Um zeichnen zu können, muss man nicht das Zeichnen lernen, sondern man muss lernen, ein Mensch zu sein, der zeichnet

Um zeichnen zu können, muss man nicht das Zeichnen lernen, sondern man muss lernen, ein Mensch zu sein, der zeichnet.

Das übersehen viele: wenn man in seinem Leben etwas Neues erleben will, wie z.B. das Erlebnis des Zeichnens, muss man sein Leben verändern, man muss ein anderer Mensch werden.

Wirklich? Muss das sein – gleich das ganze Leben verändern?
Ist das nicht ein bisschen übertrieben?

Selbstverständlich kann man zeichnen, OHNE sein Leben zu verändern. Dann zeichnet man eben so, wie viele von uns ohnehin schon leben: man setzt sich unter Druck, um die Erwartungen anderer zu erfüllen.
Glücklich wird man dabei nicht, aber man weiß wo man hingehört und das ist doch auch schon mal was.
Man lernt das Zeichnen, wie viele es behaupten, dass es richtig sei und ist ständig darauf bedacht, keine Fehler zu machen. Wenn man doch welche macht, fühlt man sich schlecht und strengt sich beim nächsten Mal noch mehr an, damit einen endlich doch noch alle ganz toll finden.

Ja, in der Tat, du kannst zeichnen, ohne je ein wahrer Zeichner, eine wahre Zeichnerin zu werden, nämlich indem du nur so tust, als ob du zeichnest.

Das machen viele.
Sie zeichnen z.B. nach Fotos irgendwelche Gesichter ab, weil sie wissen, dass viele Leute solche abgezeichneten Fotos total beeindruckend finden. Sie zeichnen irgendwelche Blumen, weil Blumen doch jeder irgendwie ganz schön findet und sie zeichnen Landschaften, so wie man sie von Postkarten kennt, denn sie wollen ja, dass möglichst viele Leute auf ihren Zeichnungen etwas sehen, was diese früher schon mal gesehen haben, es also wiedererkennen, und deshalb daraus schließen, dann müsse es wohl auch irgendwie gut sein.
Selbstverständlich kann man auch zeichnend sein Leben unverändert fortsetzen.

Aber eigentlich weißt du es doch besser. Ist dir das Zeichnen nicht viel zu schade, bedeutet es dir nicht viel zu viel, als dass du es, genauso, wie vieles andere, dazu benutzen willst, dir damit auch noch das Leben schwer zu machen?

Es ist tut mir so weh, immer wieder mitzuerleben, wie Zeichner sich von (gut gemeinten!?) Aussagen ihrer Mitmenschen verunsichern lassen.
„Das sieht ja aus wie ein Foto. Du bist ein wahrer Künstler“, lese ich in einem Kommentar auf Facebook zu einer Portraitzeichnung einer berühmten Persönlichkeit. Oder ein Zeichner kommentiert sein eigenes Bild und schreibt dazu: „Ich habe 36 Stunden daran gearbeitet. Ich hoffe, es gefällt.“

Eine meiner Strichzeichnungen wurde von einer jungen Zeichnerin scharf kritisiert. Ihr fehle da der erkennbare Aufwand, schrieb sie. Diese wenigen Striche habe man ja in zwei Minuten erledigt. (Wenn du wüsstest, dass ich dafür nur 30 Sekunden gebraucht habe, dachte ich mir.) Sie habe es ausprobiert, das sei ganz einfach. Wenn sie zeichne, erklärte sie weiter, würde sie schon für ein ganz kleines Format mindestens zwei Stunden benötigen.

Es könnte mir ja völlig gleichgültig sein, was Leute auf Facebook posten. Mir ist aber ganz und gar nicht gleichgültig, dass viele Zeichner und Zeichnerinnen diesen Murks für die Wahrheit halten, und glauben, sie müssten, um anerkennenswerte Zeichnungen zu schaffen, so beschränkt nach- und ab-zeichnen, wie es in vielen Zeichenbüchern oder eben in vielen Kunst-Communities verbreitet wird.

Zeichnen müsse man erst in einer Abfolge von Lektionen lernen, damit man es dann irgendwann einmal so richtig kann.
Lektion 1: Vorzugsweise einen Apfel mit den richtigen Schraffuren und Tonwerten schön plastisch darstellen.
Lektion 2: Einen Tonkrug, ein kariertes Tuch und (schon wieder) einen Apfel hübsch anordnen, weil so zeichnet „man“ ein Stillleben usw.

Wer solche Lektionen durchhält und alle brav abarbeitet, kann dann so zeichnen, „wie es im Buche steht“. Vor lauter Anstrengung, darauf zu achten, nicht vom vermeintlich richtigen Weg abzuweichen, merkt der arme Zeichner nicht, wie er wirklich zeichnen könnte, wenn er es sich erlauben würde, so zu zeichnen, wie NUR ER ES KANN.
Aber das, so fürchtet er, will keiner sehen.
Also wieder zurück zum Anfang, schön brav Äpfel schraffieren, immer mit der ängstlichen Hoffnung, die Zeichnung werde wenigstens für die offensichtlich aufgewendete Mühe Beachtung finden.

Wie es anders geht, so richtig mit Lebensveränderung, mit allem Drum und Dran und ganz viel Spaß?

1. Zeige niemals – hörst du: niemals!!!! – eine Zeichnung jemandem, im Internat oder privat, wenn du dir davon eine freundliche Reaktion erwartest. Solche ungeschickten Sprüche, wie „Oh, wie fein, mach´nur weiter so“ oder „das ist aber schon sehr gut geworden“ hast du nicht nötig. Abgesehen davon, dass du dich irgendwie in die erste Klasse zurückversetzt fühlst (spürst du das Tätscheln am Kopf), dauert es ewig bis du diesen faden Geschmack, die solche Reaktionen hinterlassen, wieder los wirst.

2. Wenn du Nr. 1 konsequent durchhältst, ergibt sich daraus automatisch, dass du deine eigenen Zeichnungen und auch dich selbst, mit mehr Respekt behandelst. Ist es nicht ein gutes Gefühl, wenn man sich nicht mehr anbiedern und so billig verkaufen muss?

3. Zeichne WAS und WIE du willst und WANN du willst, WOMIT du willst und WORAUF du willst. Das hört sich selbstverständlich an, schließlich bist du ein autonomer Mensch. Und womöglich machst du es ja auch tatsächlich schon längst oder, womöglich, denkst du nur, dass du es machst. Gehe mal ein bisschen in dich. Das, was du bisher gezeichnet hast, hat das wirklich nur und ausschließlich mit dir zu tun, mit deinen Vorstellungen und deiner Sicht der Dinge oder schielst du nicht doch ein bisschen zu viel darauf, das zu machen, was dir gerade angesagt erscheint?

4. Wenn du darauf achtest, dass dein Zeichnen etwas ist, das niemanden etwas angeht, niemand zu kommentieren hat, und du keine wertvolle Zeit und Energie damit verschwendest, jemand anderer werden zu wollen, nur um zu gefallen, wirst du auch keine Zeit und Lust mehr haben, „DAS“ Zeichnen zu erlernen, weil du viel zu beschäftigt sein wirst, DEIN Zeichnen zu entdecken.
Und das, verspreche ich dir, ist so ein Abenteuer, dass in deinem bisherigen Leben keinen Stein mehr auf dem anderen bleibt.

Jetzt bist du nicht mehr abhängig von lauwarmen Lob, das man dir großzügig hinwirft. Jetzt ist es an dir, großzügig zu sein.
Indem du anderen Menschen selbstbewusst deine Arbeiten zugänglich machst, entbindest du sie nicht nur von der Pflicht wiederum deine Erwartungshaltung zu erfüllen und dir freundliche, aber leere Komplimente zu machen, sondern du schenkst ihnen etwas Wertvolles:
Deine Sicht auf die Dinge, deine Lebenserfahrung, deine unverstellten Ansichten und Erkenntnisse.

Das macht uns die Kunst so wertvoll: Mit den Augen und dem Herzen eines anderen Menschen sehen zu können, an dessen Leben teilhaben zu dürfen. Das ist eine wundervolle Bereicherung für jeden.
Klar, nicht jeder mag dieses Geschenk haben, entweder weil jemand prinzipiell solche Geschenke nicht zu schätzen weiß, oder weil jemand speziell dein Geschenk ablehnt. Das ist aber nicht dein Problem und hat nichts mit dir und dem Wert deiner Kunst zu tun.

Denjenigen aber, die diese besonderen Geschenke, die Menschen einander machen können, gerne annehmen, ist man es schuldig, in seiner künstlerischen Ausdrucksweise kompromisslos zu sein und ihnen ALLES von sich zu geben, ohne sich zu verstellen oder irgendetwas zurückzuhalten.

Im Gegensatz zu einem Menschen, der nicht mehr, als nur das Zeichnen gelernt hat und nur gelernt hat, seine eigenen Zeichnungen zu sehen, wirst du gelernt haben, ein Mensch zu sein, der zeichnet und der zeichnend die Welt sieht.

______________________________________________________

Das kostenlose online-Magazin

„Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“

erscheint monatlich

mit Ideen und Inspirationen zum mühelosen Zeichnen.

Um „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ monatlich per e-mail zu erhalten, trage dich bitte in das unten stehende Formular ein. (Selbstverständlich werden alle Namen und Adressen vertraulich behandelt und niemals weitergegeben.)

Das online-Magazin kann jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ gekündigt werden.

X – Ja, ich möchte gerne kostenlos das online-Magazin

“Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ abonnieren.

Bitte vor dem “Abschicken” noch mal schnell überprüfen, ob die email-Adresse richtig geschrieben wurde.

Herzlichen Dank! 🙂

Merken

Merken

Merken

Meine ersten Narzissen in diesem Jahr

 

______________________________________________________

Das kostenlose online-Magazin

„Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“

erscheint monatlich

mit Ideen und Inspirationen zum mühelosen Zeichnen.

Um „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ monatlich per e-mail zu erhalten, trage dich bitte in das unten stehende Formular ein. (Selbstverständlich werden alle Namen und Adressen vertraulich behandelt und niemals weitergegeben.)

Das online-Magazin kann jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ gekündigt werden.

X – Ja, ich möchte gerne kostenlos das online-Magazin

“Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ abonnieren.

Bitte vor dem “Abschicken” noch mal schnell überprüfen, ob die email-Adresse richtig geschrieben wurde.

Herzlichen Dank! 🙂

Merken

Letzter Workshop in Köln am Samstag, 20. Mai 2017 (ist inzwischen ausgebucht)

– ausgebucht –

Das Römisch-Germanische Museum schließt Ende 2017 für mehrere Jahre. Deshalb muss ich leider den „Standort“ Köln erst mal aus meinem Programm nehmen. Allerdings wird es noch einen letzten Workshop dort geben und zwar am Samstag, den 20. Mai 2017. Für weitere Informationen bitte diesem Link folgen. http://conta.cc/2kEY17i

Köln Museum

Merken

Merken

Workshop in Frankfurt „Mit Freude und Leichtigkeit zeichnen“ am Samstag, 24. März 2017 ausgebucht

Senckenbergmuseum Frankfurt„Mit Freude und Leichtigkeit zeichnen“

Workshop in Frankfurt im Museum Senckenberg am Samstag, 25. März 2017

von 10.30 Uhr bis 15.30/16.00 Uhr

– nur noch 2 Plätze frei –

ausgebucht

Um zu den Anmeldeinformationen zu gelangen, bitte diesem Link HIER folgen.

„Der Tag hat einen riesigen Spaß gemacht. Die Atmosphäre, die Struktur des Ablaufs und auch die Gruppe fand ich perfekt.“   Manuela

_________________________________________________________________

Es geht einem oft so, oder?

Obwohl man das Zeichnen eigentlich mag und man sich wünscht, man würde öfter zeichnen, wird es dann doch irgendwie als lästig und mühsam empfunden.
Man will zwar zeichnen, aber am liebsten hätte man die Zeichnung sofort und auf der Stelle fertig, ohne sie tatsächlich erst zeichnen zu müssen.
Man merkt oft einfach nicht, wie sehr man ausschließlich darauf fixiert ist, eine „gute“ und vorzeigbare Zeichnung zu produzieren und man das eigentliche Zeichnen am liebsten überspringen würde.
Wenn man immer nur ein fertiges Endprodukt im Kopf hat und dadurch auf einmal so viel von dessen Gelingen abhängt (Kann ich umsetzen, was ich mir vorgenommen habe. Finden andere gut, was ich mache. Bin ich gut. usw.), macht die ganze Sache plötzlich keinen wirklichen Spaß mehr.
Man muss es sich aber nicht so schwer machen.
Zeichnen kann etwas Leichtes sein, wenn man bereit ist, seinen Fokus zu verschieben, und zwar weg vom ‚Endprodukt Zeichnung‘ hin zum ‚Erlebnis Zeichnen.‘
 
Wenn man bereit ist, jeden Moment des Zeichnens bewusst zu erleben und zuzulassen, mit dem Stift unmittelbar auf den Moment zu antworten, anstatt einer festgelegten Vorstellung hinterher zu jagen, gelingen, wie nebenbei, ausdrucksstarke und beeindruckende Zeichnungen.
 
Wenn du erleben möchtest, wie gut es tut, endlich mühelos zu zeichnen, und zwar ohne Umwege über das konventionelle
„ich kann das nicht – Zähne knirschen – muss mehr üben“-Gedöns, würde ich mich sehr freuen, dich
am Samstag, 25. März 201 im Museum Senckenberg begrüßen zu können.
 

Dieser Workshop wird dich dazu inspirieren mit deinem eigenen Zeichnen und mit deiner eigenen Art des zeichnerischen Ausdrucks intensiven Kontakt aufzunehmen.

Wenn du nicht so oft zeichnest, wie du es dir wünschst oder wenn du lange nicht mehr gezeichnet hast, findest du hier die Motivation dich wieder mit Freude regelmäßig dem Zeichnen zuzuwenden.
 
Wer nämlich glaubt, man müsse es zuerst irgendwelchen Konventionen entsprechend „richtig“ machen, verliert schnell die Freude am Zeichnen und greift schließlich gar nicht mehr zum Stift.
 
Wenn du dir deines eigenen unvergleichlichen Ausdrucks „selbst bewusst“ wirst, fällt es dir leicht, den inneren Kritiker zu überhören und wieder „selbstbewusst“ und mit Begeisterung zu zeichnen.
Dann lässt du deine Zeichnungen mühelos entstehen, ohne deren Entstehungsprozess ständig kritisch zu kontrollieren.
 
Ich zeige dir, wie du unmittelbar sehen kannst, ohne dir von deinem Verstand sagen zu lassen, was er glaubt, was du sehen solltest. So werden dir ausdrucksstarke Zeichnungen gelingen, die keinen Vergleich scheuen müssen, weil sie einzigartig und unvergleichlich sind.

Um zu den Informationen für die Anmeldung zu gelangen, bitte diesem Link HIER folgen.

______________________________________________________________________

 

Das sagen Teilnehmer früherer Workshops:

„Der Tag hat einen riesigen Spaß gemacht. Die Atmosphäre, die Struktur des Ablaufs und auch die Gruppe fand ich perfekt.“ Manuela

„War alles sehr spannend und lehrreich.“  Bettina

„Ich fand den Kurs für mich persönlich bereichernd. Ich schätze deine ruhige, wertschätzende Leitung, die immer wieder wichtige Impulse beim Zeichnen gibt.Waltraud

„Es ist ein völlig anderer Zugang, als in den Workshops in der Volkshochschule. Ich bin und war begeistert.“  Susanne

„Ich hatte meinen ersten Workshop mit Martina in Frankfurt… damals nach einer sehr langen Zeichenpause… Mittlerweile gönne ich mir mein eigenes kleines Atelier und es geht wirklich nicht einen einzigen Tag ohne irgend etwa gezeichnet zu haben…
Dank Martina fand ich wieder zu mir und meinen Zeichnungen zurück!“ Petra
 
„Ich war einfach sprachlos. Ich bin mit wenigen Erwartungen gekommen und wollte einfach mal ausprobieren, ob ich nicht einige neue Impulse sammeln kann.
Das Ergebnis war überwältigend! Du hast mir im großen Haus der Kunst eine Tür zu einem weiten Raum gezeigt und geöffnet.“  Klaus
 

„Ein Workshop bei Martina ist eine Reise zum eigenen, ganz persönlichen zeichnerischen und authentischen Ausdruck und ein echter Befreiungsschlag für angstfreies Zeichnen!“ Alex 

 __________________________________________________________________

Wie läuft so ein Workshop eigentlich ab?

