15 Erste-Hilfe-Tipps für blockierte Zeichner (plus ein Zusatztipp)

Nicht nur Schriftsteller leiden ab und zu unter dem berühmt berüchtigten „Writer´s Block“, auch Zeichner rennen immer wieder mal gegen innere Blockaden. Nicht jede kleine Lustlosigkeit muss sich gleich zur großen Schaffenskrise auswachsen, aber grundsätzlich ist es wichtig, darauf zu achten, dass man seiner Arbeit nicht allzu lange fernbleibt.
Lähmende Selbstzweifel können sich nämlich am stärksten aufplustern, wenn man seine Arbeit tatenlos mit hängenden Schultern von außen betrachtet, anstatt damit beschäftigt zu sein, sie tatsächlich zu machen.
„Machen“ ist das Wichtigste, egal was, egal wie.

1. Vor lauter Erschöpfung abends doch wieder vor dem Fernseher gelandet und ans Zeichnen war den ganzen Tag sowieso nicht zu denken?
Du kannst den (Zeichen-)Tag noch retten. Während du den Nachrichten lauschst, zeichnest du ganz nebenbei, das fast unbewegliche Gesicht des Nachrichtensprechers.

2. Du weißt nicht, was zur Hölle, du zeichnen sollst?
Entwirf ein Ornament oder zeichne ein Mandala. Mit nur wenigen, sich wiederholenden Kringeln und Kreisen entstehen, wie von selbst, himmlisch schöne Gebilde.

3. Das Papier des Zeichenblocks erscheint dir stumm und leer, es spricht dich so gar nicht an?
Grundiere es mit schnellen farbigen Pinselstrichen oder lasse Tee oder Kaffee darauf tropfen. Schon habt ihr beiden, du und das Papier, eine interessante Gesprächsgrundlage.

4. Du fühlst dich zu ungeduldig und zu unruhig, um dich aufs Zeichnen zu konzentrieren?
Lies ein Gedicht.
Und dann noch mal.
Merke, wie deine Gedanken zur Ruhe kommen, wie sich deine Augen auf ihre unmittelbare Umgebung einstellen. Jetzt kannst du wieder mehr wahrnehmen, als ausschließlich diese Polka tanzenden Gedanken in deinem Kopf.
Schau dich um.
Atme tief….
Und wieder aus.
Zeichne, was dir jetzt am nächsten ist.

5. Du machst dir seit Wochen Vorwürfe, weil du schon so lange nicht mehr gezeichnet hast und eigentlich wolltest du doch….?
Hier ein kleiner Trick: Du verbietest dir, vor nächsten Dienstag, 15.30 Uhr, einen Zeichenstift in die Hand zu nehmen. Unter keinen Umständen darf vor diesem Termin gezeichnet werden. (Es juckt dich wahrscheinlich jetzt schon in den Fingern.)

6. Wer sagt, dass man immer auf Papier und mit Bleistift zeichnen muss?
Man kann zeichnen mit dem dicken Eddingstift auf die Steine, die man am Seeufer gesammelt hat, mit Straßenkreide auf die asphaltierte Einfahrt des Nachbarn oder man kann sich mit dem Kugelschreiber ein Tattoo auf den Unterarm zeichnen.

7. Du fühlst dich viel zu müde, um zu zeichnen?
Prima. Das ist die beste Voraussetzung mit der schönsten LMA-Stimmung trotzdem zu zeichnen. Es ist dir viel zu anstrengend, darauf zu achten, ob die Zeichnung gelingt oder nicht. Bäh. Egal. Kommt doch nicht drauf an.
Aber gezeichnet hast du.

8. Zeichnen fühlt sich anstrengend an?
Dann lass mal dein inneres Kind ran. Das weiß nämlich, wie man Spaß damit hat und besorge ihm auch gleich diese dicken Wachsmalstifte. Auf ganz glattem Papier kann man in die Wachsschicht mit dem Plastikschaber Linien hinein ritzen und man kann sich darüber freuen, wie die Farben leuchten und dann kann man weiter damit experimentieren und alles Mögliche ausprobieren und, und, und….und bald wird es wieder hell im Kopf und du erinnerst dich, dass die Freude dein Antrieb sein sollte und nicht die Pflicht.

9. Du kannst dich einfach nicht überwinden, anzufangen?
Stell dir den Küchenwecker auf fünf Minuten und zeichne genau fünf Minuten. Nicht länger. Wenn die Uhr klingelt, legst du sofort den Stift aus der Hand. Jetzt hast du das gute Gefühl, wenigstens etwas gezeichnet zu haben. Das ist viel, viel besser, als mit diesem dumpfen Gefühl zu leben, wieder nicht das gemacht zu haben, was du dir vorgenommen hast. (Oder: nach fünf Minuten willst du den Stift gar nicht mehr aus der Hand legen. Klappt nicht immer, ist aber gut möglich.)

10. Du musst noch den Einkaufszettel fürs Wochenende schreiben?
Warum statt es aufzuschreiben, nicht einfach alles aufzeichnen: Frühlingszwiebeln, Zitronen, Tiefkühlpizza….

11. Du findest Zeichnen langweilig?
Nimm dir drei Buntstifte, am besten in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau, und klebe sie oben und unten mit Klebeband zu einem einzelnen Zeichenstift zusammen. Jetzt kommt Schwung in den Laden. Deine Zeichnungen fangen an, im harmonischen Dreiklang zu vibrieren.

12. Du machst dich mit den besten Vorsätzen mit dem Skizzenbuch in der Tasche auf den Weg, aber plötzlich ist dir alles zu viel? Zu viele Menschen, zu viele Bäume, zu viele Häuser?
Zeichne nicht die ganze Allee mit allen 238 Bäumen, zeichne auch nicht einen ganzen Baum – zeichne ein einziges einzelnes Blatt.
Zeichne nicht die ganze Caféhaus-Atmosphäre mit allen Tischen, Lampen und Plüschsesseln – zeichne eine einzige, einzelne Kaffeetasse.
Zeichne nicht die ganze Opernhausfassade, auch nicht die Quadriga über dem Portal – zeichne nur ein einziges, einzelnes Ornament, das dort links oben, über dem Fenster im ersten Stock.

13. Du kannst einfach nicht mehr sehen, was du da zeichnest?
Dann schau halt nicht hin – beim Zeichnen.
Deine ständige Kontrolle und deine Mäkeleien nerven mehr, als dass sie nützlich sind. Den Blick fest aufs Motiv gerichtet, ohne aufs Papier zu schauen, synchronisierst du deine Augenbewegungen mit denen deiner Hand und du hast nichts mehr zu sagen. So zeichnest du dich frei von deinen Erwartungen und du wirst verblüfft sein, was du da zu sehen bekommst – nach dem Zeichnen.

14. Der Stift liegt dir schwer in der Hand?
Dann zeichne mit der anderen. Die andere Hand – man sagt ihr oft nach, sie sei die Ungeschicktere von beiden. Ist sie in Wirklichkeit nicht einfach nur die Fantasievollere, die, die sich mehr traut, der es egal ist, was die Leute sagen? Sie kann deiner ersten Hand zeigen, wie man mit Spaß bei der Sache ist und dass das Zeichnen nicht schwerwiegend sein muss.

15. Alles um dich herum ist dir gleichgültig? Du siehst nichts Bedeutsames, was du zeichnen könntest?
Dann gib dem Baum vor deinem Fenster einen Namen und achte darauf, was geschieht.
So wie ein Kind dem Stofftier einen Namen gibt, um es zu seinem einzigartigen Spielgefährten zu machen, kann man auch sein Zeichenmotiv mit einem Namen personalisieren. Wenn du dein Motiv persönlich ansprichst – „Hallo Ben, ich sehe dich“ – wird dir dieser Baum plötzlich so viele Besonderheiten und Details offenbaren, die er vor dir verborgen hielt, als ihr euch noch nicht persönlich kanntet.

Zusatz-Tipp:
Entrümple deine Sammlung von Zeichenlehrbüchern.
Jedes Buch, bei dessen Anblick du nicht sofort Lust bekommst zu zeichnen, fliegt raus. Jedes!
Nichts da von wegen, ja, aber da steht vielleicht noch etwas Wichtiges drin, damit wollte ich mich mal beschäftigen, weil, ich glaub, das muss man wissen und wenn ich mal Zeit habe, dann lerne ich das Zeichnen endlich mal von Grund auf….mäh, mäh, mäh.
Jedes Buch, das dich eher runterzieht anstatt dich zu begeistern, belastet nicht nur dein Bücherregal, sondern auch deine Seele. Schließlich muss man sich nicht auch noch von seinen eigenen Büchern Vorwürfe machen lassen. Behalte nur die Zeichenbücher, die dich inspirieren und ermuntern, und die dir auch tatsächlich helfen, wenn du ihre Hilfe brauchst.

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Video „….ganz einfach zeichnen“

Michael Scheingraber, Filmemacher und Leiter der Kunstakademie Eigenart​ in Bad Heilbrunn hat über mich ein kurzes Video gedreht. Ich erzähle, wie einfach Zeichnen für jeden tatsächlich sein kann. Ich unterrichte in der Kunstakademie in Bad Heilbrunn seit Januar diesen Jahres. Der letzte Workshop in diesem Jahr, im Oktober, ist jetzt ebenfalls ausgebucht.

2018 wird es weitere Termine geben. HIER kannst du dich unverbindlich eintragen, wenn du darüber informiert werden willst, sobald diese bekannt sind.

(Zum Abspielen, bitte auf das Bild klicken.)

 

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Rose Nr. 350


 

 

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meine Corita Kent

Corita Kent war Nonne, Künstlerin, Philosophin und Lehrerin. Sie unterrichtete in den sechziger Jahren Kunst in einem katholischen College in Los Angeles und galt als Revolutionärin in der Kunstvermittlung. Sie hat nur ein Buch geschrieben, mit einer Co-Autorin, das erst 6 Jahre nach ihrem Tod, 1992,  veröffentlicht wurde. Das Buch heißt „Learning by Heart“. Ich habe erst begonnen, es zu lesen. Im Vorwort steht, ihre Lehr-Methode sei eine sehr simple gewesen:

„Begin, look, connect & create, work & play, celebrate!“ Sie war der Ansicht, „that art can not be learned except by the heart.“

Das klingt nach einer vielversprechenden Lektüre.

 


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mein Updike 2

In einem seiner Texte erzählt Updike von seiner Mutter, die ebenfalls Schriftstellerin war, aber deren Bücher niemals veröffentlicht wurden. Er erinnert sich, wie traurig sie war, wenn sie wieder einen der braunen Umschläge mit ihrem abgelehnten Manuskript im Briefkasten vorfand. Sie war die Mutter von John Updike, einem Schriftsteller, dessen Name immer mal wieder im Zusammenhang mit einem möglichen Nobelpreis genannt wurde, und ihr war der Erfolg nicht vergönnt. Ich weiß auch nicht, warum mich das so berührt. Wahrscheinlich weil ich vermute, wir durften ihre Bücher nie kennenlernen, weil sie eine Frau war.

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Was du zum Zeichnen wirklich brauchst

Was brauchst du zum Zeichnen, außer Stift und Papier?
Du brauchst deine Bücher, deine Freunde, deine Wanderungen, deine Lieblingsplätze und Kraftorte (ein Museum, ein Park, die Bücherei oder der schmale Weg, der hinter dem Haus den Hügel hinaufführt).
Du brauchst alles, was dir gut tut, alles was dich unterstützt und ermutigt, alles was zu dir freundlich spricht und sagt, ich verstehe dich.
Und: du brauchst ALLE deine Sinne.
Sie sagen, man müsse nur richtig sehen, dann könne man auch richtig zeichnen.
Ja, das stimmt.
Aber wie siehst du richtig?
Du siehst richtig, indem du auch fühlst, was du siehst.
Du siehst richtig, indem du auch hörst, was du siehst.
Du siehst richtig, indem du auch liebst, was du siehst.
Lass dir nicht von deiner Vernunft, nicht von deinen tausend guten Gründen sagen, was du zu sehen hast und was du zu sehen glaubst.
Allein mit deinen Augen siehst du nämlich nur das, was du denkst, dass du es siehst.
Mit allen deinen Sinnen, mit deinem ganzen SEIN, siehst du, was nur du siehst, was sich nur dir zeigt, in diesem einzigartigen Augenblick des Erkennens, sei es dieser einzigartige Baum, diese einzigartige Blume oder dieser einzigartige Mensch.
Zum Zeichnen brauchen wir alles, was uns dabei hilft, der Mensch zu sein, der diese Einzigartigkeit sowohl in sich selbst als auch in allem anderen erkennt.
Wir brauchen alles, was uns dabei hilft, unseren Gefühlen und unseren Wahrnehmungen zu vertrauen, seien es Menschen, Bücher oder Orte.
Nur so können wir unsere eigene Wahrheit erkennen und akzeptieren und ausschließlich diese zeichnend zu Papier bringen.

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