Dir auf den Tisch (oder rechts, je nach Händigkeit).

Entscheide Dich für einen einzigen Stift, wie z.B. einen Kugelschreiber oder einen weichen Bleistift oder einen schwarzen Filzstift.

Und jetzt zeichne was das Zeug hält, ein Blatt nach dem anderen.

Das Einstellen eines Küchenweckers auf 30 Minuten ist optional. Es ist nicht wichtig, ob man tatsächlich in 30 Minuten fertig wird oder schon in 25 Minuten oder in 45 Minuten. Wichtig ist, in relativ kurzer Zeit sehr viele Zeichnungen anzufertigen.

An dieser Stelle könnte ich jetzt sagen: Auf die Plätze, fertig, LOS!

Doch zuvor noch ein paar Hinweise:

– Bevor Du anfängst, überlege NICHT was Du zeichnen willst und lege Dir auch nichts zurecht, um es abzuzeichnen. Du kannst darauf vertrauen, dass Du einen großen Vorrat innerer Bilder hast. In Dir drin findet sich genug was Du zeichnen kannst.

– Lass Deine Hand entscheiden, wohin die Linie geht, nicht Deinen Kopf. Schau einfach nur zu, was Deine Hand auf dem Papier entstehen läßt. Gegenständlich oder abstrakt, lass Dich überraschen.

– Es geht hier um´s schnell zeichnen, d.h. Du musst mit jeder Zeichnung schnell fertig werden. Zeichne schnell und hör mit dem Zeichnen auch schnell wieder auf. Du wirst es fühlen, sobald eine Zeichnung fertig ist. Vertraue diesem Gefühl und greife schnell zum nächsten Blatt.

– Ja, irgendwann wirst Du schlapp machen. Bei Kilometer/Zeichnung 30 oder 55 denkst Du, ich hör jetzt auf, ich kann nicht mehr, das macht doch keinen Sinn. Wenn Du DANN weitermachst, TROTZDEM  weiter zeichnest, auch wenn Du glaubst nur noch sinnlos zu kritzeln (was Du ganz sicher glauben wirst, mach Dir da nichts vor), wirst Du am Ende den großen Preis gewinnen. Versprochen. Vielleicht nicht sofort und auf der Stelle, denn Du bist ja dann erstmal total erschöpft, aber Du wirst bald erkennen, wieviel Dir das Durchhalten gebracht hat.

– Und jetzt doch noch was Schwieriges : Wenn Du 100 Zeichnungen fertig hast, der Stapel Papier von der einen Seite zur anderen gewandert ist, verkneife es Dir, Deine Zeichnungen sofort anzuschauen. Pack den Stapel irgendwohin und hole ihn frühestens nach einer Woche wieder hervor. Was Du dann siehst, wird Dich überraschen.

Der Sinn der Übung?

– Du übst, ohne zu zögern zu Stift und Papier zu greifen und ohne zu zögern, den Stift aufs Papier zu setzen und loszulegen.

– Du lernst, Dich selbst als ZeichnerIn wahrzunehmen.

-indem Du Dir keine Zeit läßt, das „Gelungensein“ jeder einzelnen Zeichnung lang und breit zu hinterfragen, lernst Du Deine eigenen Zeichnungen zu akzeptieren und zu respektieren so wie sie sind.

– Du übst, Deiner inneren Kritikerstimme einfach davonzurennen und mit der Zeit gewöhnst Du Dich daran, sie gar nicht mehr zu hören.

– Das Zeichnen verliert den Nimbus des Außergewöhnlichen. Wer erst einmal 100 Zeichnungen gezeichnet hat, hängt kein Schild mehr raus mit der Aufschrift „Achtung, ich zeichne jetzt!“, bevor er beginnt zu zeichnen. Zeichnen wird dann schnell zu etwas Alltäglichem.

Hier zeige ich ein paar meiner eigenen Zettel-Zeichnungen. Die gestreiften Flächen sind entstanden, indem ich die Oberflächen-Struktur eines Buchdeckels durchgerieben habe. Die Gesichter mit den aufgerissenen Augen habe ich wahrscheinlich in dem Moment gezeichnet, als ich einfach n.i.c.h.t.  m.e.h.r  w.e.i.t.e.r.  m.a.c.h.e.n. w.o.l.l.t.e. und dann eben doch weiter gezeichnet habe.

Das kostenlose online-Magazin

„Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“

erscheint monatlich

mit Ideen und Inspirationen zum mühelosen Zeichnen.

Um „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ monatlich per e-mail zu erhalten, trage dich bitte in das unten stehende Formular ein. (Selbstverständlich werden alle Namen und Adressen vertraulich behandelt und niemals weitergegeben.)

Das online-Magazin kann jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ gekündigt werden.

X – Ja, ich möchte gerne kostenlos das online-Magazin

“Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ abonnieren.

Bitte vor dem “Abschicken” noch mal schnell überprüfen, ob die email-Adresse richtig geschrieben wurde.

Herzlichen Dank! 🙂


15 Erste-Hilfe-Tipps für blockierte Zeichner (plus ein Zusatztipp)

Nicht nur Schriftsteller leiden ab und zu unter dem berühmt berüchtigten „Writer´s Block“, auch Zeichner rennen immer wieder mal gegen innere Blockaden. Nicht jede kleine Lustlosigkeit muss sich gleich zur großen Schaffenskrise auswachsen, aber grundsätzlich ist es wichtig, darauf zu achten, dass man seiner Arbeit nicht allzu lange fernbleibt.
Lähmende Selbstzweifel können sich nämlich am stärksten aufplustern, wenn man seine Arbeit tatenlos mit hängenden Schultern von außen betrachtet, anstatt damit beschäftigt zu sein, sie tatsächlich zu machen.
„Machen“ ist das Wichtigste, egal was, egal wie.

1. Vor lauter Erschöpfung abends doch wieder vor dem Fernseher gelandet und ans Zeichnen war den ganzen Tag sowieso nicht zu denken?
Du kannst den (Zeichen-)Tag noch retten. Während du den Nachrichten lauschst, zeichnest du ganz nebenbei, das fast unbewegliche Gesicht des Nachrichtensprechers.

2. Du weißt nicht, was zur Hölle, du zeichnen sollst?
Entwirf ein Ornament oder zeichne ein Mandala. Mit nur wenigen, sich wiederholenden Kringeln und Kreisen entstehen, wie von selbst, himmlisch schöne Gebilde.

3. Das Papier des Zeichenblocks erscheint dir stumm und leer, es spricht dich so gar nicht an?
Grundiere es mit schnellen farbigen Pinselstrichen oder lasse Tee oder Kaffee darauf tropfen. Schon habt ihr beiden, du und das Papier, eine interessante Gesprächsgrundlage.

4. Du fühlst dich zu ungeduldig und zu unruhig, um dich aufs Zeichnen zu konzentrieren?
Lies ein Gedicht.
Und dann noch mal.
Merke, wie deine Gedanken zur Ruhe kommen, wie sich deine Augen auf ihre unmittelbare Umgebung einstellen. Jetzt kannst du wieder mehr wahrnehmen, als ausschließlich diese Polka tanzenden Gedanken in deinem Kopf.
Schau dich um.
Atme tief….
Und wieder aus.
Zeichne, was dir jetzt am nächsten ist.

5. Du machst dir seit Wochen Vorwürfe, weil du schon so lange nicht mehr gezeichnet hast und eigentlich wolltest du doch….?
Hier ein kleiner Trick: Du verbietest dir, vor nächsten Dienstag, 15.30 Uhr, einen Zeichenstift in die Hand zu nehmen. Unter keinen Umständen darf vor diesem Termin gezeichnet werden. (Es juckt dich wahrscheinlich jetzt schon in den Fingern.)

6. Wer sagt, dass man immer auf Papier und mit Bleistift zeichnen muss?
Man kann zeichnen mit dem dicken Eddingstift auf die Steine, die man am Seeufer gesammelt hat, mit Straßenkreide auf die asphaltierte Einfahrt des Nachbarn oder man kann sich mit dem Kugelschreiber ein Tattoo auf den Unterarm zeichnen.

7. Du fühlst dich viel zu müde, um zu zeichnen?
Prima. Das ist die beste Voraussetzung mit der schönsten LMA-Stimmung, trotzdem zu zeichnen. Es ist dir viel zu anstrengend, darauf zu achten, ob die Zeichnung gelingt oder nicht. Bäh. Egal. Kommt doch nicht drauf an.
Aber gezeichnet hast du.

8. Zeichnen fühlt sich anstrengend an?
Dann lass mal dein inneres Kind ran. Das weiß nämlich, wie man Spaß damit hat und besorge ihm auch gleich diese dicken Wachsmalstifte. Auf ganz glattem Papier kann man in die Wachsschicht mit dem Plastikschaber Linien hinein ritzen und man kann sich darüber freuen, wie die Farben leuchten und dann kann man weiter damit experimentieren und alles Mögliche ausprobieren und, und, und….und bald wird es wieder hell im Kopf und du erinnerst dich, dass die Freude dein Antrieb sein sollte und nicht die Pflicht.

grashuepfer-29. Du kannst dich einfach nicht überwinden, anzufangen?
Stell dir den Küchenwecker auf fünf Minuten und zeichne genau fünf Minuten. Nicht länger. Wenn die Uhr klingelt, legst du sofort den Stift aus der Hand. Jetzt hast du das gute Gefühl, wenigstens etwas gezeichnet zu haben. Das ist viel, viel besser, als mit diesem dumpfen Gefühl zu leben, wieder nicht das gemacht zu haben, was du dir vorgenommen hast. (Oder: nach fünf Minuten willst du den Stift gar nicht mehr aus der Hand legen. Klappt nicht immer, ist aber gut möglich.)

10. Du musst noch den Einkaufszettel fürs Wochenende schreiben?
Warum statt es aufzuschreiben, nicht einfach alles aufzeichnen: Frühlingszwiebeln, Zitronen, Tiefkühlpizza….

11. Du findest Zeichnen langweilig?
Nimm dir drei Buntstifte, am besten in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau, und klebe sie oben und unten mit Klebeband zu einem einzelnen Zeichenstift zusammen. Jetzt kommt Schwung in den Laden. Deine Zeichnungen fangen an, im harmonischen Dreiklang zu vibrieren.

12. Du machst dich mit den besten Vorsätzen mit dem Skizzenbuch in der Tasche auf den Weg, aber plötzlich ist dir alles zu viel? Zu viele Menschen, zu viele Bäume, zu viele Häuser?
Zeichne nicht die ganze Allee mit allen 238 Bäumen, zeichne auch nicht einen ganzen Baum – zeichne ein einziges einzelnes Blatt.
Zeichne nicht die ganze Caféhaus-Atmosphäre mit allen Tischen, Lampen und Plüschsesseln – zeichne eine einzige, einzelne Kaffeetasse.
Zeichne nicht die ganze Opernhausfassade, auch nicht die Quadriga über dem Portal – zeichne nur ein einziges, einzelnes Ornament, das dort links oben, über dem Fenster im ersten Stock.

13. Du kannst einfach nicht mehr sehen, was du da zeichnest?
Dann schau halt nicht hin – beim Zeichnen.
Deine ständige Kontrolle und deine Mäkeleien nerven mehr, als dass sie nützlich sind. Den Blick fest aufs Motiv gerichtet, ohne aufs Papier zu schauen, synchronisierst du deine Augenbewegungen mit denen deiner Hand und du hast nichts mehr zu sagen. So zeichnest du dich frei von deinen Erwartungen und du wirst verblüfft sein, was du da zu sehen bekommst – nach dem Zeichnen.

