Blue

Georgia O´Keefe, Some Memories of Drawings, 1988:
„I was alone and singularly free, working into my own unknown – no one to satisfy but myself. I began with charcoal and paper and decided not to use any color until it was impossible to do what I wanted to do in black and white. I believe it was June before I needed blue!“

Der Radiergummi radiert deine Seele aus

ausradiertes SmileyHeute möchte ich….

Nein. Ich fang´ noch mal von vorne an.
Ich möchte….
Ach, was, das ist auch nicht gut.
Ich denke, ich will sagen….
Nein, halt. Ich mach´ es doch anders.
Liest da noch jemand, oder sind schon alle weg?
Ich jedenfalls würde einen Text, der so beginnt wie dieser hier, nicht lesen.
Offenbar weiß die Schreiberin nicht, was sie sagen will. Sie ist unsicher und nimmt jeden Satz, den sie beginnt sofort wieder zurück.
Jetzt stell dir mal vor, jemand würde auf diese Art eine Rede halten. Nach jedem Satz würde der Redner sagen, ach halt, das habe ich ja gar nicht so gemeint. Ich will es anders formulieren, nämlich so….
Und kurz darauf sagt er, ach nein, auch das scheint mir nicht treffend. Was halten Sie von folgender Formulierung? Und so weiter.
Das wäre kaum auszuhalten, oder?
Nicht nur würden die Zuhörer sofort jegliches Vertrauen in des Redners Kompetenz verlieren, auch der Redner würde sich nach kurzer Zeit nicht mehr trauen den Mund aufzumachen, da er ja selbst keinem seiner eigenen Worte über den Weg traut. Bald würde er nie mehr irgendwas laut aussprechen wollen.
Wenn man beim Zeichnen einen Radiergummi benutzt und immer wieder die Linien, die einem nicht gefallen, weil sie angeblich nicht treffend genug sind, sofort wieder ausradiert, verhält man sich genauso wie dieser Redner.
Schon nach kurzer Zeit traut man keiner seiner eigenen Linien mehr, beäugt sie kritisch, zweifelt sie an, will sie mit dem Radiergummi ungeschehen machen.
Eine gezeichnete Linie kann man aber nicht ungeschehen machen, man kann höchstens versuchen, sie zu „vertuschen“ und sie ausradieren (meistens mit häßlichen Spuren auf dem Papier).
Wer sich nicht nur mit Papier und Bleistift, sondern auch mit einem Radiergummi in Reichweite ans Zeichnen macht, vermittelt sich selbst eine sehr klare Botschaft:
– Ich will gar nicht wirklich zeichnen. Ich will am Ende nur eine perfekte Zeichnung vorweisen können und ich muss mit allen Mitteln verhindern, dass man meiner Zeichnung ansieht, dass ich nicht perfekt zeichnen kann.-
Wer jedoch seine eigenen Linien ständig mit dem Radiergummi bedroht, verdirbt sich die Freude am Prozess des Zeichnens. Er bemerkt gar nicht, dass es das Zeichnen selbst ist, das eine „gute“, das heißt lebendige und seelenvolle Zeichnung hervorbringt und nicht das „irgendwie Hinkriegen“ einer Zeichnung.
Der Radiergummi hilft nicht beim Zeichnen, er verhindert das Zeichnen.
Der Radiergummi verhindert das Entstehen von unerwarteten Einfällen und Zufällen.
Der Radiergummi kann nur zulassen, was schon bekannt ist.
Mit dem Radiergummi kontrolliert und zensiert der Zeichner seine spontane Kreativität und individuelle Ausdruckskraft.
Beim Zeichnen die Kontrolle behalten zu wollen und zu müssen, stammt noch aus einer anderen Zeit und gehört zu einer anderen Anwendung des Zeichnens.
Die zeichnende Hand mit Hilfsgeräten zu kontrollieren und deren Ausführungen zu korrigieren ist ein Relikt aus dem Prä-Computericum. Damals war man auf Hilfsmittel wie Lineal, Zirkel und auf den Einsatz von Radiergummis angewiesen, da man exakte Pläne nur mit der Hand zeichnen konnte.
Obwohl heutzutage Computerprogramme sicherheitsrelevante Fehlerlosigkeit garantieren, hat sich die Anforderung beim Zeichnen grundsätzlich stets korrekt und genau sein zu müssen, bis heute erhalten.
Nach wie vor gilt bei vielen Menschen Fehlerlosigkeit als grundlegendes Bewertungskriterium für eine gute Zeichnung.
Das hängt damit zusammen, dass zwei unterschiedliche Paar Schuhe den selben Namen tragen.
Sowohl das technische Zeichnen wurde und wird ganz allgemein mit „dem“ Zeichnen gleich gesetzt, als auch das kreative und gestaltende Zeichnen.
Deshalb kommt es auch heute noch immer wieder zu solch merkwürdigen Aussagen, wie: Ich kann nicht zeichnen, denn ich kann noch nicht mal eine gerade Linie ziehen.
Die einzige passende Antwort darauf wäre:
Herzlichen Glückwunsch, du bist also keine seelenlose Maschine.
Es zeichnet einen Menschen geradezu aus, dass er eben keine exakt gerade Linie ziehen kann.
Wer ohne den Einsatz eines Radiergummis zeichnet, wird immer eine lebendige und authentische Zeichnung anfertigen.
Wie auch immer der Zeichner sich entscheidet, ob er seine Linien auf dem Papier stehen lässt, wie sie ihm aus dem Stift fließen oder ob er weitere Linien über die vorherigen legt, er wird stets aus voller Seele zeichnen.

 

Zeichnen – 24 ganz persönliche Erkenntnisse

Zeichnen ist nicht schwierig, aber man kann es sich ganz leicht schwer machen.
Man muss nicht lange suchen, um jemanden zu finden, der einem sagt, wie es geht.
Ich glaube aber, jeder muss für sich selbst herausfinden, wie das Zeichnen geht.
Heute habe ich 24 meiner eigenen ganz persönlichen Erkenntnisse über das Zeichnen aufgeschrieben.
Vielleicht inspirieren sie dich, deine eigenen Einsichten zu entdecken und zu formulieren, damit dir das Zeichnen immer leicht von der Hand geht.
______________________________________________________
01. Es ist wichtiger vom Zeichnen selbst zu lernen, anstatt das Zeichnen zu lernen.
.
02. Der zeichnende Blick ist gleichgültig. Alles, was er sieht, ist ihm gleich viel gültig.
.
03. Zeichnen macht das Schöne nicht schöner, aber das nicht Schöne schön.
.
04. „Das sieht ja aus wie echt“ über eine Zeichnung gesagt, ist kein Kompliment, sondern macht deutlich, dass es nicht mehr darüber zu sagen gibt.
.
05. Das Zeichenmotiv ist kein Feind, mit dem man irgendwie fertig werden muss.
.
06. Wer zeichnen will, soll keine Zeugenaussage machen, sondern Zeugnis ablegen.
.
07. Zeichnen ist immer sehen plus fühlen, nicht sehen plus wissen.
.
08. Die Linie, die nur genau sein will, hat nichts anderes zu erzählen, als von ihrer Genauigkeit.
.
09. Eine geglückte Zeichnung ist immer beeindruckender als eine gelungene Zeichnung. Eine geglückte Zeichnung ist das Ergebnis von geglücktem Sehen.
.
10. Man kann sich keine Zeichnung ersparen, nicht die gelungenen, nicht die nicht gelungenen und auch nicht die dazwischen. Man braucht sie alle, damit die geglückten Zeichnungen entstehen können.
.
11. Eine geglückte Zeichnung kann man nicht planen, aber man darf immer darauf hoffen.
.
12. Zeichnen ist kein Kunstturnen, auch die alten Meister haben gepatzt.
.
13. Die Zeit des Zeichnens und die Zeit des Betrachtens der eigenen Zeichnungen sind streng getrennt zu halten. In der Rolle des Betrachters kann man nicht zeichnen, sondern nur betrachten und in der Rolle des Zeichners kann man nicht betrachten, sondern nur zeichnen.
.
14. Zeichnen lernt man nicht, indem man zeichnen lernt, sondern indem man lernt, ein Mensch zu sein, der zeichnet.
.
15. Zeichnen können bedeutet, man zeichnet, auch wenn man glaubt, es nicht zu können.
.
16. Man macht sich nicht selbst für das Zeichnen passend, sondern man macht das Zeichnen für sich selbst passend.
.
17. Wenn wir Augen zeichnen, zeichnen wir nicht die Augen, sondern ihren Blick.
.
18. Wenn du eine Blume am Feldrand zeichnest, zeichne den Wind und nicht die Blume.
.
19. Zeichnen bedeutet Zeichen setzen, nicht Striche anordnen.
.
20. Richtig gut zeichnen kann man nur, wenn man nicht mehr weiß, was man sieht und wenn man nicht mehr weiß, was man tut.
.
21. Wenn ich mir im Kopf vorstelle, wie eine Zeichnung auszusehen hat, stelle ich etwas vor mich hin, das mir meinen eigentlichen Blick verstellt. (Danke E.H. für diese Erkenntnis)
.
22. Ein Motiv zu zeichnen ist, wie einen Text in eine andere Sprache zu übertragen. Wenn es sich gut anhören soll, darf man es nicht wörtlich nehmen.
.
23. Eine entspannte lockere Linie, die etwas wahrhaftig gesehen hat, ist immer die stimmige, die über-ein-stimmende Linie, auch wenn sie objektiv betrachtet, nicht stimmt.
.
24. Ein einfacher Test, ob du falsch oder richtig zeichnest. Frag dich selbst:  Vertreibt mir das Zeichnen meine Lust am Sehen oder macht mir das Zeichnen immer mehr Lust aufs Sehen?

Zeichenworkshop in München am SONNTAG, 17. Juni 2017

Workshop in München

„Mit Freude und Leichtigkeit zeichnen“

in der Glyptothek

am SONNTAG, den 17. Juni 2018

von 10.30 Uhr bis 15.30/16.00 Uhr

Zeichnen ist etwas Wunder-volles ( voll der Wunder), denn durch das Zeichnen erkennen wir in allem, was uns umgibt das Wundervolle.
Leider ist vielen von uns das „Wundern“ beim Zeichnen schon sehr früh ausgetrieben worden. Stattdessen sollten wir „richtig“ zeichnen und „genau“ zeichnen und nur das, was alle sehen und nicht das, was nur wir sehen.

Es ist aber unser ganz eigener Blick, unsere eigene Auffassung, unser eigener Eindruck, der unsere Zeichnungen ausdrucksstark und eindrucksvoll macht, sofern wir es uns erlauben.

Wenn du Lust hast, endlich DEIN eigenes Zeichnen zu entdecken, deine eigenen Linien zu finden, deine eigene Sichtweise zu Papier zu bringen, dann würde ich mich sehr freuen, dich am SONNTAG, 17. Juni in der Glyptothek begrüßen zu dürfen.

HIER findest du das Informationsblatt zur Anmeldung

So haben Teilnehmer frühere Workshops erlebt:

„Es war für mich ein Meilenstein auf meinem Zeichenweg. Es gibt für mich ein davor und danach. Du hast mir so eine innere Freiheit geschenkt, dass ich fast nach Hause geflogen bin.“ Johannes

„Es war ein wunderbarer Workshop. Erledigt, aber überglücklich und voll mit neuen Eindrücken habe ich meine Heimreise angetreten.“ Beate

„Der Workshop hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch die kleinen guten Tricks, die so gerne in Vergessenheit geraten, und dann zu erleben, dass es funktioniert. Da ist man von den eigenen Zeichnungen überrascht.“ Sabine

„Ich habe viel gelernt und bin jetzt bis in die Fingerspitzen motiviert.“ Peter

„Mit Freude und Leichtigkeit zeichnen“

Dieser Workshop wird dich dazu inspirieren mit deinem eigenen Zeichnen und mit deiner eigenen Art des zeichnerischen Ausdrucks wieder intensiven Kontakt aufzunehmen.

Wenn du nicht so oft zeichnest, wie du es dir wünschst oder wenn du lange nicht mehr gezeichnet hast, findest du hier Anregungen und Inspirationen, um dich mühelos und mit Freude wieder regelmäßig dem Zeichnen zuzuwenden.

Wenn du dir deines eigenen unvergleichlichen Ausdrucks „selbst bewusst“ wirst, fällt es dir leicht, den inneren Kritiker zu überhören und wieder „selbstbewusst“ und mit Begeisterung zu zeichnen.

So kannst du deine Zeichnungen mühelos entstehen lassen, ohne den Entstehungsprozess ständig kritisch zu kontrollieren und zu bewerten.

Ich zeige dir, wie du unmittelbar sehen kannst und wie dir ausdrucksstarke und authentische Zeichnungen gelingen, die keinen Vergleich scheuen müssen, weil sie einzigartig und unvergleichlich sind.

Wie läuft so ein Workshop eigentlich ab?

Bevor ich diese Frage beantworte, will ich zunächst einmal erklären, wie meine Workshops NICHT ablaufen.

– Es werden KEINE konventionellen Zeichentechniken vermittelt, wie man sie als Lektionen in manchen Lehrbüchern findet, wie z.B. Schraffieren, Graustufenfelder anlegen oder ein Ei unter einer gedachten Lichtquelle von links oben zeichnen.

– Ich gehe NICHT während des Zeichnens herum, um den Zeichnern über die Schulter zu schauen und sie auf sogenannte Fehler aufmerksam zu machen.

– Es geht NICHT um ‚falsch oder richtig‘ oder um ‚besser oder schlechter‘ zeichnen als….

Wenn du jetzt noch Lust hast weiterzulesen, ist ein Workshop, so wie ich ihn anbiete, sehr wahrscheinlich etwas für dich.

Beim ersten Zusammentreffen der Gruppe nennen wir nur unsere Vornamen und es gibt keine dieser üblichen Vorstellungsrunden.
Das ‚Woher‘ und ‚Wohin‘ und ‚Was mache ich sonst noch‘ bleiben draußen vor der Tür.

Ich stelle mir die Runde der Zeichner immer gerne als eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe Reisender vor, die für eine gewisse Zeit gemeinsam auf Entdeckungstour gehen.

Im Laufe des Tages bitte ich die Teilnehmer, sich auf verschiedene Zeichenexperimente einzulassen.
Ich erkläre das jeweilige Experiment und los geht´s mit dem Zeichnen – jeder für sich.

Nach einer vorgegebenen Zeit kommen wir wieder zusammen, und wer mag (!), erzählt von seinen Erfahrungen, die er während des jeweiligen Reiseabschnittes sammeln konnte.
Es kommt dann immer zu einem regen Austausch, weil natürlich jeder durch die Erfahrungen der anderen auch Erkenntnisse für sich selbst gewinnen kann.

Auf diese Weise bewegen wir uns zeichnend und miteinander sprechend durch die Säle des Museums.

Die Zeichen-Experimente sind dazu gedacht, die Zeichner herauszufordern, den Prozess des Zeichnens zu hinterfragen und neu zu erleben.

Das unmittelbare Sehen und Erleben stehen im Mittelpunkt so eines Zeichenworkshops, denn nur, was den Zeichner innerlich beeindruckt, kann er auf seine einzigartige und unvergleichliche Weise auf dem Papier adäquat zum Ausdruck bringen.

Welche Experimente das sind, verrate ich natürlich nicht. Dann wäre ja die Überraschung weg.

Aber am Ende des Tages wird sich für jeden Zeichner etwas verändert haben und für jeden wird es etwas anderes sein.

HIER findest du das Informationsblatt zur Anmeldung

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken