Was ZeichnerInnen tun, wenn sie NICHT zeichnen…

…und dabei trotzdem Zeichen-Erfahrungen sammeln.

In den Spiegel schauen

Wer zeichnet, porträtiert stets sich selbst, und zwar auch dann, wenn er eine Landschaft zeichnet oder das Porträt eines anderen. Alles was man zeichnet, zeigt wie man selbst ist. Seine eigenen Zeichnungen betrachten, ist wie in einen Spiegel schauen. Manche mögen nicht was sie sehen, weil sie noch nicht gelernt haben, sich selbst so anzunehmen wie sie sind. Wer selbstbewußt in den Spiegel schauen kann, schaut auch selbstbewußt auf seine Zeichnungen.

Sich selbst auf die Finger schauen

Der Schriftsteller Julien Green schrieb 1929 in sein Tagebuch: „Eine Hand ruft einen merkwürdigen Eindruck hervor, wenn man sie aufmerksam betrachtet. Es dauert nicht lange, und sie flößt einem etwas ein, was dem Schrecken verwandt ist.“

Man kann etwas Vertrautes, wie z.B. die eigene Hand, so intensiv anschauen, dass man sie nach einer Weile gar nicht mehr erkennt. Sie wirkt dann fremd und eigenartig. Wenn man durch aufmerksame Betrachtung Abstand zu etwas gewinnt, das man jeden Tag sieht, beginnt man es so zu sehen, wie es tatsächlich aussieht, anstatt es so zu sehen, wie man glaubt zu wissen, wie es aussieht und man deshalb gar nicht mehr so genau hinschaut. Das funktioniert übrigens auch mit Wörtern. Wenn man ein Wort immer und immer wieder laut sagt, ich weiß nicht wie oft, aber vielleicht mehrere hundert mal, hört man irgendwann  nur noch den Klang des Wortes und für einen Moment vergißt man völlig, was es bedeutet.

Gedichte lesen

„Fortschritt“ von Rainer Maria Rilke

Und wieder rauscht mein tiefes Leben lauter,/als ob es jetzt in breitern Ufern ginge./Immer verwandter werden mir die Dinge/und alle Bilder immer angeschauter./Dem Namenlosen fühl ich mich vertrauter:/mit meinen Sinnen, wie mit Vögeln, reiche/ich in die windigen Himmel aus der Eiche,/und in den abgebrochnen Tag der Teiche/sinkt, wie auf Fischen stehend, mein Gefühl.

Beim Gedichte lesen muss man einfach mal innerlich die Klappe halten, sonst bekommt man nichts mit. Gedichte sind keine Rätsel, die gelöst werden wollen und sie müssen auch nicht ins „Verständliche“ übersetzt werden. Gedichte eröffnen Wahrnehmungs- und Gefühlsräume, zu denen wir im Alltag meist keinen Zugang finden. Wenn wir Gedichte so lesen wollen, dass sie zu uns sprechen, müssen wir ganz ruhig und ganz still werden, wir müssen aufmerksam hören, denn es zählt jedes Wort. Und wer es versteht, gut hin-zuhören, dem fällt es auch leicht beim Zeichnen gut hin-zusehen.

Ab und zu mal ein Auge zudrücken

Wer nur mit einem Auge sieht, sieht zwar „einfach“, aber bestimmt nicht weniger oder gar schlechter. Wenn wir ein Auge zudrücken,  erscheinen alle Gegenstände, von denen wir ja wissen, dass sie eigentlich ein Vorne und Hinten haben, plötzlich flach. Besonders gut kann man das erkennen, wenn man sich mit zugekniffenem Auge den Zeigefinger vor die Nase hält. Alles ringsherum ist dann nur noch genauso weit von der Nase entfernt, wie dieser Finger. Alle Linien, die diesen Finger schneiden, verlaufen nicht mehr nach hinten oder vorne, sondern haben nur noch eine Neigung in Relation zu diesem Finger. Es ist ganz offensichtlich: die Welt ist so flach wie ein Zeichenblock.

Selbstgespräche führen

(Oder bin ich etwa die Einzige, die das macht?) Nein, keine Angst, ich laufe nicht leise vor mich hin brabbelnd durch die Straßen. Allerdings erzähle ich mir manchmal, wenn ich unterwegs bin oder auch zu hause vor mich hin werkele, was ich gerade sehe oder was mir auffällt. Gerade eben z.B. habe ich in der Küche Trauben gewaschen. Und da habe ich zu mir gesagt: „Jetzt schau dir das an, da spiegelt sich der Fensterrahmen doch tatsächlich auf jeder einzelnen Traube.“  Und während ich spazieren gehe, sage ich zu mir: „Diese Blätter an dem Haselbusch dort, sehen aus wie verwelkte Taschentücher.“ oder „Warum zittern eigentlich die Blätter am selben Ast ganz unterschiedlich im Wind?“ oder „Das gibt´s doch nicht, das Hausdach hängt ja total durch.“…und so weiter. Weil ich es gewohnt bin, mir selbst zuzuhören, wenigstens ab und zu, höre ich mir auch manchmal beim Zeichnen zu. Dann sage ich zu mir: „Schau mal, das große Rosenblatt hat da einen Knick.“ oder „Diese Nase ist vorne ganz rund.“ Bewußt solche Selbstgespräche während des Zeichnens zu führen, ist übrigens eine gute Strategie die nörgelnde Selbstkritik, die einen so gerne anfällt, zu übertönen.

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4 Gedanken zu „Was ZeichnerInnen tun, wenn sie NICHT zeichnen…

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