14. Der Stift liegt dir schwer in der Hand?
Dann zeichne mit der anderen. Die andere Hand – man sagt ihr oft nach, sie sei die Ungeschicktere von beiden. Ist sie in Wirklichkeit nicht einfach nur die Fantasievollere, die, die sich mehr traut, der es egal ist, was die Leute sagen? Sie kann deiner ersten Hand zeigen, wie man mit Spaß bei der Sache ist und dass das Zeichnen nicht schwerwiegend sein muss.

15. Alles um dich herum ist dir gleichgültig? Du siehst nichts Bedeutsames, was du zeichnen könntest?
Dann gib dem Baum vor deinem Fenster einen Namen und achte darauf, was geschieht.
So wie ein Kind dem Stofftier einen Namen gibt, um es zu seinem einzigartigen Spielgefährten zu machen, kann man auch sein Zeichenmotiv mit einem Namen personalisieren. Wenn du dein Motiv persönlich ansprichst – „Hallo Ben, ich sehe dich“ – wird dir dieser Baum plötzlich so viele Besonderheiten und Details offenbaren, die er vor dir verborgen hielt, als ihr euch noch nicht persönlich kanntet.

Zusatz-Tipp:
Entrümple deine Sammlung von Zeichenlehrbüchern.
Jedes Buch, bei dessen Anblick du nicht sofort Lust bekommst zu zeichnen, fliegt raus. Jedes!
Nichts da von wegen, ja, aber da steht vielleicht noch etwas Wichtiges drin, damit wollte ich mich mal beschäftigen, weil, ich glaub, das muss man wissen und wenn ich mal Zeit habe, dann lerne ich das Zeichnen endlich mal von Grund auf….mäh, mäh, mäh.
Jedes Buch, das dich eher runterzieht anstatt dich zu begeistern, belastet nicht nur dein Bücherregal, sondern auch deine Seele. Schließlich muss man sich nicht auch noch von seinen eigenen Büchern Vorwürfe machen lassen. Behalte nur die Zeichenbücher, die dich inspirieren und ermuntern, und die dir auch tatsächlich helfen, wenn du ihre Hilfe brauchst.

grashuepfer-kleinThe Summer Day
(The Grasshopper) by Mary Oliver

Who made the world?
Who made the swan, and the black bear?
Who made the grasshopper?
This grasshopper, I mean
the one who has flung herself out of the grass, the one who is eating sugar out of my hand,
who is moving her jaws back and forth instead of up and down
who is gazing around with her enormous and complicated eyes.
Now she lifts her pale forearms and thoroughly washes her face.
Now she snaps her wings open, and floats away.
I don’t know exactly what a prayer is.
I do know how to pay attention, how to fall down
into the grass, how to kneel down in the grass,
how to be idle and blessed, how to stroll through the fields,
which is what I have been doing all day.
Tell me, what else should I have done?
Doesn’t everything die at last, and too soon?
Tell me, what is it you plan to do
with your one wild and precious life?

_______________________________________________________

Das kostenlose online-Magazin

„Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“

erscheint monatlich

mit Ideen und Inspirationen zum mühelosen Zeichnen.

Um „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ monatlich per E-mail zu erhalten, trage dich bitte in das unten stehenden Formular ein.

(Selbstverständlich werden alle Namen und Adressen vertraulich behandelt und niemals weitergegeben.)

Das online-Magazin kann jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ gekündigt werden.

X – Ja, ich möchte gerne kostenlos das online-Magazin „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ abonnieren.

Bitte vor dem „Abschicken“ noch mal schnell überprüfen, ob die email-Adresse richtig geschrieben wurde.

Herzliche Grüße und bis bald :-),

Merken

Merken

Merken

Wie haben Sie Ihren eigenen Stil gefunden?- Interview mit Martina Wald, Jazz Colours, Mensile di musica jazz, Aprile 2015

trumpet57Wann hatten Sie sich dazu entschieden, Künstlerin zu werden?

Ich glaube nicht, dass es jemals eine bewusste Entscheidung war. Allerdings kann ich mich an einen ganz bestimmten Moment erinnern, als ich meine Zeichnungen betrachtete – ich war dabei, eine Ausstellung in einem Jazzclub vorzubereiten – dass mir meine Jazz-Zeichnungen sehr gut gefielen. Für diesen kurzen Augenblick war es mir möglich, neben mir zu stehen und sie wie eine Fremde zu sehen, und diese Fremde dachte, wow, die sind wirklich gut.
Mir gelang es, wertzuschätzen was ich tue und seitdem denke ich von mir selbst als eine Künstlerin. Es ist nicht mehr länger eine Bezeichnung, die ich mir von außen anhefte.
Wissen Sie, andere Leute können einem immer wieder erzählen, dass sie deine Arbeiten mögen. Man wird es ihnen niemals glauben oder sie sogar ignorieren, solange man nicht selbst wertzuschätzen weiß, was man tut.

Wie haben Sie sich Ihre künstlerischen Fähigkeiten angeeignet, in einer Schule oder eigenständig?

Wie viele, wenn nicht gar wie alle, wurde ich als Künstlerin geboren, aber ich wurde nicht gefördert und man hat es mir sogar ausgeredet. Das geht vielen so.
Allerdings hat mich die Kunst nie ganz losgelassen und so habe ich Kunstgeschichte studiert, um mit der Kunst wenigstens auf intellektueller Ebene verbunden zu sein. Und wissen Sie was? Ich wurde sehr unglücklich. Eines Tages habe ich mich endlich für eine Zeichenklasse in einer privaten Kunstakademie angemeldet. Von diesem Tag an, begann ich innerlich gesund zu werden. Endlich erlaubte ich mir, das zu tun, wofür ich geschaffen wurde.

Fühlten Sie sich von einem speziellen Künstler inspiriert oder von einer bestimmten Kunstepoche?

Schon immer fühlte ich mich zu der Einfachheit und Ausdruckskraft der Zen-Kunst hingezogen. Ich bewundere, wie viel ein einzelner Strich eines Tuschepinsels aussagen kann. Ich stelle fest, dass ich im Laufe der Zeit bei meinen Zeichnungen immer weniger Linien setze. Ich strebe das nicht bewusst an. Es geschieht einfach.

Warum haben Sie sich für das Zeichnen entschieden und nicht, zum Beispiel, für das Malen oder Bildhauern?

Als ich die Kunstschule besuchte, habe ich eine Weile gebraucht, um zu begreifen, dass ich keine Malerin werden wollte wie alle anderen. Ich musste lernen, dass Farben nicht mein Arbeitsmaterial sind.

Im Allgemeinen wird das Zeichnen der eigentlichen Kunst als untergeordnet angesehen. Ausschließlich zu zeichnen ist eher ungewöhnlich. Ich werde oft gefragt, was ich denn mit meinen Zeichnungen mache. Die Leute glauben, ich müsste noch etwas mit ihnen anfangen, wie richtige Bilder danach malen. Nicht viele können die Ausdruckskraft einer einzelnen Linie wertschätzen, weil wir in unserer Kultur zugeschüttet werden mit farbigen Bildern. Verstehen Sie mich richtig, ich liebe Farben, aber sie sind einfach nicht das Material meines künstlerischen Ausdrucks.
Wie haben Sie Ihren eigenen Stil entwickelt?

Um seinen künstlerischen Stil zu entwickeln, muss man einfach nur tun, was man eben tun muss. Man muss ein starkes Gefühl dafür entwickeln, was man als Künstler wirklich benötigt, damit es einem gut geht. Man muss es tun, ohne sich von den Meinungen anderer Leute ablenken zu lassen. Zum Beispiel musste ich immer wieder darauf beharren, keine Farben zu benutzen, obwohl das die meisten Mitstudenten nicht verstehen konnten. Ich hatte darauf zu bestehen, nicht auf großen Leinwänden zu arbeiten, was ungewöhnlich war, und stattdessen an meinem kleinen Zeichenblock festzuhalten.

Wenn man bereit ist, anderer Leute Erwartungen zu enttäuschen, entwickelt man sehr schnell einen eigenen Stil.

Warum ist bei manchen Zeichnungen eher das Porträt des Musikers ausgearbeitet, bei anderen wiederum eher das Instrument?

Mein Zeichnen begann mit dem Portraitzeichnen und ich liebe es immer noch. Manchmal, während ich einen Musiker zeichne, lasse ich mich von seinem Gesichtsausdruck fesseln und der individuelle Mensch kommt zum Vorschein. Aber grundsätzlich geht es mir bei meinen Zeichnungen um die Musik und nicht um den individuellen Musiker.
Wie haben Sie den Jazz entdeckt und was war daran für Sie anziehend?

Rückblickend ist mein Mann an allem schuld. Er hat mir den Jazz geschenkt. Ich wuchs ohne Musik auf und hatte auch überhaupt kein Gefühl für Musik. Als ich meinen Mann kennenlernte und ich mit ihm Jazzkonzerte besuchte, habe ich zuerst gar nichts verstanden. Dann aber langsam, sehr langsam, begann ich etwas zu hören. Ich lernte zuzuhören und das, was ich hörte zu mögen. Als wir das erste Mal in New York waren, 1989, ist dann der Funke endgültig übergesprungen. Ich weiß gar nicht, was genau passierte, aber seitdem bin ich dem Jazz verfallen. Wenn ich Jazz höre, ist es für mich, als würden die Möbel in meinem Kopf immer wieder umgestellt. Ich kann dann völlig neue Gedanken denken und ich fühle mich erfrischt und energiegeladen.

Wie haben Sie sich entschieden mit dieser Musik zu arbeiten?

Ich muss zugeben, ich langweile mich sehr schnell. Wenn sich etwas nicht bewegt, verliere ich das Interesse. Stillleben zeichnen in der Akademie war die Hölle. Ich wollte schon immer Menschen zeichnen, echte Menschen, keine Fotos oder so. Ich habe nicht viele Leute gefunden, die gewillt waren, mir als Modell zu dienen, also habe ich begonnen, in öffentlichen Räumen zu zeichnen, wie im Zug, bei Vorträgen oder in Cafés. Ich hatte mich daran gewöhnt, immer einen Zeichenblock bei mir zu haben. Der nächste logische Schritt war, auch während der Jazzkonzerte zu zeichnen. Ich habe festgestellt, dass das Zeichnen meine Wahrnehmung für die Musik noch steigert.
Zeichnen Sie auch, wenn Sie zuhause Musik hören oder zeichnen Sie nur bei Konzerten?

Ich zeichne die Musik nur, wenn ich sie in Konzerten live höre, sehe und erlebe. Neulich hat jemand vorgeschlagen, ich könnte doch nach Youtube-Videos zeichnen. Es gibt so viele Videos von Konzerten, da könnte ich doch zeichnen, wann immer ich wollte. Aber das wird nicht geschehen. Ich brauche einfach die lebendige Atmosphäre eines Live Konzertes.

Was ist es genau, was Sie während dieser Konzerte einfangen und abbilden wollen?

Während der Konzerte improvisiere ich mit meinem Zeichenstift. Ich werfe Linien aufs Papier, um die Essenz der Musik und der Musiker einzufangen. Ab einem bestimmten Punkt zeichne ich wie in Trance. Ich halte meinen Blick fest auf den Musiker gerichtet und gleichzeitig mache ich eine schnelle Zeichnung nach der anderen. Während des Musikmachens wird die Verbindung zwischen dem Musiker und seinem Instrument so eng, dass sie miteinander zu verschmelzen scheinen und dadurch ein völlig neues Wesen entsteht. Das ist dann der Moment, in dem Jazz sichtbar wird und auf diese Weise kommt der Jazz in die Zeichnung hinein.

Ich will keine „Fan-Art“ produzieren, durch die Zeichner ihre Bewunderung für einen bestimmten Künstler zum Ausdruck bringen, indem sie deren Porträts zeichnen. Das ist auch eines der Dinge, gegen die ich mich durchsetzen musste, um meinen eigenen Stil zu entwickeln, weil die Leute von jemandem, der Jazzmusiker zeichnet, erwarten, dass dann Musiker mit bekannten Namen zu erkennen sind. Ich werde oft darum gebeten, einen bestimmten Jazzmusiker zu zeichnen und dann erkläre ich, einmal mehr, dass mich das nicht interessiert. Vielmehr interessiert mich der einzigartige Moment der Musik, der durch beide, den Musiker und das Instrument, lebendig wird.

Sie titeln Ihre Zeichnungen nach den dargestellten Instrumenten und einer laufenden Nummer. Das ist ungewöhnlich. Warum das?

Auch hier wieder wurde ich konfrontiert mit der Erwartungshaltung der Leute. Wenn ich sie schon nicht nach den abgebildeten Musikern benenne – und es wären tatsächlich berühmte Namen darunter – könnte ich ihnen dann nicht wenigstens einen phantasievollen Titel geben, anstatt dieser langweiligen Nummern? Einmal hätte ich fast nachgegeben. Das war kurz vor einer Ausstellungseröffnung und ich begann, die Zeichnungen nach den Titeln der Stücke, die während des Zeichnens gespielt worden waren, zu benennen. Aber dann habe ich gemerkt, dass diese Titel von der Zeichnung selbst ablenken. Sie würden sich wie eine zusätzliche Schicht auf die Zeichnung legen. Ich will sie aber so einfach und zugänglich wie möglich haben. Und was ist einfacher, als sie durchzunummerieren. Außerdem habe ich dadurch ein sehr gutes Ablagesystem und ich kann jede Zeichnung jederzeit auffinden.

Allerdings bekommt der größte Teil der Zeichnungen überhaupt keine Nummer. Wenn dem so wäre, wären die Nummern schon vierstellig. Alle paar Monate schaue ich die Zeichnungen durch und wenn mir eine zurück spielt, was ich während des Zeichnens gehört habe, dann wird sie mit einer Nummer sozusagen geadelt. Dann hat sie auch eine gute Chance, öffentlich gezeigt zu werden.

Welche sind Ihre Lieblingsmusiker?

Die Jazzszene ist so reichhaltig, ich könnte mich niemals für einen Lieblingsmusiker entscheiden. Meine Liste der Lieblingsmusiker wird nach jedem Konzert länger.
Spielen Sie ein Instrument?

Ich spiele kein Instrument. Aber manchmal denke ich, dass meine Art des Zeichnens sehr der Improvisation im Jazz ähnelt. Ich antworte diesem einzigartigen Augenblick in diesem Moment auf dem Papier und um das zu tun, benutze ich ebenfalls ein Instrument, meinen Zeichenstift.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Manchmal, wenn ich einen Schritt zurücktrete, kann ich erkennen, dass meine Zeichnungen immer schlichter werden. Ich mag das, aber ich kann es nicht erzwingen. Ich muss einfach weitermachen, immer eine Zeichnung nach der anderen.

________________________________________________________________

Das kostenlose online-Magazin

„Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“

erscheint monatlich

mit Ideen und Inspirationen zum mühelosen Zeichnen.

Um „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ monatlich per e-mail zu erhalten, trage dich bitte in das unten stehende Formular ein. (Selbstverständlich werden alle Namen und Adressen vertraulich behandelt und niemals weitergegeben.)

Das online-Magazin kann jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ gekündigt werden.

X – Ja, ich möchte gerne kostenlos das online-Magazin

“Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ abonnieren.

Bitte vor dem “Abschicken” noch mal schnell überprüfen, ob die email-Adresse richtig geschrieben wurde.

Herzlichen Dank! 🙂

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

9 doofe Gedanken übers Zeichnen, die wir für wahr halten

rose2741. doofer Gedanke:
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, würden mir alle meine Zeichnungen immer gefallen.

Das ist nicht wahr. Manchmal gefällt einem eine Zeichnung sofort nach der Fertigstellung, manchmal nicht. Manchmal gefällt einem eine Zeichnung, mit der man zuerst nichts anfangen konnte, zwei Wochen später ausgesprochen gut und eine Zeichnung, die man zunächst für gut hielt, findet man später langweilig. Das sind alles nur momentane Meinungen. Eine Zeichnung hat ihren Platz innerhalb aller entstehenden Zeichnungen. Manche sind ausdrucksstärker, manche weniger.

2. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, würde es mir jederzeit Freude machen.

Das ist nicht wahr. Es ist völlig normal, dass auch die Freude beim Zeichnen bei unterschiedlichen Anlässen und unter unterschiedlichen Umständen nicht immer dieselbe ist.
Manchmal fühlt man sich im Alltag müde und lustlos, manchmal fühlt man sich im Alltag optimistisch und ist voller Tatendrang. Manchmal fühlt man sich eben auch beim Zeichnen müde und lustlos und manchmal fühlt man sich beim Zeichnen optimistisch und ist voller Tatendrang. (That´s life.)

3. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, würden alle meine Zeichnungen gut finden.

Das ist nicht wahr. Wenn alle deine Zeichnungen gut finden, zeigst du sie entweder nur deiner Oma und deiner Katze oder du bemühst dich, ausschließlich Zeichnungen zu machen, an denen keiner was zu meckern hat. Aber eigentlich sind alle nur tief beeindruckt von der Mühe, die du dir gemacht hast, um diese Zeichnungen anzufertigen. Erst wenn du Menschen begegnest, die mit deinen Zeichnungen nichts anfangen können, weißt du 1. dass du sie schon ziemlich vielen unterschiedlichen Menschen gezeigt hast und 2. dass nur etwas auf deutliche Ablehnung stößt, dass eine eigenständige und unmissverständliche Position bezieht. Und aus denselben Gründen, aus denen es manchen nicht gefällt, gefällt es anderen wiederum ausgesprochen gut.

4. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, könnte ich alles zeichnen, was von mir erwartet wird…

…wie z.B. das Firmenlogo für die Schneiderei meiner Schwester, die Illustrationen für den Gedichtband des Freundes und die Entwürfe für die neuen Küchenmöbel. Das ist aber nicht wahr. Werbegraphiker, Illustrator und Designer sind eigenständige Ausbildungsberufe, für deren Ausübung man sich Spezialwissen aneignen muss, das mit der Fähigkeit zu zeichnen nichts zu tun hat.

5. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, könnte ich Menschen in allen Positionen und alle Tiere und alle Erscheinungsformen dieser Welt aus dem Kopf zeichnen.

Das ist nicht wahr. Auch erfahrene Zeichner können nicht alles „einfach so“ aufs Papier bringen, dass es so aussieht wie eine perfekte Abbildung von was auch immer. Illustratoren, z.B., die unterschiedliche Themen bearbeiten, orientieren sich an Referenzfotos oder bauen auf früheren Arbeiten auf. Realistisch „aus dem Kopf“ zeichnen kann ohne aufwändige Vorstudien niemand.

6. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, hätte ich schon längst meine ganze Familie porträtiert.

Warum das denn? Jedenfalls ist es nicht wahr. Nur weil einem die Familie das Wichtigste und Liebste ist, heißt das nicht, dass man sie automatisch auch zum Thema seiner Kunst machen muss. Wenn man sich tatsächlich zum Porträtisten berufen fühlt, zeichnet man ohnehin so viele Porträts, dass man für die der Familie keine Zeit hat. Außerdem ist genau dieser Wunsch, geliebte Familienangehörige zu zeichnen, ein Vorwand, um seine Zeit, die man mit Zeichnen verbringt, zu rechtfertigen. Man weiß, dass man mit solchen Porträts bei der Familie (und auch bei sich selbst) am höchsten punkten könnte.

7. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich richtig gut zeichnen könnte, würde ich nie daran zweifeln, dass ich gut zeichnen kann.

Das ist nicht wahr. Das Gefühl zeichnen zu können, ist ein fluktuierendes. Mal fühlt man sich diesbezüglich relativ sicher und dann wieder so unsicher, dass man manchmal nicht weiß, was man mit diesem Stift in der Hand eigentlich anfangen soll.
Nicht nur Künstler, sondern alle Menschen müssen sich immer wieder mit Selbstzweifeln herumschlagen.
Immer dort, wo wir an uns zweifeln, liegt auch unser Schatz begraben. Unsere Zweifel zeigen uns unsere Grenzen auf, die wir dann TROTZ der Zweifel überwinden. Wir zweifeln, wir entscheiden uns zu handeln, wir handeln, wir kommen ein Stück voran und wir zweifeln wieder und immer so weiter.

8. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, würde ich alle auf der Welt bekannten Zeichentechniken beherrschen müssen.

Das ist nicht wahr. Zeichentechniken sind Geschmackssache und je nach Charakter mag man die eine sehr und die andere überhaupt nicht. Der eine mag mit dem Minen-Bleistift ausgeführte exakte Schraffierungen, der andere mit dem Daumen verwischte Schatten. Warum sollte man Zeit verplempern mit etwas, das einem überhaupt nicht liegt? Ausprobieren, ja, das immer, aber sich mit irgendetwas herumquälen? Nein, das macht nicht nur keinen Sinn sondern auch schlechte Laune.

9. doofer Gedanke
Wenn ich richtig gut zeichnen könnte, hätte ich in der Schule in Kunst eine bessere Note gehabt.

Das ist nicht wahr. Haben gute Noten schon jemals mehr über einen Menschen ausgesagt, als in wie weit er sich einem rigiden Schulsystem anpassen kann? Solange es keine grundlegende Reform gibt, müssen wir damit leben, dass wir in unseren Schulen dazu ausgebildet werden, uns zu vergleichen und uns dadurch aneinander anzugleichen. Wer in der Schule aus der Reihe tanzt, bekommt eine schlechte Note. Wer in der Kunst NICHT aus der Reihe tanzt…..der macht sehr wahrscheinlich keine Kunst.

________________________________________________________________

Das kostenlose online-Magazin

„Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“

erscheint monatlich

mit Ideen und Inspirationen zum mühelosen Zeichnen.

Um „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ monatlich per e-mail zu erhalten, trage dich bitte in das unten stehende Formular ein. (Selbstverständlich werden alle Namen und Adressen vertraulich behandelt und niemals weitergegeben.)

Das online-Magazin kann jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ gekündigt werden.

X – Ja, ich möchte gerne kostenlos das online-Magazin

“Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ abonnieren.

Bitte vor dem “Abschicken” noch mal schnell überprüfen, ob die email-Adresse richtig geschrieben wurde.

Herzlichen Dank! 🙂

Siehst du beim Zeichnen eigentlich was du siehst?

Foto von Petra Bachmann, München

Foto von Petra Bachmann, München

Es ist so wichtig, dass du dir glaubst, was du siehst – was du tatsächlich siehst – und nicht nur siehst, was du glaubst zu sehen.

Bei einer Teilnehmerin eines Porträt-Workshops bemerkte ich, dass sie, sobald sie zu zeichnen begann, nachdem sie einen Blick auf das vor ihr sitzende Modell geworfen hatte, die Augen mandelförmig zeichnete.

Sie zeichnete die Augen bei jedem Modell mandelförmig, gleichgültig, ob es ein männliches Modell war oder ein weibliches, gleichgültig, ob die Augen des Modells mandelförmig waren oder nicht. Sie zeichnete immer, geradezu automatisch, einen oberen flachen Bogen und einen unteren flachen Bogen und die Augenlider formte sie ihnen entsprechend nach.

Ich beugte mich zu ihr hinunter und hielt meinen Kopf neben ihren Kopf, um ihre Seh-Position nachzuvollziehen. Dieses Modell, das wir nun beide nahezu von der gleichen Perspektive aus betrachteten, hatte – ja, im Prinzip stimmte es – mandelförmige Augen. Aber: die Bögen der Augen waren weder gleichmäßig gebogen, noch waren sie symmetrisch. Der Scheitelpunkt des Bogens war, zum Beispiel, nicht in der Mitte, und bei beiden Augen unterschiedlich. Die Bögen der Augenlider folgten nicht den Bögen der Augenfassung. Sie waren völlig eigenständige Gebilde aus unterschiedlich ansteigenden und wieder abfallenden gebrochenen Linien, die sich überkreuzten und überlagerten.

Ich streckte den Finger aus und zeichnete damit, den Linien folgend, so wie ich sie sah, in die Luft. „Schau“, sagte ich, „hier steigt die Linie an, dann ist sie für einen Moment ganz flach und dann läuft sie mit einem sanften Schwung nach unten. Siehst du es“, fragte ich, überzeugt davon, dass ich mich ganz klar ausgedrückt hatte. „Weißt du, was ich meine?“

„Nein“, sagte sie, „ich weiß nicht, was du meinst.“

Ich war am Ende mit meinem Latein.

Leider gelang es mir nicht, mich verständlich zu machen und der Zeichnerin zu helfen, ihren Augen zu erlauben, das wahrzunehmen, was sie tatsächlich sahen.

Sie wusste, vom Verstand her, was sie glaubte, sehen zu müssen, aber sie konnte nicht erkennen, was sie mit den Augen hätte sehen können.

Der Verstand sagte ihr, alle Augen sind mandelförmig und deshalb zeichnen wir alle Augen mandelförmig. Ich habe schon so viele Augen gesehen, sagte er, ich weiß wie Augen aussehen.

Das eigentliche Sehen kam nicht am vermeintlichen Wissen des Verstandes vorbei. Ihr Verstand hatte sich ein feststehendes allgemeingültiges Bild von dem Begriff  „Augen“ gemacht und verstellte ihr damit, im wahrsten Sinne des Wortes, den Blick.

Dieses Phänomen war mir damals noch nicht bewusst und ich konnte nicht nachvollziehen, warum sie nicht sehen konnte, was für mich so offensichtlich war.

Wir vertrauen unserem Seh-Sinn und unserer Wahr-Nehmung nicht, weil wir so sehr daran gewöhnt sind, die „Kürzel“ des Verstandes als das eigentliche Bild zu akzeptieren.

Es ist ja auch klasse, dass unser Verstand so schnell und effizient arbeitet, so müssen wir nicht jeden einzelnen Baum, jeden einzelnen Stuhl von neuem mühsam entziffern, um schließlich zu erkennen, was wir vor uns haben. Wir sehen einen Baum und sofort können wir uns jegliches weitere Hinschauen sparen, denn wir haben ihn ja schon längst als solchen identifiziert.

Die größte Herausforderung, der wir uns beim Zeichnen stellen, ist es, das Wissen unseres Verstandes zu umgehen und unmittelbar HIN-zusehen und durch das Gespinst aus abgespeicherten Vor-Urteilen hindurchzusehen.

Wir müssen uns dieses Vorwissen praktisch aus den Augen wischen oder es uns von den Augen nehmen, wie eine beschlagene Brille, damit wir klar sehen, damit wir ganz klar und deutlich erkennen, wie etwas tatsächlich aussieht, OBWOHL wir wissen, was es ist.

Wenn wir zeichnen wollen, müssen wir uns daran gewöhnen, hinter die Bezeichnung zu schauen, hinter den Begriff, mit dem es unser sprachgebundener Verstand identifiziert.

Ein guter Anfang ist gemacht, wenn wir uns dieses Phänomen überhaupt erst mal bewusst machen. Unser Verstand versucht, uns beim Zeichnen mit eingeschränkten Informationen abzuspeisen, weil er es nicht für nötig hält, mehr über ein Motiv zu erfahren, als er wissen muss, um es in irgendeine Gebrauchskategorie einordnen zu können.

Im Folgenden möchte ich dir vier Übungen vorstellen, mit deren Hilfe man aber den Verstand austricksen kann.

Übung 1

Der verschleierte Blick

Betrachte dir etwas, einen Gegenstand oder auch eine Landschaft und dann stell dir vor, so lebhaft wie du nur kannst, dass du einen Schleier vor den Augen hast. Diesen Schleier ziehst du dir mit einer entsprechenden Geste (in echt oder in Gedanken) wie einen Vorhang zur Seite. Dein Blick stellt sich scharf und plötzlich siehst du alles viel deutlicher als vorher.

Wenn du dann noch ein staunendes „Wow“ ausrufst, wird dein Verstand neugierig und er glaubt, es gibt etwas zu sehen, was er noch nie zuvor gesehen hat und von dem er noch gar nichts weiß und er erlaubt dir, viel mehr Details wahrzunehmen, als er dir üblicherweise zugesteht.

 

Übung 2

Die menschliche Kamera

Schließe die Augen, drehe den Kopf um ein paar Grad zur Seite oder nach oben oder nach unten, gerade so viel, dass du ein bisschen die Orientierung verlierst und nicht mehr weißt, was genau vor dir liegt. In dieser Position – verdrehter Kopf mit geschlossenen Augen – öffne die Augen ganz kurz und schließe sie SOFORT wieder, so wie sich die Blende einer Kamera nur für das Sechzigstel einer Sekunde öffnet und sofort wieder verschließt. Nun hast du ein inneres Bild „geknipst“, ohne vorher zu wissen, was dir da vor die Linse kommen wird. Knipse auf diese Weise ganz viele Fotos hintereinander. Nicht zu schnell, aber doch zügig. Bevor du ein neues Bild knipst, nimm das innere Bild ganz kurz wahr und mache dann ein neues.

Also noch mal: die Augen nach jedem Foto geschlossen halten, den Kopf verdrehen, die Augen öffnen und gleich wieder schließen. Mache mindestens zwei Filmrollen voll oder eine Speicherkarte, je nachdem, was dir in deiner Fantasie näher liegt.

Wenn du diese Übung über mehrere Tage hinweg immer für ein paar Minuten machst, wirst du dich daran gewöhnen zu sehen, was es im Moment tatsächlich zu sehen gibt.

Neulich, als wir diese Übung im Workshop gemacht haben, berichtete eine Teilnehmerin, sie habe auf einem ihrer inneren Fotos die Farbe Blau gesehen. Sie wurde sich bewusst, dass ihr Verstand sagte, nein, das kann nicht sein, an dieser Stelle ist kein Blau. Aus irgendeinem Grund, wollte er es nicht wahrhaben und sie war geneigt ihm zu glauben. Als sie es überprüfte, stellte sie fest, dass dieser Gegenstand tatsächlich blaue Stellen aufwies, die der Verstand jedoch als unwichtig abgetan hatte, indem er ihr Vorhandensein einfach leugnete. Nach dieser Erfahrung ist es für die Teilnehmerin nun wichtig, weiterhin ihren unmittelbaren Eindrücken zu vertrauen und nicht auf die Besserwissereien des Verstandes zu hören.

 

Übung 3
Die Laserkanone
Stell dir vor, mit jedem Blick, den du auf etwas wirfst(!), sendest du einen ganz schmalen Laserstrahl aus deinen Augen und dieser Strahl trifft immer nur auf ein ganz winzig kleines Detail von dem, worauf du schaust.
Versuche dir bewusst zu machen, auf welchem winzig kleinen Detail dein Blick tatsächlich gelandet ist. Wenn du deinen Blick auf deinen Schuh geworfen hast, dann hast du nicht zuerst z. B. die Schnalle gesehen. Dieses Detail ist viel zu groß und wurde dir nur von deinem Verstand als das nächst Beste, das er schon kennt, vorgeschlagen.
Nein, dein Blick ist vielleicht auf einen Teil des Schattens gefallen, den die Schnalle aufs Leder darunter wirft oder auf den Lichtsplitter einer Reflexion des Metalls aus dem die Schnalle gemacht ist. Über den Tag, auch wenn du nicht zeichnest, halte immer mal kurz inne und mach dir bewusst, worauf genau im Moment der Strahl deines Blicks tatsächlich getroffen hat.

 

Übung 4
Die eigene Hand wie zum ersten Mal sehen
Schließe deine Hand zu einer Faust, schau darauf und zähle bis drei. Bei drei öffnest du die Faust und dein Blick fällt auf die Handinnenfläche. Wenn du jetzt ganz ehrlich zu dir bist, musst du zugeben, dass dein Blick auf nur eine einzige winzige Stelle gefallen ist und dass du diese Stelle sehr deutlich gesehen hast. Natürlich hast du auch deine gesamte Hand auf einmal gesehen, weil sie sich in ihrer Gesamtheit in deinem Blickfeld befindet. In Wirklichkeit aber hast du nur diese winzige Stelle auf deiner Handinnenfläche ganz genau und deutlich gesehen.
Du musst mit der Erkenntnis, welchen Punkt du deutlich gesehen hast, nicht mehr tun, als dir zu glauben, dass du nicht mehr als diesen gesehen hast. Lass deinen Blick nicht schweifen, um ganz schnell noch etwas Wichtigeres oder Interessanteres zu finden. Auch wenn du glaubst, die Innenfläche deiner Hand naturgemäß sehr gut zu kennen, wirst du jedes Mal, wenn du diesen Vorgang wiederholst, etwas völlig Neues sehen, etwas, was du noch nie zuvor gesehen hast. Und jedes Mal wird es dir völlig unspektakulär vorkommen und du würdest es lieber über-sehen. Bring dir selbst bei, das, was du in diesem Moment siehst, auch in diesem Moment zu akzeptieren.
Gewöhne dich daran, deinem ersten unmittelbaren Seh-Eindruck zu vertrauen und zwar ohne auf deinen Verstand zu hören, der diesen Eindruck sofort als für dich völlig irrelevant abtun will.

Zu Beginn werden dir diese unmittelbaren Seh-Eindrücke als unglaublich unwichtig erscheinen.

DAS soll ich sehen? DAS soll von Bedeutung sein, dieser uninteressante Fleck, diese kaum wahrnehmbare Neigung, diese winzige dunkle Stelle?
Dieses vermeintlich Unwichtige ist jedoch beim Zeichnen das Wichtigste überhaupt, denn es ist dein eigenes, völlig einmaliges Sehen, dem du in diesen blitzartigen Wahrnehmungen begegnest.
Kein Mensch sieht so wie du. Jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung, seine eigene Wahrheit.
Befreie dich von dem Glauben, dass du zuerst WISSEN musst, was du sehen sollst, um die Zeichnung zu beginnen und du musst auch nicht wissen, wie andere dieses Motiv sehen können. Es zählt nur, was DU siehst.

 

Übe dich darin, deinem Sehen zu vertrauen. Sieh, was du und nur du siehst. Schau hinter die Begriffe und Bezeichnungen, dann können deine Zeichnungen entstehen, die niemand so macht wie du.

________________________________________________________________

Das kostenlose online-Magazin

„Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“

erscheint monatlich

mit Ideen und Inspirationen zum mühelosen Zeichnen.

Um „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ monatlich per e-mail zu erhalten, trage dich bitte in das unten stehende Formular ein. (Selbstverständlich werden alle Namen und Adressen vertraulich behandelt und niemals weitergegeben.)

Das online-Magazin kann jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ gekündigt werden.

X – Ja, ich möchte gerne kostenlos das online-Magazin

“Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ abonnieren.

Bitte vor dem “Abschicken” noch mal schnell überprüfen, ob die email-Adresse richtig geschrieben wurde.

Herzlichen Dank! 🙂

Merken

Merken