Über MARTINA WALD

Das Gespräch wurde geführt mit Eva Peters von artilda.de

Martina Wald ist Künstlerin und Zeichencoach. In diesem Interview stellt sich Martina meinen Fragen und erzählt von den verschiedener Bereichen ihres vielfältigen Tuns.

Du machst ja unter anderem Jazz Drawings, d.h. Du zeichnest Musiker live während sie spielen. Wie war es für Dich anfangs so öffentlich zu zeichnen? Und ist es mittlerweile anders?

Ich habe von Anfang an viel unterwegs gezeichnet, also unter Menschen z.B. in Cafés oder am Flughafen. Während der Konzerte kommt es schon vor, dass mir Leute aufs Papier schauen. Je nach Stimmung macht mir das mal mehr aus, mal weniger. Aber es hält mich nicht vom Zeichnen ab. Ich lebe damit.

Wenn ich zeichne, mache ich meine Arbeit, da kann ich mich nicht von Blicken anderer abhalten lassen.

Ich hatte mal das Glück, während eines Konzertes, die bekannte Fotografin Barbara Klemm bei ihrer Arbeit beobachten zu können. Sie verhielt sich zurückhaltend, aber es machte ihr nichts aus, für das Publikum sichtbar zu werden, wenn sie sich mit dem Fotoapparat den Musikern auf der Bühne näherte. Ihre Ruhe und Gelassenheit, mit der sie das tat, was nötig war, hat mich sehr beeindruckt. Ich erinnere mich daran, wenn ich mich selbst mal unsicher fühle.

In Martinas Zeichnungen liegt der Jazz

Und wie reagieren die Musiker?

Mein Zeichenblock ist ja eher klein und ich zeichne relativ unauffällig. Manchmal merke ich, dass ich einem Musiker von der Bühne herunter auffalle. Durch verschiedene Begegnungen und Gespräche weiß ich inzwischen, dass mein Zeichnen oft für Schreiben gehalten wird und so mancher denkt wohl, ich mache mir Notizen für eine Konzertkritik.

Können Dich Musiker auch buchen?

Tatsächlich erhalte ich manchmal Anfragen von Musikern, die nach Fotografien porträtiert werden wollen. Andere wiederum möchten, dass ich für sie berühmte Musiker zeichne. Ich erkläre ihnen dann immer, dass ich ausschließlich live vor Ort zeichne und es mir nicht auf die individuelle Persönlichkeit ankommt, sondern darauf, die Musik im Moment ihres Entstehens sichtbar zu machen.

Machst Du selber auch Musik?

Ich spiele kein Instrument und ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Musik kein Thema war. Wenn mir mein Mann nicht die Musik und speziell den Jazz geschenkt hätte, also mir nicht den Zugang dazu ermöglicht hätte, würde ich wahrscheinlich heute noch überall erzählen, ich sei unmusikalisch. Aber offensichtlich stimmt das nicht. Wenn ich während der Konzerte die Musiker mit meinem Stift improvisierend begleite, erlebe ich die Musik unmittelbar und es fühlt sich so an, als sei mein Stift eine Art Musikinstrument. Wenn mir Musiker sagen, sie könnten den Jazz in meinen Bildern hören, ist das für mich eine wundervolle Bestätigung.

Du hat Kunstgeschichte studiert, hast Du in der Zeit bereits gezeichnet?

Eigentlich habe ich Kunstgeschichte studiert, weil ich mich nicht getraut habe, Kunst zu studieren. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man sich nicht traut, jemanden seine Zeichnungen zu zeigen. Ich weiß, wie es schmerzt, wenn man sich für etwas, das man eigentlich liebt, so sehr schämt, dass man es schließlich gar nicht mehr macht. Wie viele andere auch bekam ich keinerlei Unterstützung und ich habe mich völlig alleingelassen gefühlt. In meinen Zeichenworkshops versuche ich nun, den Teilnehmern ein Gefühl der Wertschätzung ihres unverwechselbaren Zeichenausdrucks zu vermitteln.

Hand aufs Herz: Zeichnest Du jeden Tag?

Erwischt! Ich würde es so formulieren: Ich zeichne meistens jeden Tag. Wenn ich es nicht tue, merke ich es relativ schnell, weil dann irgendwas nicht mit mir stimmt. Ich fühle mich dann angespannt und allgemein nicht wohl in meiner Haut. Wenn ich dann wieder zeichne, lösen sich zwar nicht alle meine Probleme sofort in Luft auf, aber ich bin mir wieder bewusst wer ich bin und von dieser gesicherten Position aus kann ich mit Herausforderungen leichter umgehen. Wir glauben ja oft, erst, wenn wir alles andere auf die Reihe bekommen haben, dieses und jenes richtig läuft und wir irgendwann mal ganz viel Zeit haben, DANN können wir uns erlauben zu zeichnen, zu malen oder was auch immer. Dabei wird umgekehrt ein Schuh draus. Wenn wir uns erlauben zuerst und vorrangig uns selbst auf unsere ureigene Weise auszudrücken, dann erst fängt unser Leben an, auch in anderen Bereichen rundzulaufen.

Wie ist es mit anderen Techniken, wie Malen, Drucktechniken etc. Reizt Dich das auch?

Ein Stift und Papier mehr brauche ich nicht. Das zu akzeptieren hat bei mir übrigens ziemlich lange gedauert. Als ich begann Kurse in einer privaten Akademie zu besuchen, glaubte ich, ich wollte bzw. ich müsste Malerin werden. Blöderweise hat mich das Malen nie interessiert, was mich wiederum daran zweifeln ließ, ob ich überhaupt eine “richtige” Künstlerin bin. Auch mein damaliger Lehrer fing an, mich in Richtung Malerei zu drängen und ich rutschte damals in eine richtige Krise. Es hat eine Weile gedauert bis ich begriff, dass nur ich selbst wissen kann, welches Material zu mir gehört und dass ich mich gegen allgemeine Ansichten und Vorstellungen anderer durchsetzen muss.

Welches Material nutzt Du besonders gerne?

Ich bin meistens mit meinem Tintenstift unterwegs. Im Zweifel kann ich da schnell mal mit einem nassen Finger ein paar Schatten hin wischen. Für Porträts benutze ich am liebsten einen sehr weichen Bleistift und/oder einen weichen Grafitblock. Das sind die Materialien, die mit mir am besten zusammenarbeiten können.

Hast Du ein Lieblingsprojekt aus Deinem Schaffen oder ein Bild von Dir, das Dir besonders am Herzen liegt?

Meine Lieblingsbilder sind eigentlich immer die, von denen ich hinter nicht mehr sagen kann, dass ich sie gemacht habe, also Zeichnungen, von denen ich behaupten würde, dass ich gar nicht die Fähigkeit habe so zu zeichnen. Ich glaube nämlich, um Kunst entstehen zu lassen, braucht es nicht nur den Künstler und sein Material, sondern noch einen weiteren Aspekt, den man aber kaum benennen kann. Man kann vielleicht Inspiration dazu sagen. Man zeichnet so, wie man eben zeichnet, akzeptiert genau das, wie man es eben macht und dadurch wird man offen für Einflüsse, die außerhalb der eigenen beschränkten Vorstellungskraft liegen. Weil man alles zulässt und akzeptiert und anerkennt, ohne es zu bewerten, kann plötzlich etwas aufs Blatt kommen, von dem man nicht wusste, dass es möglich sein würde. Das ist etwas schwierig zu beschreiben, weil solche Vorgänge sich außerhalb des sprachlich gebundenen Denkens abspielen und man kann sie nicht wirklich gut mit Wörtern erklären.

Wie kommst Du mit Perfektionismus zurecht, das ist ein Thema für viele Kreative, wie ist es bei Dir?

Kunst perfekt machen zu wollen, macht keinen Sinn. Kunst kann per se nicht perfekt sein, weil es keine perfekten, also vollkommenen Menschen gibt. Wenn wir Kunst machen, wollen wir ja nicht das ultimative, für alle Zeiten maßgebliche und gültige Werk erschaffen, sondern wir erforschen und wir probieren aus, was entstehen kann. Perfekt sein wollen, ist eine gewisse Art von Feigheit. Diesen “Anspruch” zu haben, bedeutet nichts anderes, als dass man sich nicht traut, zu seinem einzigartigen Ausdruck zu stehen. Und das ist nämlich der Knackpunkt an der Sache. Man kann mit seiner Kunst nur dann andere berühren und unmittelbar ansprechen, wenn man aus seiner ganzen einzigartigen und unverwechselbaren Fehlerhaftigkeit heraus etwas entstehen lässt. Das Fehlerhafte ist das, was uns zu Menschen macht und weshalb wir Verständnis und Mitgefühl füreinander aufbringen können. Ich glaube, wir laufen alle immer mal wieder in diese Gedankenfalle, dass wir nur geliebt werden, wenn wir perfekt sind oder etwas Perfektes machen, aber diese Gedanken muss man ganz schnell wieder abschütteln.

Welche Sachen machen Dir bei Deiner Arbeit besonders viel Spaß?

Eine unglaubliche Freude ist es mir, wenn ich die Teilnehmer meiner Workshops davon überzeugen kann, wie gut und unverwechselbar sie zeichnen können. Es kann nämlich jeder zeichnen, der auch nur den leisesten Wunsch hat, zeichnen können zu wollen. Das reicht völlig aus. Bum. Wunsch erfüllt. Ja, es gibt viele Menschen, die nicht zeichnen können, aber Gott sei Dank wollen sie das auch nicht. Sie kommen gar nicht auf die Idee, es zu wollen. Und das macht den Unterschied. Zu allem, zu dem man sich hingezogen fühlt, hat man eine natürliche Fähigkeit. Das hat der liebe Gott sehr gut eingerichtet. Und wenn ich merke, dass es mir gelungen ist, dass ein Zeichner oder eine Zeichnerin den eigenen Ausdruck zulassen kann und diesen Ausdruck wertschätzt, dann höre ich alle Engel Halleluja singen.

Und was macht Dir weniger Spaß, magst Du das auch verraten?

Buchhaltung.

Welchen Tipp hast Du als Zeichencoach für Menschen, die mit ihren Zeichnungen nicht zufrieden sind. Wie könnten sie sich motivieren?

Viele, die mit ihren Zeichnungen unzufrieden sind, haben sich angewöhnt nach Fotos zu zeichnen und sie glauben, nur wenn man in der Lage ist, Fotos fotorealistisch aufs Papier zu übertragen, könnte man zeichnen. Da ist Unzufriedenheit vorprogrammiert und außerdem hat es nichts mit zeichnen können zu tun. Ich empfehle jedem, ausschließlich nach der Natur zu zeichnen. Wer das wirklich macht (wirklich macht!), spürt schnell, dass es da um mehr geht, als um bloßes Abzeichnen. Zwischen dem Motiv und dem Zeichner baut sich eine Beziehung auf. Man kann das gar nicht verhindern. Der Zeichner erlebt das Motiv unmittelbar, und die Zeichnungen, die dabei entstehen, dokumentieren dieses Erlebnis. Nach einer Weile kann auch der selbstkritischste Zeichner nicht mehr leugnen, dass da etwas Besonderes und Einmaliges entsteht.

Und was wünschst Du Dir für die Zukunft, wenn es um Deine Arbeit geht als Künstlerin aber auch als Zeichencoach?

Ich bin dabei, einige meiner Texte übers Zeichnen zu einem Buch zusammenzustellen und ich wünsche mir natürlich, dass es sehr viele Menschen lesen wollen.

Ich wünsche mir, weiterhin Workshops in verschiedenen Städten anbieten zu können, und zwar immer öfter immer mehr. Ich plane zwar auch einen online-Workshop, aber es geht einfach nichts über die persönliche Begegnung zwischen Mensch und Mensch. Und ich wünsche mir mindestens 3 Monate lang durch die USA zu reisen und jeden Abend an einem anderen Ort in einem anderen Jazzclub zu zeichnen. Ich glaube zwar, dass Wünsche manchmal einfach so erfüllt werden, aber ich glaube auch, dass es nichts schadet, an deren Erfüllung aktiv zu arbeiten, deshalb: Ich zeichne weiter und ich schreibe weiter übers Zeichnen und wann immer es geht, bin ich unterwegs, um in meinen Workshops Zeichnerinnen und Zeichner für ihr eigenes Zeichnen zu begeistern.

Vielen Dank für dieses Interview, Martina.

Martina Wald  ist Zeichnerin und Zeichencoach.

Sie hilft  Künstlern und Menschen, die sich selbst in erster Linie nicht als Künstler betrachten, aber das Zeichnen lieben, den Mut aufzubringen auf ihre ganz eigenständige Art und Weise selbstbewusst und mit viel Freude zu zeichnen.

Seit 2009 veranstaltet sie Zeichen-Workshops in Frankfurt am Main, München, Stuttgart und Wien.

In Martina Walds Workshops entdecken die Teilnehmer ihre zeichnerische Handschrift. Sie erleben ihre eigene Art, die Welt zu sehen und zeichnerisch zum Ausdruck zu bringen – unvergleichlich und unverwechselbar. Sie lernen, sich mit dem Zeichenstift in der Hand wohlzufühlen, jederzeit und überall selbstbewusst zu zeichnen.

Die Teilnehmer erfahren durch verschiedene Zeichen-Experimente, wie leicht Zeichnen sein kann, wenn wir den Fokus vom „Endprodukt“ Zeichnung verschieben hin zum „Prozess“. Sie erleben das Zeichnen in seiner Essenz und schaffen wie nebenbei lebendige Zeichnungen.

Die Teilnahme an diesen Workshops ist der Beginn einer wundervollen Freundschaft – mit Zeichenstift und Papier.

Martina Wald lebt und arbeitet in der Nähe von Frankfurt am Main und auf einer kleinen Insel vor der Küste Südwest-Floridas. Nach dem Studium der Kunstgeschichte hat sie viele Jahre im Buch- und Kunsthandel gearbeitet. Sie zeichnet seit über 18 Jahren.

Seit einigen Jahren verbindet sie das Zeichnen mit einer weiteren großen Liebe, dem Jazz. Jährlich entstehen hunderte von live gezeichneten Musikerskizzen, die sie während unzähliger Jazzkonzerte fertigt und die sie immer wieder in Ausstellungen in Deutschland und in den USA zeigt.

Ab und zu (ein bis zweimal Mal im Monat) verschicke ich E-Mails mit Texten zum Sehen-zeichnen

und zur Martina-Wald-Methode, um dich auf deinem Weg zu einem befreiten Zeichnen zu begleiten.

Außerdem informiere ich wie und wo du an meinen Kursen teilnehmen kannst.

Wenn du diese E-Mails erhalten möchtest, trage dich bitte in das Formular ein.

Vor dem Abschicken bitte noch mal überprüfen, ob die E-Mail-Adresse richtig geschrieben wurde.

Um den Vorgaben der DSGVO gerecht zu werden, muss ich dich bitten diese Anmeldung dann noch mal zu bestätigen.

Da ich den Vorgang nicht automatisiert habe, werde ich dir innerhalb von 24 Stunden persönlich eine Antwortmail schicken, mit der Bitte diese mit deiner Bestätigung wieder an mich zurückzuschicken.

Die genaue Erklärung dieser Vorgehensweise findest du dann in meiner Antwortmail.

Sobald ich deine Bestätigung erhalten habe, nehme ich deinen Namen und deine E-Mail-Adresse in meinen Verteiler auf.

In jeder weiteren E-Mail, die ich dir schicken werde, findest du einen Link, über den du dich jederzeit einfach wieder austragen kannst. Dieser Vorgang ist automatisiert. Um dich auszutragen, brauchst du mir keine persönliche E-Mail zu schreiben.

Bitte schaue in deinem Spamordner nach, falls du innerhalb von 24 Stunden keine Antwortmail von mir erhalten hast.

29 Gedanken zu „Über MARTINA WALD

    • Hallo, liebe Jasmin,
      da bin ich geplättet. Vielen vielen Dank.
      Es freut mich riesig, dass Dir mein Blog gefällt. Das wiederum inspiriert mich sehr mit meiner Arbeit weiterzumachen
      Ich nehme den Preis gerne entgegen und werde ihn im Sinne des Preises weiterreichen.
      Ganz herzliche Grüße,
      Martina 🙂

  1. Pingback: Rostocker Hof als Ausstellungsort « Bilder, Aquarelle vom Meer & mehr – von Frank Koebsch

  2. Pingback: Martina Wald – Eine Zeichnerin aus Frankfurt / Main | see more jazz in fine art

  3. Pingback: Vernissage unserer Ausstellung “see more jazz in fine art” « Bilder, Aquarelle vom Meer & mehr – von Frank Koebsch

  4. Liebe Martina, vielen Dank für deinen NL !!!! Danke ! Gefällt mir wieder sehr gut und danke für den Hinweis auf Gabi`s HP . LG Traudel

  5. liebe martina,
    vor ein paar monaten habe ich mit bangem herzen als quasi-autodidaktin meine bilder einem dozenten in essen gezeigt.“erst mal zeichnen lernen“ sch…..
    der traum, dass in mir über 50 jahre lang eine verkannte künstlerin schlummerte , war erst mal ausgeträumt.und ich hab losgelegt.zeichnen, was das zeug hält:zehen,hände(gemein!!), gesichter(noch gemeiner), olle socken,löffel,gefäße , habe mich mit der anatomie des menschen beschäftigt , und wurde zwischen kurzen momenten der stolzen freude immer wieder sauer und wütend.seit 3 wochen male ich nun täglich.immer so ein bis 2 stündchen.jetzt habe ich mir 3 tage freigeschaufelt, heute ist der letzte davon, und versucht, stundenlang gefäße zu zeichnen.ein grauen.das merkwürdige:ich hatte den eindruck,immer dilettantischer zu werden.habe die letzten wochen fotografisch festgehalten , und die bilder der letzten tage sind wirklich schwach.
    heute morgen habe ich dann das stichwort „schalen zeichnen“ in die suchmaschine eingegeben und bin auf deinen blog von 2010 gestoßen.die helle freude war das!!vielen vielen dank für diese berührenden, leichtfüßigen,kunstvollen, lustigen, zärtlichen bilder und kommentare.habe wieder neuen mut gefasst, gleich loszulegen und es mal etwas lockerer anzugehen.
    ich hoffe sehr, dass du noch workshops gibst und wäre gern einmal mit dabei.
    mit herzlichem gruß,
    annette

    • Ach, meine liebe Lululene, was machst du es dir so schwer? Und wofür? Damit dir irgendwann irgendein Dozent sagt: „Aber Hallo, Frau Lululene, Sie sind ja eine Künstlerin! Herzlichen Glückwunsch.“

      Ich weiß, dass hört sich jetzt nicht sehr nett an. Aber ich sage es, weil ich, genau wie du, viel zu lange dachte, jemand anderes hätte darüber zu entscheiden, ob ich eine Künstlerin bin oder nicht.
      Wer viel fragt, bekommt viel geantwortet. Die Antworten haben NIE etwas mit dem Fragenden zu tun, sondern immer nur mit dem, der die Antwort gibt. Mit der Antwort „erstmal zeichnen lernen“ bist du noch gut weggekommen. Es hätte schlimmer sein können. Der Dozent hätte an dem Tag auch gerade Bauchweh haben können und dann hätte er vielleicht gesagt: „Um Gottes Willen, ihr Zeug ist ja grauenvoll, nehmen sie nie mehr einen Pinsel in die Hand.“
      Womöglich hättest du ihm geglaubt, und, und, und…. das mag man sich gar nicht ausdenken.

      Wie du ja selbst sagst, du glaubst, in dir könnte eine „verkannte“ Künstlerin stecken. Wenn hier irgendjemand dich „verkennt“, dann bist nur du selbst es. KEIN Mensch, in dem KEIN Künstler steckt, denkt sich: Och, wer weiß, vielleicht steckt ja ein verkannter Künstler in mir.
      Nein, nein. Nur diejenigen, denen das Künstlersein FEHLT, die sich danach SEHNEN einer zu sein, nur diese sind Künstler. Das Künstler-Sein erkennen, es also nicht zu „ver-kennen“, das musst du selbst tun, das kann keiner für dich übernehmen.

      Ich bin die Letzte, die jemandem sagen wird, hör auf zu zeichnen. Ich sage dir aber, HÖRE AUF, ZEICHNEN ZU LERNEN.
      Stattdessen mach was ganz anderes:

      ZEICHNE!!!!! Fang´ an zu zeichnen. Mach´ dich auf den Weg, DEIN Zeichnen zu ENTDECKEN.
      Vielleicht bist Du so wütend, ungeduldig und unzufrieden mit deinen Zeichnungen, weil sie etwas sein sollen, was sie nicht sein können. Vielleicht willst Du ja Zeichnungen machen, die so aussehen, als seien sie von jemand anderem. Aber auch wie dieser „andere“ zeichnet, weißt du gar nicht so genau und deshalb weißt du auch nicht genau, wie deine Zeichnungen aussehen sollten, damit du sie akzeptieren könntest.
      DEINE Zeichnungen werden aber immer so aussehen wie DEINE Zeichnungen. Deine Zeichnungen werden sich im Laufe deines Zeichnens, während du immer mehr Erfahrungen sammelst im Zeichnen, verändern, aber sie werden immer so aussehen, wie deine.
      Und genau so muss es sein. Die Welt interessiert nicht, wie du zeichnest, wenn du versuchst, wie jemand anderes zu zeichnen. Die Welt will sehen, wie du zeichnest, wenn DU zeichnest, mit allem Drum und Dran, mit allem Dilletantismus und aller Genialität. Und beides ist untrennbar miteinander verbunden. In deinem Dilletantismus kann ich deine Genialität erkennen. Und Gott bewahre mich davor, dass ich dann versuche, so zu zeichnen wie du, weil ich deine Zeichnungen so genial finde.
      Und noch was: Höre auf Künstlerin sein zu wollen. Das bist du schon längst. Du bemühst dich etwas zu werden, was du schon längst bist. Und zwar unabhängig davon, ob du oder jemand anderes gut oder anerkennenswert findet, was du machst. Du verbrennst deine Energie an der falschen Feuerstelle.
      Kaum etwas steht dem Kunstschaffen mehr im Weg, als der Wille Kunst schaffen zu wollen.
      Zeichne, Male, sei DU.

      • sorry, so spät zu antworten ist echt nicht nett, nachdem du so viel nettes geantwortet hast.ich weiss was du meinst, und werde es versuchen, bei der nächsten frustattacke in erinnerung zu rufen.gibt es denn nun noch mal ein zeichenworkshop in nächster zukunft?liebe grüsse von der lululenen-annette

  6. Hallo Martina,
    ich muss mal ganz allgemein anbringen, dass ich das Engagement, die Intensität und die Konsequenz mit der du deine Seite betreibst und auch deine Kontakte motivierst bewundernswert finde!

  7. Hallo liebe Martina
    Ich wollte zeichnen und ich hab bei Google
    Zeichnen eingegeben ich finde deine Seite sehr bewundertswert und ich finde deine Tipps sehr gut und sehr empfehlenswert. 🙂

  8. Wow, die Jazz-Skizzen gefallen mir sehr. Ach. Kannst Du nicht vielleicht doch mal drüber nachdenken, einen Workshop mit eher sowas zu machen? Das mit den Museen ist echt nix für mich, aber bei sowas und dann noch in Köln – das wär seeehr fein 🙂

    • Du Armes, man hat dir die Museen wohl wirklich vermiest und dabei mache ich „sowas“ in den Museen. Am Ende kann „sowas“ für dich rauskommen, wenn du es denn „so“ willst. 🙂

      • Also nich wirklich d i e Museen, aber in das Römisch Germanische bekommen mich keine 10 Pferde mehr. Direkt daneben wäre doch z.B. das schöne bunte Museum Ludwig !?!?! *lächelächel*

  9. Hallo Martina, durch Zufall geriet ich auf deine Seite.
    Toll, was du da auf die Beine gestellt hast. Herzlichen Glückwunsch dazu.
    Wir kennen uns aus Georgsmarienhütte. Erinnerst du dich?
    Wie geht es Klaus?
    Herzliche Grüße
    Gabriele Hille

  10. Hallo Martina,
    Ich habe deine 25 Tipps wie man richtig gut zeichnet gelesen.
    Ich konnte nicht aufhören, bis ich den letzten Satz gelesen habe.
    Deine Ansichten sind so schwungvoll und heiter, dass ich wieder richtig Lust bekommen habe, was zu kreieren.

  11. Liebe Martina,
    mir gefällt sehr, was Du machst und wie Du vorgehst. Ich bin nur zufällig auf Deine Seite gestoßen, sie hat mich aber sofort angesprochen und ich habe mich für Deinen Newsletter und als Interessent für einen Onlinekurs eingeschrieben. Ich versuche, täglich zu kritzeln, Entschuldigung, zu zeichnen, und bin gespannt auf Deine weiteren Anregungen.

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