Bevor ich diese Frage beantworte, will ich zunächst einmal erklären, wie meine Workshops NICHT ablaufen.

– Es werden KEINE konventionellen Zeichentechniken vermittelt, wie man sie als Lektionen in manchen Lehrbüchern findet, wie z.B. Schraffieren, Graustufenfelder anlegen oder ein Ei unter einer gedachten Lichtquelle von links oben zeichnen.

– Ich gehe NICHT während des Zeichnens herum, um den Zeichnern über die Schulter zu schauen und sie auf sogenannte Fehler aufmerksam zu machen.

– Es geht NICHT um ‚falsch oder richtig‘ oder um ‚besser oder schlechter‘ zeichnen als….

Wenn du jetzt noch Lust hast weiterzulesen, ist ein Workshop, so wie ich ihn anbiete, sehr wahrscheinlich etwas für dich.

Beim ersten Zusammentreffen der Gruppe nennen wir nur unsere Vornamen und es gibt keine dieser üblichen Vorstellungsrunden.
Das ‚Woher‘ und ‚Wohin‘ und ‚Was mache ich sonst noch‘ bleiben draußen vor der Tür.

Ich stelle mir die Runde der Zeichner immer gerne als eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe Reisender vor, die für eine gewisse Zeit gemeinsam auf Entdeckungstour gehen.

Im Laufe des Tages bitte ich die Teilnehmer, sich auf verschiedene Zeichenexperimente einzulassen.
Ich erkläre das jeweilige Experiment und los geht´s mit dem Zeichnen – jeder für sich.

Nach einer vorgegebenen Zeit kommen wir wieder zusammen, und wer mag (!), erzählt von seinen Erfahrungen, die er während des jeweiligen Reiseabschnittes sammeln konnte.
Es kommt dann immer zu einem regen Austausch, weil natürlich jeder durch die Erfahrungen der anderen auch Erkenntnisse für sich selbst gewinnen kann.

Auf diese Weise bewegen wir uns zeichnend und miteinander sprechend durch die Säle des Museums.

Die Zeichen-Experimente  sind dazu gedacht, die Zeichner herauszufordern, den Prozess des Zeichnens zu hinterfragen und neu zu erleben.

Das unmittelbare Sehen und Erleben stehen im Mittelpunkt so eines Zeichenworkshops, denn nur, was den Zeichner innerlich beeindruckt, kann er auf seine einzigartige und unvergleichliche Weise auf dem Papier adäquat zum Ausdruck bringen.

Welche Experimente das sind, verrate ich natürlich nicht. Dann wäre ja die Überraschung weg.
Aber am Ende des Tages wird sich für jeden Zeichner etwas verändert haben und für jeden wird es etwas anderes sein.

Um zu den Informationen für die Anmeldung zu gelangen, bitte diesem Link HIER folgen.

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

15 Erste-Hilfe-Tipps für blockierte Zeichner (plus ein Zusatztipp)

Nicht nur Schriftsteller leiden ab und zu unter dem berühmt berüchtigten „Writer´s Block“, auch Zeichner rennen immer wieder mal gegen innere Blockaden. Nicht jede kleine Lustlosigkeit muss sich gleich zur großen Schaffenskrise auswachsen, aber grundsätzlich ist es wichtig, darauf zu achten, dass man seiner Arbeit nicht allzu lange fernbleibt.
Lähmende Selbstzweifel können sich nämlich am stärksten aufplustern, wenn man seine Arbeit tatenlos mit hängenden Schultern von außen betrachtet, anstatt damit beschäftigt zu sein, sie tatsächlich zu machen.
„Machen“ ist das Wichtigste, egal was, egal wie.

1. Vor lauter Erschöpfung abends doch wieder vor dem Fernseher gelandet und ans Zeichnen war den ganzen Tag sowieso nicht zu denken?
Du kannst den (Zeichen-)Tag noch retten. Während du den Nachrichten lauschst, zeichnest du ganz nebenbei, das fast unbewegliche Gesicht des Nachrichtensprechers.

2. Du weißt nicht, was zur Hölle, du zeichnen sollst?
Entwirf ein Ornament oder zeichne ein Mandala. Mit nur wenigen, sich wiederholenden Kringeln und Kreisen entstehen, wie von selbst, himmlisch schöne Gebilde.

3. Das Papier des Zeichenblocks erscheint dir stumm und leer, es spricht dich so gar nicht an?
Grundiere es mit schnellen farbigen Pinselstrichen oder lasse Tee oder Kaffee darauf tropfen. Schon habt ihr beiden, du und das Papier, eine interessante Gesprächsgrundlage.

4. Du fühlst dich zu ungeduldig und zu unruhig, um dich aufs Zeichnen zu konzentrieren?
Lies ein Gedicht.
Und dann noch mal.
Merke, wie deine Gedanken zur Ruhe kommen, wie sich deine Augen auf ihre unmittelbare Umgebung einstellen. Jetzt kannst du wieder mehr wahrnehmen, als ausschließlich diese Polka tanzenden Gedanken in deinem Kopf.
Schau dich um.
Atme tief….
Und wieder aus.
Zeichne, was dir jetzt am nächsten ist.

5. Du machst dir seit Wochen Vorwürfe, weil du schon so lange nicht mehr gezeichnet hast und eigentlich wolltest du doch….?
Hier ein kleiner Trick: Du verbietest dir, vor nächsten Dienstag, 15.30 Uhr, einen Zeichenstift in die Hand zu nehmen. Unter keinen Umständen darf vor diesem Termin gezeichnet werden. (Es juckt dich wahrscheinlich jetzt schon in den Fingern.)

6. Wer sagt, dass man immer auf Papier und mit Bleistift zeichnen muss?
Man kann zeichnen mit dem dicken Eddingstift auf die Steine, die man am Seeufer gesammelt hat, mit Straßenkreide auf die asphaltierte Einfahrt des Nachbarn oder man kann sich mit dem Kugelschreiber ein Tattoo auf den Unterarm zeichnen.

7. Du fühlst dich viel zu müde, um zu zeichnen?
Prima. Das ist die beste Voraussetzung mit der schönsten LMA-Stimmung, trotzdem zu zeichnen. Es ist dir viel zu anstrengend, darauf zu achten, ob die Zeichnung gelingt oder nicht. Bäh. Egal. Kommt doch nicht drauf an.
Aber gezeichnet hast du.

8. Zeichnen fühlt sich anstrengend an?
Dann lass mal dein inneres Kind ran. Das weiß nämlich, wie man Spaß damit hat und besorge ihm auch gleich diese dicken Wachsmalstifte. Auf ganz glattem Papier kann man in die Wachsschicht mit dem Plastikschaber Linien hinein ritzen und man kann sich darüber freuen, wie die Farben leuchten und dann kann man weiter damit experimentieren und alles Mögliche ausprobieren und, und, und….und bald wird es wieder hell im Kopf und du erinnerst dich, dass die Freude dein Antrieb sein sollte und nicht die Pflicht.

grashuepfer-29. Du kannst dich einfach nicht überwinden, anzufangen?
Stell dir den Küchenwecker auf fünf Minuten und zeichne genau fünf Minuten. Nicht länger. Wenn die Uhr klingelt, legst du sofort den Stift aus der Hand. Jetzt hast du das gute Gefühl, wenigstens etwas gezeichnet zu haben. Das ist viel, viel besser, als mit diesem dumpfen Gefühl zu leben, wieder nicht das gemacht zu haben, was du dir vorgenommen hast. (Oder: nach fünf Minuten willst du den Stift gar nicht mehr aus der Hand legen. Klappt nicht immer, ist aber gut möglich.)

10. Du musst noch den Einkaufszettel fürs Wochenende schreiben?
Warum statt es aufzuschreiben, nicht einfach alles aufzeichnen: Frühlingszwiebeln, Zitronen, Tiefkühlpizza….

11. Du findest Zeichnen langweilig?
Nimm dir drei Buntstifte, am besten in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau, und klebe sie oben und unten mit Klebeband zu einem einzelnen Zeichenstift zusammen. Jetzt kommt Schwung in den Laden. Deine Zeichnungen fangen an, im harmonischen Dreiklang zu vibrieren.

12. Du machst dich mit den besten Vorsätzen mit dem Skizzenbuch in der Tasche auf den Weg, aber plötzlich ist dir alles zu viel? Zu viele Menschen, zu viele Bäume, zu viele Häuser?
Zeichne nicht die ganze Allee mit allen 238 Bäumen, zeichne auch nicht einen ganzen Baum – zeichne ein einziges einzelnes Blatt.
Zeichne nicht die ganze Caféhaus-Atmosphäre mit allen Tischen, Lampen und Plüschsesseln – zeichne eine einzige, einzelne Kaffeetasse.
Zeichne nicht die ganze Opernhausfassade, auch nicht die Quadriga über dem Portal – zeichne nur ein einziges, einzelnes Ornament, das dort links oben, über dem Fenster im ersten Stock.

13. Du kannst einfach nicht mehr sehen, was du da zeichnest?
Dann schau halt nicht hin – beim Zeichnen.
Deine ständige Kontrolle und deine Mäkeleien nerven mehr, als dass sie nützlich sind. Den Blick fest aufs Motiv gerichtet, ohne aufs Papier zu schauen, synchronisierst du deine Augenbewegungen mit denen deiner Hand und du hast nichts mehr zu sagen. So zeichnest du dich frei von deinen Erwartungen und du wirst verblüfft sein, was du da zu sehen bekommst – nach dem Zeichnen.

14. Der Stift liegt dir schwer in der Hand?
Dann zeichne mit der anderen. Die andere Hand – man sagt ihr oft nach, sie sei die Ungeschicktere von beiden. Ist sie in Wirklichkeit nicht einfach nur die Fantasievollere, die, die sich mehr traut, der es egal ist, was die Leute sagen? Sie kann deiner ersten Hand zeigen, wie man mit Spaß bei der Sache ist und dass das Zeichnen nicht schwerwiegend sein muss.

15. Alles um dich herum ist dir gleichgültig? Du siehst nichts Bedeutsames, was du zeichnen könntest?
Dann gib dem Baum vor deinem Fenster einen Namen und achte darauf, was geschieht.
So wie ein Kind dem Stofftier einen Namen gibt, um es zu seinem einzigartigen Spielgefährten zu machen, kann man auch sein Zeichenmotiv mit einem Namen personalisieren. Wenn du dein Motiv persönlich ansprichst – „Hallo Ben, ich sehe dich“ – wird dir dieser Baum plötzlich so viele Besonderheiten und Details offenbaren, die er vor dir verborgen hielt, als ihr euch noch nicht persönlich kanntet.

Zusatz-Tipp:
Entrümple deine Sammlung von Zeichenlehrbüchern.
Jedes Buch, bei dessen Anblick du nicht sofort Lust bekommst zu zeichnen, fliegt raus. Jedes!
Nichts da von wegen, ja, aber da steht vielleicht noch etwas Wichtiges drin, damit wollte ich mich mal beschäftigen, weil, ich glaub, das muss man wissen und wenn ich mal Zeit habe, dann lerne ich das Zeichnen endlich mal von Grund auf….mäh, mäh, mäh.
Jedes Buch, das dich eher runterzieht anstatt dich zu begeistern, belastet nicht nur dein Bücherregal, sondern auch deine Seele. Schließlich muss man sich nicht auch noch von seinen eigenen Büchern Vorwürfe machen lassen. Behalte nur die Zeichenbücher, die dich inspirieren und ermuntern, und die dir auch tatsächlich helfen, wenn du ihre Hilfe brauchst.

grashuepfer-kleinThe Summer Day
(The Grasshopper) by Mary Oliver

Who made the world?
Who made the swan, and the black bear?
Who made the grasshopper?
This grasshopper, I mean
the one who has flung herself out of the grass, the one who is eating sugar out of my hand,
who is moving her jaws back and forth instead of up and down
who is gazing around with her enormous and complicated eyes.
Now she lifts her pale forearms and thoroughly washes her face.
Now she snaps her wings open, and floats away.
I don’t know exactly what a prayer is.
I do know how to pay attention, how to fall down
into the grass, how to kneel down in the grass,
how to be idle and blessed, how to stroll through the fields,
which is what I have been doing all day.
Tell me, what else should I have done?
Doesn’t everything die at last, and too soon?
Tell me, what is it you plan to do
with your one wild and precious life?

_______________________________________________________

Das kostenlose online-Magazin

„Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“

erscheint monatlich

mit Ideen und Inspirationen zum mühelosen Zeichnen.

Um „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ monatlich per E-mail zu erhalten, trage dich bitte in das unten stehenden Formular ein.

(Selbstverständlich werden alle Namen und Adressen vertraulich behandelt und niemals weitergegeben.)

Das online-Magazin kann jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ gekündigt werden.

X – Ja, ich möchte gerne kostenlos das online-Magazin „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ abonnieren.

Bitte vor dem „Abschicken“ noch mal schnell überprüfen, ob die email-Adresse richtig geschrieben wurde.

Herzliche Grüße und bis bald :-),

Merken

Merken

Merken

„Man sollte ermutigt werden…die Dinge zu lieben.“

sir-kyffin-williams-artist-mittel

Sir Kyffin Williams

Der Maler Sir Kyffin Williams über den Maler Robert Dawson:

„Er ist einer von denen, die es, fürchte ich, heutzutage nur noch sehr selten gibt – Maler, die die Welt um sich herum lieben. Studenten wird in den Kunstschulen nicht beigebracht, irgendetwas zu lieben, ihnen wird nicht das Zeichnen beigebracht. Aber der einzige Weg, um deine Liebe zu etwas zu zeigen, ist, es festzuhalten.

Wenn du nicht zeichnen kannst, muss das sehr frustrierend sein….

Man sollte ermutigt werden, um sich zu schauen und die Dinge zu lieben. Heutzutage muss alles aus dem Inneren kommen, neue Ideen und so etwas.

Bob (Robert Dawson) war völlig zufrieden damit, die Welt um sich herum zu malen. Er liebte die Welt. Das war eine Form der Religion, denke ich.“ (Übersetzt von M.W.)

aus: Robert Dawson, Just Being An Artist, youtube, Goldmark Gallery channel, veröffentlicht 25.08.2014

Original Mitschrift: „He is one of these people who today I´m afraid, are rare these days – these painters who love the world around them. The students in art school are not taught to love anything, not thaught to draw. And the only way to show your love of something is to put it down. If you can´t draw it must be very frustrating….You should be encouraged to look around and love things. Today all has to come from inside the head. New Ideas and things like that. Bob (Robert Dawson) was perfectly content just to paint the world around him. He loved the world. It was a form of religion I think.“

 _______________________________________________________

Das kostenlose online-Magazin

„Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“

erscheint monatlich

mit Ideen und Inspirationen zum mühelosen Zeichnen.

Um „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ monatlich per E-mail zu erhalten, trage dich bitte in das unten stehenden Formular ein.

(Selbstverständlich werden alle Namen und Adressen vertraulich behandelt und niemals weitergegeben.)

Das online-Magazin kann jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ gekündigt werden.

X – Ja, ich möchte gerne kostenlos das online-Magazin „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ abonnieren.

Bitte vor dem „Abschicken“ noch mal schnell überprüfen, ob die email-Adresse richtig geschrieben wurde.

Herzliche Grüße und bis bald :-),

Merken

Merken

Wie haben Sie Ihren eigenen Stil gefunden?- Interview mit Martina Wald, Jazz Colours, Mensile di musica jazz, Aprile 2015

trumpet57Wann hatten Sie sich dazu entschieden, Künstlerin zu werden?

Ich glaube nicht, dass es jemals eine bewusste Entscheidung war. Allerdings kann ich mich an einen ganz bestimmten Moment erinnern, als ich meine Zeichnungen betrachtete – ich war dabei, eine Ausstellung in einem Jazzclub vorzubereiten – dass mir meine Jazz-Zeichnungen sehr gut gefielen. Für diesen kurzen Augenblick war es mir möglich, neben mir zu stehen und sie wie eine Fremde zu sehen, und diese Fremde dachte, wow, die sind wirklich gut.
Mir gelang es, wertzuschätzen was ich tue und seitdem denke ich von mir selbst als eine Künstlerin. Es ist nicht mehr länger eine Bezeichnung, die ich mir von außen anhefte.
Wissen Sie, andere Leute können einem immer wieder erzählen, dass sie deine Arbeiten mögen. Man wird es ihnen niemals glauben oder sie sogar ignorieren, solange man nicht selbst wertzuschätzen weiß, was man tut.

Wie haben Sie sich Ihre künstlerischen Fähigkeiten angeeignet, in einer Schule oder eigenständig?

Wie viele, wenn nicht gar wie alle, wurde ich als Künstlerin geboren, aber ich wurde nicht gefördert und man hat es mir sogar ausgeredet. Das geht vielen so.
Allerdings hat mich die Kunst nie ganz losgelassen und so habe ich Kunstgeschichte studiert, um mit der Kunst wenigstens auf intellektueller Ebene verbunden zu sein. Und wissen Sie was? Ich wurde sehr unglücklich. Eines Tages habe ich mich endlich für eine Zeichenklasse in einer privaten Kunstakademie angemeldet. Von diesem Tag an, begann ich innerlich gesund zu werden. Endlich erlaubte ich mir, das zu tun, wofür ich geschaffen wurde.

Fühlten Sie sich von einem speziellen Künstler inspiriert oder von einer bestimmten Kunstepoche?

Schon immer fühlte ich mich zu der Einfachheit und Ausdruckskraft der Zen-Kunst hingezogen. Ich bewundere, wie viel ein einzelner Strich eines Tuschepinsels aussagen kann. Ich stelle fest, dass ich im Laufe der Zeit bei meinen Zeichnungen immer weniger Linien setze. Ich strebe das nicht bewusst an. Es geschieht einfach.

Warum haben Sie sich für das Zeichnen entschieden und nicht, zum Beispiel, für das Malen oder Bildhauern?

Als ich die Kunstschule besuchte, habe ich eine Weile gebraucht, um zu begreifen, dass ich keine Malerin werden wollte wie alle anderen. Ich musste lernen, dass Farben nicht mein Arbeitsmaterial sind.

Im Allgemeinen wird das Zeichnen der eigentlichen Kunst als untergeordnet angesehen. Ausschließlich zu zeichnen ist eher ungewöhnlich. Ich werde oft gefragt, was ich denn mit meinen Zeichnungen mache. Die Leute glauben, ich müsste noch etwas mit ihnen anfangen, wie richtige Bilder danach malen. Nicht viele können die Ausdruckskraft einer einzelnen Linie wertschätzen, weil wir in unserer Kultur zugeschüttet werden mit farbigen Bildern. Verstehen Sie mich richtig, ich liebe Farben, aber sie sind einfach nicht das Material meines künstlerischen Ausdrucks.
Wie haben Sie Ihren eigenen Stil entwickelt?

Um seinen künstlerischen Stil zu entwickeln, muss man einfach nur tun, was man eben tun muss. Man muss ein starkes Gefühl dafür entwickeln, was man als Künstler wirklich benötigt, damit es einem gut geht. Man muss es tun, ohne sich von den Meinungen anderer Leute ablenken zu lassen. Zum Beispiel musste ich immer wieder darauf beharren, keine Farben zu benutzen, obwohl das die meisten Mitstudenten nicht verstehen konnten. Ich hatte darauf zu bestehen, nicht auf großen Leinwänden zu arbeiten, was ungewöhnlich war, und stattdessen an meinem kleinen Zeichenblock festzuhalten.

Wenn man bereit ist, anderer Leute Erwartungen zu enttäuschen, entwickelt man sehr schnell einen eigenen Stil.

Warum ist bei manchen Zeichnungen eher das Porträt des Musikers ausgearbeitet, bei anderen wiederum eher das Instrument?

Mein Zeichnen begann mit dem Portraitzeichnen und ich liebe es immer noch. Manchmal, während ich einen Musiker zeichne, lasse ich mich von seinem Gesichtsausdruck fesseln und der individuelle Mensch kommt zum Vorschein. Aber grundsätzlich geht es mir bei meinen Zeichnungen um die Musik und nicht um den individuellen Musiker.
Wie haben Sie den Jazz entdeckt und was war daran für Sie anziehend?

Rückblickend ist mein Mann an allem schuld. Er hat mir den Jazz geschenkt. Ich wuchs ohne Musik auf und hatte auch überhaupt kein Gefühl für Musik. Als ich meinen Mann kennenlernte und ich mit ihm Jazzkonzerte besuchte, habe ich zuerst gar nichts verstanden. Dann aber langsam, sehr langsam, begann ich etwas zu hören. Ich lernte zuzuhören und das, was ich hörte zu mögen. Als wir das erste Mal in New York waren, 1989, ist dann der Funke endgültig übergesprungen. Ich weiß gar nicht, was genau passierte, aber seitdem bin ich dem Jazz verfallen. Wenn ich Jazz höre, ist es für mich, als würden die Möbel in meinem Kopf immer wieder umgestellt. Ich kann dann völlig neue Gedanken denken und ich fühle mich erfrischt und energiegeladen.

Wie haben Sie sich entschieden mit dieser Musik zu arbeiten?

Ich muss zugeben, ich langweile mich sehr schnell. Wenn sich etwas nicht bewegt, verliere ich das Interesse. Stillleben zeichnen in der Akademie war die Hölle. Ich wollte schon immer Menschen zeichnen, echte Menschen, keine Fotos oder so. Ich habe nicht viele Leute gefunden, die gewillt waren, mir als Modell zu dienen, also habe ich begonnen, in öffentlichen Räumen zu zeichnen, wie im Zug, bei Vorträgen oder in Cafés. Ich hatte mich daran gewöhnt, immer einen Zeichenblock bei mir zu haben. Der nächste logische Schritt war, auch während der Jazzkonzerte zu zeichnen. Ich habe festgestellt, dass das Zeichnen meine Wahrnehmung für die Musik noch steigert.
Zeichnen Sie auch, wenn Sie zuhause Musik hören oder zeichnen Sie nur bei Konzerten?

Ich zeichne die Musik nur, wenn ich sie in Konzerten live höre, sehe und erlebe. Neulich hat jemand vorgeschlagen, ich könnte doch nach Youtube-Videos zeichnen. Es gibt so viele Videos von Konzerten, da könnte ich doch zeichnen, wann immer ich wollte. Aber das wird nicht geschehen. Ich brauche einfach die lebendige Atmosphäre eines Live Konzertes.

Was ist es genau, was Sie während dieser Konzerte einfangen und abbilden wollen?

Während der Konzerte improvisiere ich mit meinem Zeichenstift. Ich werfe Linien aufs Papier, um die Essenz der Musik und der Musiker einzufangen. Ab einem bestimmten Punkt zeichne ich wie in Trance. Ich halte meinen Blick fest auf den Musiker gerichtet und gleichzeitig mache ich eine schnelle Zeichnung nach der anderen. Während des Musikmachens wird die Verbindung zwischen dem Musiker und seinem Instrument so eng, dass sie miteinander zu verschmelzen scheinen und dadurch ein völlig neues Wesen entsteht. Das ist dann der Moment, in dem Jazz sichtbar wird und auf diese Weise kommt der Jazz in die Zeichnung hinein.

Ich will keine „Fan-Art“ produzieren, durch die Zeichner ihre Bewunderung für einen bestimmten Künstler zum Ausdruck bringen, indem sie deren Porträts zeichnen. Das ist auch eines der Dinge, gegen die ich mich durchsetzen musste, um meinen eigenen Stil zu entwickeln, weil die Leute von jemandem, der Jazzmusiker zeichnet, erwarten, dass dann Musiker mit bekannten Namen zu erkennen sind. Ich werde oft darum gebeten, einen bestimmten Jazzmusiker zu zeichnen und dann erkläre ich, einmal mehr, dass mich das nicht interessiert. Vielmehr interessiert mich der einzigartige Moment der Musik, der durch beide, den Musiker und das Instrument, lebendig wird.

Sie titeln Ihre Zeichnungen nach den dargestellten Instrumenten und einer laufenden Nummer. Das ist ungewöhnlich. Warum das?

Auch hier wieder wurde ich konfrontiert mit der Erwartungshaltung der Leute. Wenn ich sie schon nicht nach den abgebildeten Musikern benenne – und es wären tatsächlich berühmte Namen darunter – könnte ich ihnen dann nicht wenigstens einen phantasievollen Titel geben, anstatt dieser langweiligen Nummern? Einmal hätte ich fast nachgegeben. Das war kurz vor einer Ausstellungseröffnung und ich begann, die Zeichnungen nach den Titeln der Stücke, die während des Zeichnens gespielt worden waren, zu benennen. Aber dann habe ich gemerkt, dass diese Titel von der Zeichnung selbst ablenken. Sie würden sich wie eine zusätzliche Schicht auf die Zeichnung legen. Ich will sie aber so einfach und zugänglich wie möglich haben. Und was ist einfacher, als sie durchzunummerieren. Außerdem habe ich dadurch ein sehr gutes Ablagesystem und ich kann jede Zeichnung jederzeit auffinden.

Allerdings bekommt der größte Teil der Zeichnungen überhaupt keine Nummer. Wenn dem so wäre, wären die Nummern schon vierstellig. Alle paar Monate schaue ich die Zeichnungen durch und wenn mir eine zurück spielt, was ich während des Zeichnens gehört habe, dann wird sie mit einer Nummer sozusagen geadelt. Dann hat sie auch eine gute Chance, öffentlich gezeigt zu werden.

Welche sind Ihre Lieblingsmusiker?

Die Jazzszene ist so reichhaltig, ich könnte mich niemals für einen Lieblingsmusiker entscheiden. Meine Liste der Lieblingsmusiker wird nach jedem Konzert länger.
Spielen Sie ein Instrument?

Ich spiele kein Instrument. Aber manchmal denke ich, dass meine Art des Zeichnens sehr der Improvisation im Jazz ähnelt. Ich antworte diesem einzigartigen Augenblick in diesem Moment auf dem Papier und um das zu tun, benutze ich ebenfalls ein Instrument, meinen Zeichenstift.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Manchmal, wenn ich einen Schritt zurücktrete, kann ich erkennen, dass meine Zeichnungen immer schlichter werden. Ich mag das, aber ich kann es nicht erzwingen. Ich muss einfach weitermachen, immer eine Zeichnung nach der anderen.

________________________________________________________________

Das kostenlose online-Magazin

„Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“

erscheint monatlich

mit Ideen und Inspirationen zum mühelosen Zeichnen.

Um „Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ monatlich per e-mail zu erhalten, trage dich bitte in das unten stehende Formular ein. (Selbstverständlich werden alle Namen und Adressen vertraulich behandelt und niemals weitergegeben.)

Das online-Magazin kann jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ gekündigt werden.

X – Ja, ich möchte gerne kostenlos das online-Magazin

“Mit Freude und Leichtigkeit jeden Tag zeichnen“ abonnieren.

Bitte vor dem “Abschicken” noch mal schnell überprüfen, ob die email-Adresse richtig geschrieben wurde.

Herzlichen Dank! 🙂

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken